#paysageCH

Programme

Programme

Toutes les interventions en séance plénière et lors des sessions parallèles seront traduites en allemand, français, italien, anglais et dans d’autres langues.

Mercredi 2 septembre

Au Kulturplatz Davos à partir de 18h30 environ : soupe à l’orge et concert de Cinzia.

Jeudi 3 septembre 2026

09:00

Café et inscription

09.45

Mot de bienvenue (plénière) : Rolf Holderegger, directeur du WSL, Philipp Wilhelm, landammann de Davos et Marcel Hunziker, directeur du congrès du WSL

10:00

Trois interventions et discussion sur l’identification, les personnes ayant une ou deux origines, la migration interne et la gouvernance sous différents angles

Das Leben in den Bergen löst seit der Aufklärung eine tiefgreifende und breit geteilte Faszination aus. Die Alpen werden zum Ort des Glücks – eine Vorstellung, dies bis heute im Tourismus aktuell bleibt. Städtisch-bürgerliche Sehnsüchte prägten die Vorstellungen dieser „Naturlandschaften“ und der darin lebenden Menschen. Die literarischen, aber auch die wissenschaftlichen Beschäftigungen mit den Bergen verdichteten sich gar zu politisch-ideologischen Setzungen; nicht nur, aber gerade auch in der Schweiz. Der vertikale Blick „nach oben“ versprach und verspricht alternative Lebensentwürfe, vereinnahmt aber auch komplexe Alltage für einfache Erzählungen. An den beiden empirischen Beispielen der multidisziplinären Beschäftigung mit dem „Bergvolk der Walser“ und dermeist ausgeblendeten relationalen Räume alpiner Urbanität fragt dieser kulturwissenschaftliche Beitrag deutungsoffen nach Stadt-Berg-Beziehungen. Worin gründen die hochwirksamen Sehnsüchte nach einer „unberührten Bergwelt“? Welche (widersprüchlichen) Effekte haben diese Identifikationen und räumlichen Projektionen? Was macht das mit den Menschen, die „am Berg“ leben? Und inwiefern lohnt die (erneute?) Befragung von Berg und Tal?
Au cours des 150 dernières années, Pontresina, à l’instar de nombreuses communes des Alpes suisses, est passé d’un petit village agricole à une station touristique mondaine. Ce développement a profondément impacté l’urbanisme, le paysage urbain, les infrastructures et la structure démographique. Il a ouvert de nouvelles perspectives économiques aux habitants de Pontresina, mais a également engendré des défis et des risques.
Comment une communauté préserve-t-elle son identité lorsque sa croissance repose principalement sur l’immigration, tout particulièrement sur la migration interne ? Comment permettre à la population locale de vivre à Pontresina sans entraver le développement du tourisme ? Et est-il vraiment indispensable qu’il y ait des autochtones dans une commune touristique ?
Schon immer war früher alles besser – die Landschaft schöner, der Umgang mit ihr einfacher. Die Trennlinien und die Rollen waren klar: Stadt war künstlicher Raum, Ort der Gartenkunst; Landschaft ihre natürliche Gegenwelt mit Landwirtschaft und ungezähmter Natur. Ingenieure bauten Brücken, Architekten Häuser, Landschaftsarchitekten Parks. Italienische Maurer bauten Anfang des 20. Jahrhunderts in Vals Trockenmauern in die Hänge unter dem „Horn“. Sachlicher Lawinenschutz von berührend-kunstvoller Schönheit; Landschaftsarchitektur ohne Planer, von Handwerkern gestaltet. Braucht die Landschaft keine Landschaftsarchitektur? Der Szenenwechsel zeigt das Gegenteil: Flüsse fliessen, ihrer Mäander beraubt, im Korsett lebensfeindlicher Uferverbauungen. Ingenieurbauten durchschneiden Berglandschaften mit schnurgeraden Böschungen, die in ihrer monumentalen Fremdheit Landschaftsbilder dominieren. Wunden in der Landschaft. Die Wahrheit liegt dazwischen. Zum Beispiel in Bondo nach dem Bergsturz: Gewaltige Ingenieurbauten schützen Menschen vor dem Berg und respektieren dabei technische Realitäten ebenso wie die Bergeller Landschaft. Landschaftsarchitektur wurde von Beginn an zur Mittlerin zwischen Landschaftsbild, sozialen, ingenieurbaulichen und ökologischen Interessen. Längst ist die Landschaftsarchitektur nicht mehr nur für die Stadt zuständig: Die offene Landschaft muss vielfältige Ansprüche aufnehmen. Das erfordert ein generalistisches Verständnis für die Natur der Landschaft, ihre Bilder, Prinzipien und Strukturen, ihre Baumaterialien vom Boden bis zur Vegetation. In der Landschaft liegt eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder der Landschaftsarchitektur unserer Zeit!

11:10

Pause café et changement de salle

11:40

P1 – Culture du bâti et espaces libres en milieu urbain

Das Projekt erarbeitet Lösungsansätze zur Gestaltung und Aufwertung kommunaler Grenzlandschaften in Agglomerationsräumen. Am Beispiel von Dübendorf werden siedlungsnahe, bisher wenig beachtete Grenzräume – oft landwirtschaftlich genutzt – als potenzielle Freiräume für Biodiversität, Bewegung und Erholung untersucht. Die Ausgangslage ist geprägt durch wachsenden Nutzungsdruck, unklare Zuständigkeiten und fehlende überkommunale Koordination. Ziel des Projekts ist, diese Grenzräume als vernetzte, multifunktionale Landschaftssysteme zu entwickeln, die ökologische, soziale und gesundheitliche Aspekte integrieren und Synergien zwischen Naturschutz, Bewegung, Begegnung und Landwirtschaft schaffen. Das Projekt verfolgt einen innovativen Planungsansatz, der Gemeinden unterstützt, Freiräume gemeinsam zu sichern und klimaresilient zu gestalten. Erwartet werden übertragbare Planungsgrundlagen («Freiraumagenda») und beispielhafte Projekte, die zeigen, wie Grenzlandschaften zu wertvollen Natur-, Erholungs- und Klimaräumen im Agglomerationsraum transformiert werden können.

Seger, Vanessa1; Klostermann, Rainer3; Lüthi, Stefan1; Steiger, Urs2; Lorenzi, Reto4

1BHP – Brugger und Partner; 2steiger texte, konzepte, beratung; 3ATELIER 231; 4Stadt Dübendorf

Infrastructure and streets are the backbones of Baukultur, shaping the public space where people, goods, and ideas intersect. Yet in many European cities, over half of this space is primarily dedicated to cars, limiting its potential to serve as thriving public places. To redefine roads not just as functional routes but as places of social cohesion and ecological resilience is the goal of the project « Infrastructural Baukultur: Co-Design Methodologies for the Transformation of Swiss Cantonal Roads into Passage-Paysages », part of the National Research Program 81 on Baukultur. In Switzerland, routes cantonales en traversée de localité have historically connected city centers to their peripheries, recently becoming the territorial backbones of urban densification projects. This makes them a key pressure point to address the links between mobility, urban infrastructure and landscape. Since 2019, the laboratories ALICE (EPFL) and OUVEMA (Unil) have conceptualized and modelled Passage-Paysages as multimodal landscape infrastructures (ALICE and OUVEMA 2023). In this contribution, we will present the results of this project’s first study case in the Ouest-Lausannois, focusing specifically on how collective figurations of an infrastructural Baukultur reframed as landscape infrastructure can help us render productive the relation between the notion of place, « a dynamic, relational socio-physical construct, » central to the Davos Declaration and Baukultur Quality System, and landscape.

Gómez Mateu, Natalia1; Jalon Oyarzun, Lucia1; Heil, Julien1; Foehrenbacher, Antoine1; Logoz, Claire1; Dietz, Dieter1; Poisson, Adrien2; Rérat, Patrick2

1EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne); 2Université de Lausanne

Mit einem innovativen Planungs- und Mitgestaltungsansatz wird versucht, die bedeutenden Ortskerne und aktuellen Treffpunkte im schnell wachsenden Agglomerations- und Berggebiet des Zürcher Oberlandes attraktiver zu machen. Modellhaft wird aufgezeigt, wie lebendige Ortskerne erfolgreich entwickelt werden können. Bedürfnis- und ortsspezifische Qualitäten spielen dabei eine zentrale Rolle. Zusammen mit der Bevölkerung soll das einzigartige Kulturerbe besser in Wert gesetzt werden, indem identitätsstiftende und ortsbildprägende lokale Elemente bei der Stärkung der Zentrumsfunktionen mitberücksichtigt werden. Um dabei die Identität des jeweiligen Ortes zu stärken, wird an bedeutenden Bauten und Räumen angeknüpft (Einbezug kommunaler Kultur-Auslegeordnungen bzw. Inventare) und deren Ortsgeschichten wahrnehmbar gemacht. Am Landschaftskongress könnten auch erste Resultate an konkreten Fallbeispielen präsentiert und diskutiert werden. Denn nicht nur im Zürcher Oberland, sondern vielerorts braucht es neue Lösungen, um die Aufenthalts- und Lebensqualität der öffentlichen Räume zu verbessern. Gerade wegen der rasanten Bauentwicklung in zentrumsnahen, ländlich geprägten Räumen wächst die Gefahr, dass die Entscheidungsträger den Verlust an Kultur- und Landschaftsqualität in ihren Dörfern zu spät wahrnehmen und gesichtslose Schlaforte und Strassendörfern resultieren. Deshalb wird in diesem Projekt auch die Partizipation und Kommunikation der vielen Akteure mit einem neuen Ansatz eingeplant.

Müller Wahl, Priska1,2; Bisang, Helen3,4

1ZHAW; 2Forschungsbereich Landschaft und Regionalentwicklung; 3Kulturkommission der Standortförderung und der Regionalplanung Zürcher Oberland; 4Parlamentarierin von Wetzikon

P2 – Paysage et changement climatique – Conséquences et adaptations

Aufgrund der enormen Ausmasse des Klimawandels in den Alpen gilt es, die Hütten anzupassen, resilienter zu machen und weiterzuentwickeln, um diese wo möglich und sinnvoll auf lange Frist zu erhalten.

Im Studienpaket Hütten 2050 untersucht der SAC systematisch die Auswirkung des Klimawan-dels auf Hüttenstandorte, Zustiege, Wasserversorgung, Landschaftsbild und Tourenmöglichkei-ten. Erste Ergebnisse zeigen weitreichende Folgen: Bei über einem Drittel der Hütten könnte der Baugrund durch tauenden Permafrost instabil werden, 42 Hütten sind potenziell durch Felsstürze bedroht. Gletscher verschwinden rasant und lassen vielerorts Seen zurück. Die Waldgrenze steigt, sodass viele «alpine» Hütten bald im Bereich der potenziellen Waldgrenze liegen werden.

Ungefähr alle 30 Jahre wird eine SAC-Hütte umfassend umgebaut. Bei der Planung eines Um-baus müssen sich die Sektionen heute ins Jahr 2050 versetzen und Entwicklungen antizipieren: Sind Standort und Zustieg weiterhin sicher? Bleibt die Umgebung attraktiv? Werden heutige «Alpinhütten» zu «Bergwanderhütten», und was bedeuten neue Gästesegmente für den Hüttenbetrieb?

Um diese Veränderungen baulich zu begleiten, sind Anpassungsstrategien wichtig. Diese reichen von Ausbauen über Verlegen bis hin zu Schrumpfen oder gar Aufgeben. Entsprechende Zukunftsbilder sollen den Dialog unter den Betroffenen fördern und Entscheide erleichtern, die es im Rahmen eines Umbaus schon heute zu treffen gilt.

Wäger, Philippe1; Bürgi, Hanspeter2

1Schweizer Alpen-Club SAC; 2Arcollage AG

Der Klimawandel wirkt sich in den Alpen stark auf Sektoren wie Tourismus, Naturgefahren und Wassermanagement aus. Im Bergtourismus entstehen Herausforderungen bei Schneesicherheit, Beschneiung und Extremwetter, gleichzeitig ergeben sich zusätzliche Chancen durch eine verlängerte Sommersaison. Diese Arbeit untersucht den Klimawandel im Unterengadin und in der Val Müstair anhand historischer Daten und den neuen Klimaszenarien Klima CH2025. Die Analyse zeigt, dass sich die Tagestemperatur in der Nationalparkregion im Zeitraum 1991–2020 im Vergleich zur Referenzperiode 1961–1990 um 1,24 °C erhöht hat. Diese Erwärmung wird – je nach weiterem Verlauf der globalen CO₂-Emissionen – im Sommer bis zu 3,9 °C erreichen. Damit einher geht ein Rückgang der Schneefalltage in allen Höhenstufen: Seit der Periode 1961–1990 gingen bereits 5–12 Schneetage verloren; den neuen Szenarien zufolge könnten im Vergleich zu heute bis zu 18 Tage wegfallen, während gleichzeitig der Niederschlag öfter als Regen fällt. Dies steht im Zusammenhang mit der steigenden Nullgradgrenze (Anstieg im Winter um 170 m seit 1961–1990); in Zukunft könnte diese in der Region um weitere 550 m steigen. Gleichzeitig birgt die Erwärmung auch Potenzial für den Tourismus: Ein Wanderwetter-Indikator zeigt, dass geeignete Wandertage auf über 2500 m ü.M. von heute 12,5 auf bis zu 45 Tage steigen könnten. Wir zeigen, wie der Klimawandel den Tourismus beeinflusst und welche Anpassungsmassnahmen entwickelt werden, um die Veränderungen zu bewältigen.

Genné, Nina1; Aeschbacher, Bernhard2; Gubler, Stefanie3; Herrmann, Michael1; Kotlarski, Sven1

1Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, MeteoSchweiz; 2Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG; 3Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks, SCNAT

Im transdisziplinären Projekt KLANG entstanden für drei Orte im Naturpark Biosfera Val Müstair Bildserien, bestehend aus einem historischen, einem zeitgenössischen und zwei Zukunftsbildern. Die Zukunftsbilder – ergänzt durch kurze narrative Texte – zeigen mögliche Auswirkungen des Klimawandels und beleuchten lokale Handlungsoptionen im Umgang mit dem Klimawandel. Diese Landschaftsszenarien wurden partizipativ erarbeitet und berücksichtigen sowohl aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel wie auch lokales Wissen zur Landschaft.

Diese Zeitreihe bestehend aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wurde Anfang 2026 in der Anlassserie «Zeitreise Val Müstair» genutzt, um einen gesellschaftlichen Dialog über Landschaftsveränderungen und deren auslösende und treibende Kräfte zu fördern. Dadurch sollten Teilnehmende befähigt und motiviert werden, sich mit diversen Landschaftsqualitäten auseinanderzusetzen und persönliche Wunschvorstellungen für die zukünftige Entwicklung der Landschaft zu formulieren. Die wissenschaftliche Begleitung dieser Diskussionen erlaubt es, zu untersuchen wie die Auseinandersetzung mit vergangenen Landschaftsveränderungen die Wahrnehmung und Bewertung von zukünftigem Landschaftswandel auswirkt.

In diesem Beitrag stellen wir Resultate der «Zeitreise Val Müstair» vor und diskutieren gemeinsam die Chancen und Herausforderungen einer lokal verankerten Herangehensweise an das Thema Landschaften und Klimawandel.

Siegrist, Elena1,2; Feichtinger, Linda3; Bürgi, Matthias1,2

1WSL; 2Geographisches Institut, Universität Bern; 3Naturpark Biosfera Val Müstair

P3 – Aménagement du paysage dans les régions alpines

Eingriffe durch Infrastrukturprojekte wie Strassen- und Bahnbau, Wind-, Wasserkraft- und Solaranlagen sowie Materialgewinnung und Deponien prägen die Landschaft und beeinflussen ihre Leistungen. Dennoch fehlt heute eine breit akzeptierte Vorgehensweise, um solche Eingriffe zu beurteilen und den Ersatz zu bemessen. Der Beitrag skizziert zwei unterschiedliche Ansätze und diskutiert die zentralen Herausforderungen. Eine Methode ist im Kanton Graubünden seit 2018 im Einsatz mit der vom Kanton erlassenen Richtlinie zur Bewertung von Ersatzmassnahmen bei Eingriffen in geschützte Landschaften. Sie kombiniert eine GIS-gestützte Sichtbarkeitsanalyse mit einer gutachterlichen Bewertung der Auswirkungen auf die Schutzziele sowie einer Beurteilung anhand eines Sets von 4 vorgegebenen Kriterien. Daraus resultiert ein Punktwert, welcher demjenigen einer Ersatzmassnahme gegenübergestellt wird. Der zweite Ansatz basiert auf Landschaftsleistungen und Schutzzielen geschützter oder schützenswerter Landschaften. Die erfassten Landschaftswerte werden den potenziellen Wirkungen eines Eingriffs qualitativ gegenübergestellt, woraus der Bedarf für Ersatz systematisch abgeleitet und Massnahmen priorisiert werden. Das Vorgehen dient als Strukturierungshilfe, um Wirkungen nachvollziehbar zu erfassen und Ersatzmassnahmen argumentativ zu begründen.

Beide Ansätze unterstützen Projektträger bei einer landschaftsverträglichen Planung und erhöhen die Transparenz gegenüber Fachstellen und Öffentlichkeit.

Rabe, Sven-Erik1; Kipfer, Tabea2; Berchten, Felix2

1incolab; 2Hintermann & Weber AG

Alpine regions are characterized by limited spatial capacity for human settlement due to their biophysical environment and spatial planning, that seeks to meet a multiplexity of interests including effective use and nature protection (RPG, Art.1). In turn, land consumption directly impacts the social-ecological system and alpine landscapes. Tourism in these regions strongly builds on this landscape. At the same time, growing tourism numbers increases pressure on natural and social resources, including infrastructure development and the trade-off with residential space, e.g., second homes.

This work seeks to analyze the inherent conflict of land allocation between different interests (e.g., residential vs. touristic), potential overuse and between touristic growth and landscape as the underlying touristic capital. It focuses on the question how alpine municipalities as the local planning authority coordinate land use in alpine mountain regions. Drawing on institutional analysis, the resource system of the built environment, the regulating regime as well as the involved actors, their interests and strategies are assessed.

This analysis aims at identifying the gaps of coherency towards sustainable resource regulation and local arrangements in place as well as the (secondary) effects on landscape perception from a local perspective.

Schmitt, Lilli1,2

1Tourism Research Unit, University of Bern; 2Institute of Geography, University of Bern

Alpine landscapes are affected by multiple pressures, that are partially addressed by existing landscape planning tools. Across Alpine countries, landscape governance operates through multi-level planning frameworks which, despite different institutional settings, often struggle to coordinate scales and translate strategic objectives into effective local actions.

This contribution presents the research conducted by the Department of Architecture and Urban Studies of Politecnico di Milano for the Lombardy Region, as part of the consultancy for the Regional Landscape Plan. The study introduces in the Alta Valtellina sub-region a multiscalar landscape-planning device of intermunicipal action combining a structural reading of landscape invariants (natural ecosystems, hydrogeomorphological structures, agricultural-rural elements, and historical-cultural assets) with a strategic, design-oriented component that spatialises priorities and operational intervention criteria according to three main key topics: landscape identity, natural capital and sustainable recreation.

As a result, the device represents an innovative model for addressing fragmented and multi-level landscape governance in Alpine countries. By systematising and refining regional landscape prescriptions at an intermediate scale, and by rendering them operational, it enhances the capacity to manage landscape and territorial transformations in the Alps, serving as a steering tool for local plans and landscape projects.

Mazza, Francesca; Pristeri, Guglielmo; Benedini, Andrea; Ronchi, Silvia; Arcidiacono, Andrea

Politecnico di Milano, Italie

P4 – Apprendre des parcs : expériences et visions pour le paysage

Seit 2010 erhebt das Programm Landschaftsbeobachtung Schweiz (LABES) die wahrgenommene Landschaftsqualität der Schweiz mittels Umfragen, in denen die Einwohner:innen die Landschaft ihrer Wohngemeinde bewerten. In Bergregionen mit teilweise sehr grossen, heterogenen Flächen und geringer Bevölkerungsdichte stellt dieser Ansatz eine Herausforderung dar; das Potenzial der Befragung von Besuchenden blieb bislang ungenutzt.

Eine mögliche Herangehensweise besteht darin, die Landschaft an spezifischen Orten zu bewerten und dabei auch Gäste einzubeziehen. Im Modellvorhaben INSCUNTRAR wurde im Unterengadin erstmals eine Vor-Ort-Umfrage entlang eines Wanderwegs getestet. Sie zeigte den Mehrwert standortspezifischer Beurteilungen, ist jedoch für grössere Gebiete zu aufwändig. Daher wurde im Sommer 2025 in einer Pilotstudie ein partizipatives GIS (PPGIS) in der Nationalparkregion eingesetzt. Gäste und Einwohner:innen gaben während oder nach ihrem Aufenthalt geografisch verortete Bewertungen der besuchten Landschaften über eine Online-Umfrage ab. Wir zeigen auf, dass die räumliche Verortung eine präzisere Kartierung der Landschaftsbewertungen ermöglicht und damit das Management touristischer Regionen unterstützen kann, etwa durch die Identifikation von Qualitäts- und Aktivitäts-Hot- und Coldspots. Zugleich adressieren wir bestehende Schwierigkeiten und Unsicherheiten von Online-PPGIS, etwa bei der präzisen Eintragung eines Ortes auf mobilen Geräten, und diskutieren mögliche Lösungsansätze.

Gattiker, Selina1,2; Abderhalden, Angelika3,4; Feichtinger, Linda5; Gubler, Stefanie6; Kirschner, Paula3,4; Prinz, Alexander7; Hunziker, Marcel2

1Universität Zürich; 2WSL; 3UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair; 4Fundaziun Pro Terra Engiadina; 5Naturpark Biosfera Val Müstair; 6Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks, SCNAT; 7Schweizerischer Nationalpark

Chasseral, dont l’antenne est visible de loin, est aussi un grand site naturel qui a permis la reconnaissance de la région alentour en tant que Parc naturel régional. En 2023, capitalisant sur cet emblème, la marque territoriale « Grand Chasseral » a été établie par les acteurs régionaux pour désigner la région du Jura bernois. Cette fonction d’étendard a renforcé le besoin d’une gestion de qualité du site de Chasseral. En effet, le sommet est très fréquenté tant par les habitants de la région que les populations urbaines environnantes, particulièrement en automne, conduisant à des problèmes de surfréquentation et de tensions pour lesquels le Parc est régulièrement sollicité.

La mise en valeur du nom de Chasseral, l’accroissement constant de la fréquentation avec les nuisances induites, la qualité inégale de l’accueil, les enjeux de l’accès au site sont parmi les raisons ayant conduit à la nécessité de repenser l’avenir du site. Le Parc régional a initié en 2025 une vaste démarche participative, incluant une exposition photographique « Chasseral Vues de loin », afin de tester une vision d’avenir pour le développement de ce site en impliquant les usagers du site. En présentant cette démarche de médiation territoriale, cette contribution illustre les enjeux du paysage comme lieu de rencontre et les réponses possibles.

Guesdon, Géraldine

Parc naturel régional Chasseral

Im Parc Ela ermöglichen Wildbienen neue Zugänge zur Landschaft: Sie verknüpfen Biodiversität, Landnutzung, Kulturgeschichte und Identität. Seit 2022 untersuchen wir das Vorkommen seltener Arten wie der Stängel-Blattschneiderbiene (Megachile genalis) und der Schwarzen Mörtelbiene (Megachile parietina) in verschiedenen Lebensräumen zwischen Albulatal und Engadin.

Die Projekte verbinden Forschung, Landschaftsentwicklung und Vermittlung. Wir kartieren Niststrukturen, analysieren Pollenquellen, bewerten Lebensräume und entwickeln gezielte Aufwertungsmassnahmen zusammen mit Forst, Landwirtschaft und Gemeinden. Parallel dazu entstehen Ausstellungen, Führungen und Schulprogramme.

Die Resonanz ist gross: Kinder, Landwirt:innen, Freiwillige und Fachleute bringen Beobachtungen ein, melden Funde und beteiligen sich an Monitoring-Einsätzen. Das stärkt das lokale Wissen über die Landschaft und schafft Stolz für die heimische Natur.

Das Beispiel zeigt, wie kleine Tiere grosse Wirkung entfalten: Wildbienen machen ökologische Infrastruktur sichtbar, regen zu Diskussionen über Landnutzung an und verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit Emotion und Alltagserfahrung. Der Beitrag zeigt, wie Pärke als Modellregionen funktionieren können – durch Kooperation, Praxisnähe und Begeisterung für die eigene Landschaft.

Lenz, Regina

Verein Parc Ela

P5 – Paysage et développement régional – Valeurs, liens et équilibre

Le paysage est une approche qui permet de réunir, de fédérer, de relier des groupes sociaux aux intérêts et priorités différents. Il constitue également le rapport direct de l’être humain à son environnement : c’est ce qui est directement perçu par les sens, les émotions et les pratiques.

C’est en ce sens que le Fonds Suisse pour le Paysage (FSP) agit depuis 1991 avec une approche constructive, là où les initiatives (et donc les réapproriation du paysage) naissent de manière volontaire. Cette approche se révèle de plus en plus pertinente à une époque où l’utilisation du territoire, que ce soit dans l’espace Alpin comme à Davos où ailleurs en Suisse, est soumis à une forte demande et à des besoins croissants de la part de la population et des acteurs et actrices locaux et régionaux.

L’eau symbolise le lien entre toutes les régions et toute la population, de l’espace alpin d’Ouest en Est aux plaines, de la Suisse avec ses pays voisins, de la vision du paysage du passé à celle d’aujourd’hui et de demain. C’est pourquoi le FSP choisit pour cette présentation un exemple d’un projet emblématique soutenu dans la commune d’Anniviers VS: la réhabilitation du Grand Bisse de St-Luc et celui du Bisse Roux.

Ce projet est à l’image du regard d’aujourd’hui sur le paysage : réinventer, tout en valorisant les nécessités passées; relier, tout en ayant conscience de nos complémentarités; se réapproprier, tout en considérant les fonctions traditionnelles des pratiques paysagères.

Chanel, Sophie; Giovannini, Antoine; Humair, Franziska

Fonds Suisse pour le Paysage (FSP)

Immer mehr Menschen sind in den Bergen unterwegs – auf der Suche nach authentischen Natur- und Kulturerlebnissen. Dies führt jedoch zu einer wachsenden Belastung empfindlicher Ökosysteme und verändert das Leben in den Bergregionen spürbar. Einheimische erleben den Besucherzustrom teilweise als Überforderung oder gar als Verdrängung. Wie lässt sich das Spannungsfeld zwischen landschaftlicher Nutzung, Entwicklung und Schutz verantwortungsvoll gestalten?

Hier setzt die Initiative Bergsteigerdörfer an. Das Netzwerk von 43 Orten in den Alpen verfolgt das Ziel, einen natur- und kulturnahen Tourismus zu fördern, regionale Wertschöpfung zu stärken und die lokale Bevölkerung einzubinden. Eine Auszeichnung als Bergsteigerdorf bedingt ein hohes Mass an Angebots-, Landschafts- und Ortsbildqualität, Bergsportkompetenz, sowie Offenheit für Kooperationen.

Gemeinsam werden diese Handlungsfelder weiterentwickelt – in enger Zusammenarbeit mit lokalen Leistungsträger/-innen und der Bevölkerung. Wichtige touristische und bergsportnahe Impulse werden gesetzt und bis zur Umsetzung begleitet; Partnerbetriebe werden in ihrer nachhaltigen Weiterentwicklung unterstützt und Kooperationen innerhalb der Dörfer werden gestärkt.

Anhand von zwei Beispielen aus den Schweizer Bergsteigerdörfern wird aufgezeigt, wie kleine alltäglich scheinende Massnahmen und grösserer Projekte einen Beitrag zu einer gelungenen Balance zwischen Nutzen und Schützen alpiner Lebensräume beitragen können.

Isler, Julia1; Gilli, Mengina2; Gruber, Simone2

1Schweizer Alpen-Club SAC; 2ZHAW – Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen

Das «Reallabor Jurapark Aargau» unterstützt die nachhaltige Entwicklung im Park und stärkt den Dialog zwischen Forschung und Bevölkerung.

In einer dreiteiligen Workshopreihe zu den Themen «Wassermanagement», «Klimaanpassung» und «Kreislaufwirtschaft» wurden im ersten Projektjahr vier Realexperimente entwickelt. Daraus sind Massnahmen erarbeitet worden, die von Menschen aus der Region und der Forschung des ETH-Bereichs im zweiten und dritten Projektjahr umgesetzt werden und zu sichtbaren Resultaten in der Landschaft führen. Der Dialog zwischen den Menschen sowie deren Zusammenarbeit spielen dabei eine Schlüsselrolle für den Erfolg des Reallabors.

In unserem Beitrag diskutieren ein Forscher und eine Vertreterin des Juraparks Aargau mit einem Projektleiter des Reallabors über die Landschaft als Boundary Object – als verbindendes Element und gemeinsamer Bezugspunkt zwischen Forschung und Praxis. Sie erzählen von ihren Erfahrungen und was sie im gegenseitigen Austausch von- und miteinander gelernt haben. Zudem kommt zur Sprache, inwiefern das Reallabor Jurapark Aargau als Prototyp für Reallabore im ländlichen Raum zu einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung beitragen kann und gesellschaftsrelevantes Wissen erzeugt wird.

Geiges, Tim1; Zutter, Isabelle2; Breit, Stefan3; Lischer, Philipp3; Pohl, Christian3; Neff, Christine2; Tobias, Silvia1

1WSL; 2Jurapark Aargau; 3ETH Zürich

P6 – Culture du paysage et tourisme

Die Attraktivität der Schweiz als Reisedestination beruht wesentlich auf ihre hohen landschaftlichen und baukulturellen Qualitäten. Dieser bedeutende Standortfaktor soll bewahrt und weiterentwickelt werden, damit sowohl der Tourismus als auch die Bevölkerung langfristig profitieren. Dazu hat sich der Bundesrat in seinen sektoralpolitischen Strategien zur Landschaft, zur Baukultur und zum Tourismus verpflichtet.

Ziel ist es, die Koordination und Kooperation der drei Bereiche zu stärken und konkrete vielversprechende Vorhaben zu fördern. In bestehenden und neuen Gefässen wurde der Dialog und Wissenstransfer zwischen der Tourismuswirtschaft und den Akteuren aus den Bereichen Landschaft und Baukultur intensiviert, etwa am Forum Baukultur oder an einem Netzwerkanlass auf der Rigi. Weiter stehen Sensibilisierungs-, Kommunikations- und Wissensaufbauaktivitäten im Fokus, z.B. die Studie «Chance Landschaft – Eine touristische Potenzialbetrachtung» oder die Kampagne «RespekTiere deine Grenzen». Zudem werden im Rahmen bestehender Instrumente konkrete Projekte gefördert und strategisch begleitet, z.B. die ISOS-Kampagne «Verliebt in Schöne Orte» oder «Swisstainable».

BAFU, BAK und SECO möchten anhand dieser vielfältigen Tätigkeiten die wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse im Themendreieck Landschaft, Baukultur und Tourismus präsentieren. Dabei sollen die zentralen Erfolgsfaktoren und Hindernisse herauskristallisiert und mit dem Publikum gespiegelt werden.

Rufer, Rebekka1; Müller, Florian2; Stremlow, Matthias3

1Staatssekretariat für Wirtschaft SECO; 2Bundesamt für Kultur BAK; 3BAFU

Die Schweizer Pärke sind einzigartige Natur- und Kulturlandschaften, in denen der Tourismus ein wichtiger wirtschaftlicher Pfeiler ist für die nachhaltige Regionalentwicklung. In der gemeinsamen Tourismusvision der Schweizer Pärke 2030 (https://www.parks.swiss/?action=get_file&id=109&resource_link_id=538) wird festgehalten: «Wir, die Schweizer Pärke, engagieren uns dafür, dass Tourismus- und Freizeitaktivitäten in den Pärken eine positive Wirkung auf die Bewohner:innen und die Gäste, die Kultur und die lokale Wirtschaft haben bei gleichzeitiger Erhaltung und Aufwertung von Natur und Landschaft.». Um dies zu erreichen, wird bei der Besucherlenkung darauf geachtet, dass die Natur und Landschaft geschont werden und dass die Angebote bezüglich Natur, Landschaft und Kultur sensibilisieren und Bildungsaspekte beinhalten, wie z.B. interaktive Themenwege oder die kulinarischen Schatzsuchen «Savurando».

Müller, Tina

Réseau des parcs suisses

Durch Schneemangel und Klimawandel ist ein grosser Teil des schweizerischen Tourismus auf einen Strukturwandel angewiesen. Unter dem Leitmotiv «Kultur – der Schnee der Zukunft» arbeitet die Fachhochschule Graubünden seit Längerem mit alpinen Destinationen an der internationalen Positionierung des kulturellen Erbes. Eine bisher kaum genutzte Nische ist der sogenannte Ahnentourismus, also die gezielte Ansprache von Nachkommen ausgewanderter Familien. Dessen Zielgruppe ist gross und wächst stetig, denn die Schweiz war und ist stark von Auswanderung geprägt. Studien zeigen, dass Ahnentouristinnen und -touristen vor Ort mehr Leistungen nachfragen, eine starke emotionale Bindung entwickeln und davon auch psychologisch profitieren. Neue Technologien wie DNA-basierte Ahnenforschung sowie das wachsende Bedürfnis nach kultureller Identität begünstigen das Marktwachstum. Zur erfolgreichen Monetarisierung braucht es jedoch geeignete Angebote in den Destinationen und zentrale Informationsstellen für Interessierte. Solche Initiativen existieren in der Schweiz bisher kaum. Das Projekt «Ahnentourismus in der Schweiz» will diese Lücke schliessen und Wissen sowie Angebote für alpine Kulturdestinationen aufbauen. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit dem Kulturarchiv Oberengadin verschiedene Ahnentouristen und Ahnenforschende befragt, um ein tieferes Verständnis für deren Berdürfnisse und Verhalten in der Destination zu gewinnen.

Gotsch, Mauro; Rageth, Onna

Fachhochschule Graubünden

12:30

 Les excursions commencent et se terminent à l’entrée principale du centre des congrès, situé dans la Talstrasse. C’est là que les participants recevront un lunch à emporter au départ. C’est également là qu’auront lieu ensuite l’apéritif et le marché, ainsi que, plus tard, la « Tavolata » accompagnée de musique.

Davos, et en particulier la vallée de Dischma, font depuis des décennies l’objet d’importants programmes de recherche, tels que le projet MaB et le PNR 48 «Paysages et habitats des Alpes ». Depuis lors, le paysage culturel alpin et la forêt de montagne ont considérablement évolué. Au cours d’une randonnée dans la partie inférieure de la vallée de Dischma, nous examinerons ces changements ainsi que les processus écologiques, climatiques et sociaux qui les sous-tendent. Une attention particulière sera accordée à l’évolution des forêts de montagne et des surfaces agricoles.
Dans la seconde moitié du XIIIe siècle, un groupe d’une douzaine de familles valaisannes s’est installé dans la région de Davos. Celle-ci était auparavant pratiquement inhabitée et n’était probablement exploitée qu’à certains endroits pendant l’été, comme le suggèrent les rares noms de lieux-dits romans. L’agriculture de montagne extensive pratiquée par les Walser marque encore aujourd’hui le paysage. Un « hameau » Walser typique se trouve tout au fond de la vallée de Sertig.
Depuis des temps immémoriaux, le village est en mouvement : toute la terrasse glisse probablement vers la vallée depuis la dernière période glaciaire. Au cours des 100 dernières années, Brienz/Brinzauls s’est déplacé de quelques centimètres par an. Mais ces vingt dernières années, le glissement s’est fortement accéléré, posant de nombreux défis pour les infrastructures et la population. Actuellement, le glissement a de nouveau fortement ralenti grâce au creusement d’une galerie de drainage ; le village est de nouveau habité après deux évacuations et l’avenir semble possible.
Comment les gens peuvent-ils renouer un lien plus profond avec leur environnement quotidien – en particulier avec ces espaces intermédiaires non bâtis qui façonnent nos lieux de vie, mais qui restent souvent invisibles dans les processus d’aménagement ? Cet atelier pratique présente un projet de recherche en cours à la BFH, qui explore des voies innovantes de participation dans le cadre du « PNR 81 Culture du bâti ».

Quel rôle jouent les installations d’enneigement artificiel pour l’offre et la demande dans les stations de ski ? Comment l’infrastructure d’enneigement peut-elle être utilisée comme installation multifonctionnelle pour la production d’électricité (centrale hydroélectrique du Rinerhorn) ? Gestion de l’eau en été et en hiver, mise en œuvre pratique des débits résiduels dans les cours d’eau.

Depuis plus d’un siècle, Davos est un pôle de recherche de premier plan. Initialement associé au centre de santé et à son climat bienfaisant, Davos accueille aujourd’hui quatre instituts de recherche de renommée mondiale: l’Institut de recherche AO (ARI), l’Observatoire physico-météorologique de Davos / Centre mondial de radiométrie PMOD/WRC, l’Institut WSL pour l’étude de la neige et des avalanches SLF et l’Institut suisse de recherche sur les allergies et l’asthme (SIAF).
Avec le changement de nom en « commune de Davos » en 2009, l’ancienne appellation « Paysage de Davos » a définitivement disparu. Quelle place occupe encore aujourd’hui le paysage dans la ville de Davos ? Comment la perception du paysage a-t-elle évolué au fil du temps ? Et la manière dont on l’aborde ? En compagnie de Claudio Pajarola, responsable du service de l’urbanisme et de l’aménagement du paysage de la commune de Davos, et de Jürg Grassl, du Forum Bau+Kultur Davos, nous partons pour une balade urbaine à travers la haute vallée de Davos et les différentes étapes de son histoire mouvementée : village agricole, ville de cure, station de sports d’hiver, village mondial… et que se passera-t-il après l’après-ski ? Nous découvrirons ainsi le paysage sous des angles très variés, par exemple celui du paysan de montagne, de l’investisseur immobilier, du guide de randonnée et, bien sûr, celui de notre alter ego. Pourquoi le fond de la vallée n’est-il pas entièrement urbanisé ? Pourquoi les toits sont-ils plats ?… On ne voit que ce que l’on sait. On pose des questions, on cherche des réponses.
L’excursion mène à travers les habitats typiques du Parc Ela et montre comment des abeilles sauvages rares, telles que l’abeille coupeuse de tiges (Megachile genalis) et l’abeille maçonne noire (M. parietina), sont présentes dans le paysage rural. Sur place, on explique comment cartographier les structures de nidification et les sources de pollen, évaluer les habitats et mettre en œuvre des mesures de valorisation ciblées. Le projet allie recherche, développement du paysage et médiation. Il offre un aperçu de l’infrastructure écologique, de la collaboration avec les communes, l’agriculture et la sylviculture, ainsi que de la communication et de l’enthousiasme pour le paysage.
Les lignes de l’Albula et de la Bernina, entre Thusis et Tirano, constituent d’excellents exemples, techniquement innovants, de la mise en valeur du paysage de haute montagne et comptent parmi les chemins de fer à voie étroite les plus spectaculaires au monde. En 2008, elles ont reçu la consécration: le tronçon d’environ 122 kilomètres, vieux de plus de 100 ans, reliant Thusis à Tirano a été inscrit sur la liste du patrimoine mondial de l’UNESCO sous le nom de « Chemin de fer rhétique dans le paysage de l’Albula/Bernina ». Des viaducs et des tunnels impressionnants, ainsi que les magnifiques paysages montagneux des Grisons, font de ce trajet une expérience unique.

Besuch der Baustelle von Madrisa Solar mit Informationen zur landschaftlichen Kriterien (SL-FP), zum Solarexpress insgesamt (SL-FP oder IG Solalpine) sowie konkret zur Planung und zum Bau von Madrisa Solar (Repower). Oberhalb von Klosters ist das Solarkraftwerk Madrisa Solar im Bau. Die Exkursion umfasst die Besichtigung der Baustelle nach einer kurzen Wanderung und bietet Informationen zu Planung und Bau der Anlage sowie zu den landschaftlichen Ersatz- und Begleitmassnahmen. Weiter informiert die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz über ihre generellen Kriterien für Standorte und Gestaltung alpiner Solarkraftwerke sowie über den Stand der Umsetzung des Solarexpress in der ganzen Schweiz.

Visite du chantier avec :
Rahel Marti, Fondation suisse pour la protection et l’aménagement du paysage
(SL-FP)
René Meier, architecte, Fanzun
Barbara Kämpfer, suivi environnemental de chantier et mesures de
compensation
Andreas Bernet, commune de Klosters
Jonathan Beyli, Elektrizitätswerk du canton de Zurich

L’excursion fait le tour du lac de Davos et montre comment la protection contre les avalanches de Davos a été mise en place à la suite des graves accidents de 1919. Elle explique les mesures qui permettent aujourd’hui d’assurer la sécurité face aux avalanches d’une ville alpine. Les principales mesures, telles que les cartes de danger, les mesures de protection, les mesures biologiques et les mesures organisationnelles, sont abordées à l’aide d’exemples concrets.
Les paysages ne sont pas seulement visibles, ils sont aussi audibles. Cette excursion explore Davos en tant que lieu de rencontre sonore : tout au long de notre parcours, depuis les infrastructures urbaines du quotidien (restaurant Migros) jusqu’à l’alpage exploité en passant par l’hôtel de cure historique (Schatzalp), nous tendons l’oreille : où se croisent la touriste, l’habitant local et la saisonnière ? Quels sons et quelles pratiques auditives caractérisent ces lieux ? Comment sonne la mobilité, le tourisme et la vie quotidienne dans le paysage de montagne ? Cette promenade sonore invite à percevoir le paysage avec les oreilles et à découvrir les dimensions acoustiques des espaces de rencontre entre la vallée et la montagne.
Le sociologue Lucius Burckhardt s’est intéressé toute sa vie à l’impact de l’automobile sur notre cadre de vie, notre façon de penser et notre perception. Dans les années 1980, il a développé à Kassel, en collaboration avec son épouse Annemarie Burckhardt-Wackernagel et ses étudiants en architecture et en aménagement du paysage, la « science de la promenade », également appelée « promenadologie ». Burckhardt est né à Davos en 1925. En 2025, son anniversaire coïncide justement avec les «100 ans de l’automobile dans les Grisons». Les artistes Marie-Anne Lerjen et Christian Ratti saisissent cette occasion pour organiser une «promenade promenadologique» sur la promenade de Davos, qui, grâce à des interventions artistiques, invite à réfléchir sur le paysage automobile actuel.
Au sens large du terme, le paysage a constitué, depuis ses débuts au XIXe siècle jusqu’à aujourd’hui, le fondement du pôle de santé de Davos. Au cours de cette randonnée, nous découvrirons, à différentes étapes, les fondateurs et les investisseurs qui ont fait de Davos, autrefois un minuscule hameau Walser, une véritable ville.
L’excursion commence au Musée Kirchner de Davos par une visite guidée de l’exposition « Farbenrausch », une fête des sens. Elle invite à découvrir l’univers d’Ernst Ludwig Kirchner sous toutes ses facettes lumineuses et à explorer ainsi la couleur elle-même. L’expressionniste Ernst Ludwig Kirchner a passé ses vingt dernières années, particulièrement prolifiques, à Davos. Comment a-t-il perçu sa nouvelle patrie d’adoption après sa période berlinoise marquante ? Sur les traces de sa vie et de ses œuvres, nous plongeons dans l’univers de Kirchner à cette époque. Nous observons ses motifs, ses perspectives et certains des lieux qui ont joué un rôle important pour lui. Rejoignez-nous pour une promenade variée en ville, un véritable voyage dans le temps!
Un dispositif intégré de management de centre-ville alpin vise à valoriser le caractère urbain unique de cette ville grisonne de renom. Ce management alpin met en relation les acteurs, les espaces et les démarches de planification afin que les concepts et les cadres d’action se traduisent concrètement dans le quotidien de la ville. Le parcours à travers la ville la plus élevée des Alpes rend les principaux champs d’intervention du Citymanagement visibles et directement perceptibles.

17:00

Retour des excursions

17:30 – 19:00

Au cours des 30 premières minutes, les 4 à 6 contributions de chacun des 12 groupes sont brièvement présentées 3 fois, à raison d’une minute chacune. Les participants peuvent changer de groupe toutes les 10 minutes, et les présentations recommencent alors depuis le début.

M1 – Transition du paysage & société

Mit Impuls-Landschaftsberatungen können Gemeinden und Regionen sowie private Akteure sich fit machen für den Umgang mit aktuellen Landschaftsthemen wie beispielsweise in Ortsplanungen, bei Erholungs- und Freiraumfragen, in der Ortskerngestaltung oder bei Bauten ausserhalb Bauzone. Auch konkrete touristische oder regionalwirtschaftliche Angebote, die das Potenzial der Landschafts- und Artenvielfalt nutzen, können erarbeitet werden.

Schweizweit stehen über 40 qualifizierte Landschaftsberaterinnen und -berater für solche Impuls-Landschaftsberatungen zur Verfügung. Sie tragen mit ihren Beratungen bei zum Berücksichtigen und Umsetzen des Landschaftskonzeptes Schweiz (LKS).

Das Poster erläutert das Angebot, den Ablauf der Beratungen sowie die Möglichkeiten der Mitfinanzierung durch BAFU, SECO und die Kantone. Weiter wird anhand einiger erfolgter konkreter Beratungsbeispiele der Nutzen für die Gemeinden aufgezeigt. Weiter wird anhand einiger erfolgter konkreter Beratungsbeispiele der Nutzen für die Gemeinden aufgezeigt.

Arn, Daniel1; Giacometti, Dario2

1BAFU; 2SECO

Die Lorzenebene ist ein Raum voller Kontraste und Überraschungen: Ein Naturschutzgebiet am Autobahnknoten, Bauernhöfe neben Mehrfamilienhäusern, ein Schiessplatz und ein Sägereibetrieb an der Mündung der alten Lorze. Hier kommen vielfältige Ansprüche zusammen: Die Landwirte bewirtschaften fruchtbare Böden, die Zuger:innen suchen Erholung, Tiere und Pflanzen finden wichtige Lebensräume und die Immobilienbranche spekuliert auf die letzten freien Bauzonen. Ein Glück, dass die Lorzenebene diesen vielfältigen und teilweise widersprüchlichen Begehren nicht einfach überlassen wurde. Die Korporation Zug, der Kanton Zug, die Stadt Zug und die Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen haben die Qualitäten der Lorzenebene erkannt und sie vor einer zufälligen Entwicklung bewahrt. Vorausschauend schoben sie der Überbauung mit Siedlungstrennlinien einen Riegel und handelten mit den verschiedenen Nutzer:innen ein Leitbild aus. Für politischen Rückhalt sorgte die Verankerung der wichtigen Massnahmen im kantonalen Richtplan. Das Leitbild landete anschliessend nicht in der Schublade, sondern wurde zügig zur Umsetzung gebracht. Jetzt zeigen sich erste Resultate, die von der Bevölkerung gut aufgenommen werden: So gehört das Seeufer beim Brüggli heute allen und nicht mehr nur den Campinggästen. Die Lorzenebene ist Landschaft des Jahres 2026. Sie ist ein modellhaftes Beispiel für qualitativ hochwertige Erholungsräume in boomenden Agglomerationen. Diese gewinnen mit der Innenentwicklung an Bedeutung.

Grossenbacher, Franziska1; Hutter, René2

1Stiftung Landschaftsschutz Schweiz; 2Kanton Zug

Die sieben Pärke im Kanton Graubünden, darunter regionale Naturpärke, der Schweizerische Nationalpark und zwei UNESCO-Gebiete, haben einen grossen Einfluss auf die nachhaltige Entwicklung, auf Forschung, Bildung, auf Landschaft und auf den Tourismus im Kanton Graubünden. Der Verein Bündner Pärke setzt sich seit 2015 für eine verstärkte Zusammenarbeit und für gemeinsame Projekte der Pärke in Graubünden ein. Im Zentrum der Vereinsaufgaben stehen der Erfahrungsaustausch und die Nutzung von Synergien, der gemeinsame Marktauftritt der Bündner Pärke sowie die Vertretung der Interessen der Bündner Pärke auf kantonaler Ebene.

Die Organisation der Bündner Pärke über eine zentrale Koordinationsstelle schafft Effizienz und vereinfacht die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Partnern. Die Umsetzung von gemeinsamen Aktivitäten spart Ressourcen und entlastet die Geschäftsstellen der Pärke.

Die Pärke zeigen einen Blick hinter die Kulissen und sprechen über aktuelle Herausforderungen und Projekte.

Hofer, Karin

Verein Bündner Pärke

Das „Rewilding-Experiment“ des Schweizerischen Nationalparks (SNP), das mit seiner Gründung im Jahr 1914 begann, hinterlässt seit 111 Jahren sichtbare Spuren in der Landschaft. Um deren Wandel zu beobachten, zu dokumentieren und zu erforschen, trägt der SNP seit über 15 Jahren historische Fotografien aus unterschiedlichen Archiven zusammen und fotografiert diese am selben Standort nochmals.

Die selektive, manchmal zufällige, meist grossräumige und historische Perspektive der Refotografie eignet sich besonders gut, um die Entwicklung bestimmter Landschaftselemente wie (Block-)Gletscher, Felsstürze, Wiederbewaldung oder Kraftwerksbau qualitativ zu beschreiben. Sie zeigt auch die Grenzen des Rewildings auf und stellt es in einen grösseren historischen Kontext. Die Refotografie leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der sukzessiven Rewilding-Prozesse sowie deren Ursachen im SNP. Zugleich bildet sie einen Gegenentwurf zu Gebieten ausserhalb des Parks und zur urban geprägten Alltagswelt vieler Menschen.

56 thematisch, zeitlich und räumlich gezielt ausgewählte Fotopaare bilden die Basis für eine temporäre Ausstellung im Nationalparkzentrum in Zernez sowie für eine Buchpublikation, die den landschaftlichen Wandel im SNP einem breiten Publikum zugänglich machen.

Der digitale Teil der Ausstellung wird am Landschaftskongress präsentiert. Hier können Besuchende in die 56 deckungsgleichen Fotopaare hineinzoomen und sie mit verschiedenen Werkzeugen interaktiv vergleichen.

Estermann, Tamara

Parc National Suisse

The Landschaftsbeobachtung Schweiz (LABES) is a national-scale landscape monitoring programme that systematically collects and analyses data on both the physical characteristics of Swiss landscapes and people’s perceptions of landscape quality. LABES provides a scientifically robust basis for documenting landscape state and change using a set of indicators. Various scientific methods are used to study the landscape in all its aspects, qualities and services. Physical aspects — such as the development of forested areas, green spaces within settlements or landscape processes such as fragmentation — are analysed using existing data from Swiss institutions (e.g., Federal Office for Statistics, Federal Office for Spatial Development) or by generating new data using remote sensing methods. Sociological methods, including panel surveys, are used to study perceptions about landscape quality, structure, and character. The first comprehensive monitoring within LABES (called LABES 1) began in 2010, while the second (called LABES 2) was conducted during the 2020/2021 period. Since 2023, further developments have been taking place within LABES. These include an updated conceptual framework that LABES is built on, clear principles used for indicator selection, improved alignment of physical and social indicators and stronger links to landscape-related policies, particularly the Swiss Landscape Concept. The aim of this work is to present these new developments.

Gradinaru, Simona; Bürgi, Matthias; Hunziker, Marcel; Weber, Dominique

WSL

Bei der Bewertung von Landschaften, den Beiträgen der Natur für den Menschen sowie bei geplanten Landnutzungsänderungen wird häufig auf eine „gesellschaftliche Nachfrage“ verwiesen. In vielen Fällen wird diese Nachfrage jedoch gar nicht oder nur sehr vereinfacht erfasst. Dabei ist es wichtig, gesellschaftliche Nachfrage systematisch zu messen: Sie hilft, Ungleichgewichte zwischen dem Angebot und der Nachfrage von Landschaftsleistungen sichtbar zu machen, Nutzungskonflikte besser zu verstehen und Schutzmaßnahmen sowie öffentliche Ausgaben nachvollziehbar zu begründen.

Auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Arbeiten schlagen wir ein Rahmenkonzept zur Erfassung gesellschaftlicher Nachfrage vor. Dieses umfasst drei zentrale Aspekte: Erstens berücksichtigen wir, dass unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen Natur und Landschaft verschieden bewerten. Grundlage hierfür ist das Konzept der Beiträge der Natur für den Menschen (Nature’s Contributions to People, NCP). Zweitens beziehen wir Wechselwirkungen wie Synergien und Zielkonflikte zwischen verschiedenen Funktionen von Landschaften und Ökosystemen mit ein. Drittens analysieren wir Machtverhältnisse zwischen gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen sowie deren Einfluss auf Entscheidungen im Umweltmanagement. Ziel ist es, gesellschaftliche Nachfrage kontextbezogen, vielfältig und gerecht abzubilden.

Spörri, Martina; Hunziker, Marcel

WSL

M2 – Paysages & modélisations

Die Schweiz erwartet in den kommenden Jahrzehnten ein deutliches Bevölkerungswachstum, während die Siedlungsfläche nicht dem selben Trend folgt. Dadurch entsteht ein ausgeprägter Druck zur Innenentwicklung, der neue Anforderungen an Planung, Infrastruktur und Mobilität stellt. Ein räumlich hoch aufgelöstes nationales Land Use Transport Interaktionsmodell auf Hektarebene zeigt, wie sich Veränderungen in Bevölkerung, Arbeitsplätzen, Erreichbarkeit und Mobilität auf künftige Nutzungsintensitäten auswirken. Die Abbildung solcher Dynamiken und die Modellierung regionaler Wirkungen grosser Überbauungen erfordern geeignete methodische Ansätze. Die Kombination aus nationaler Abdeckung, Hektarauflösung und wenigen zu kalibrierenden Parametern bietet eine hilfreiche Verbindung zwischen strategischer Planung und lokaler Entwicklungsdynamik. Das vorgestellte Modell kombiniert regionale Strukturdaten mit maschinellem Lernen und bildet damit ein Instrument, das wechselseitige Beeinflussungen verschiedener Nutzungen abbildet und dadurch räumliche Rippeleffekte sichtbar macht. Neben einem «Business as usual» Pfad erlaubt das Modell unter anderem die gezielte Analyse lokaler Arealüberbauungen und zeigt auf, wie solche Eingriffe die räumliche Dynamik und damit die Identität von Gemeinden und ganzen Regionen verändern können.

Räth, Yves M.1,2; Miotti, Marco2; van Strien, Maarten J.1; Hellweg, Stefanie2; Grêt-Regamey, Adrienne1

1Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung IRL, ETH Zürich; 2Institut für Umweltingenieurwissenschaften IfU, ETH Zürich

Understanding land change from a historical perspective is essential in assessing the impact of previous land management choices on current-day landscapes. Biodiversity conservation policies consider the current situation, which might lead to normalizing deteriorating trends. This study aims to explore habitat change in Switzerland, using the current habitat distribution (The Habitat Map of Switzerland), historical aerial imagery (1946 – 2000s) and the TypoCH habitat typology. Using deep learning approaches, we will develop a consistent habitat typology for all available historical imagery, classify and assess change from the past 80 years. This will offer insight into the type and rate of change, with potential to derive future predictions, and link the results to flora and fauna species. The results will have broad implications on future conservation measures, land management policies, and restoration actions.

Drăguț, Francesca1; Bürgi, Matthias1; Huber, Nica2; van Strien, Maarten J.3; Price, Bronwyn1

1WSL; 2Vogelwarte Sempach; 3Planung von Landschaft und Urbanen Systemen, ETH Zurich

Der Ausbau erneuerbarer Energien stellt die Schweiz vor eine doppelte Herausforderung: Einerseits sollen Klima- und Energieziele erreicht, andererseits Landschaften, Biodiversität und Erholungsräume erhalten bleiben. Besonders in alpinen und voralpinen Räumen treffen hohe Energiepotenziale auf sensible Landschaften und vielfältige Nutzungsansprüche. Planungsentscheide erfordern daher transparente, räumlich differenzierte und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen.

Der Swiss SolarWind Explorer ist ein webbasiertes Entscheidungsunterstützungsinstrument, das gemeinsam mit Akteur:innen aus Planung, Verwaltung und Wissenschaft entwickelt wurde. Das Tool stellt räumliche Kriterien aus den Bereichen Energieproduktion sowie Biodiversitäts- und Landschaftsschutz für die ganze Schweiz dar, darunter Energiepotenziale, Landschaftsqualität, Schutzgebiete, Biodiversitätsindikatoren, Erschliessung und rechtliche Einschränkungen.

Die Nutzer:innen können diese Kriterien visualisieren, gewichten und kombinieren, um konfliktarme Gebiete für Photovoltaik- und Windenergieanlagen zu identifizieren oder Zielkonflikte sichtbar zu machen.

Die Karten zeigen normalisierte Eignungswerte zwischen 0 und 1 auf einer Auflösung von 50 × 50 m und können exportiert und in GIS-Systemen weiterverarbeitet werden. Zusätzlich ermöglicht das Tool die 3D-Visualisierung von Windturbinen und PV-Anlagen zur besseren Einschätzung landschaftlicher Auswirkungen.

Reusser, Marc

ETH Zürich

CAT sammelt lokal Umgebungsdaten wie zb Temperatur, Bewegungsinformationen oder andere relevante Messwerte und überträgt diese in Echtzeit, ohne dass eine externe Stromversorgung erforderlich ist. Damit eröffnet er neue Möglichkeiten für datenbasierte Anwendungen an Orten, an denen bisher keine digitale Infrastruktur verfügbar war.

Ob zur Anzeige von Live-Daten an abgelegenen Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs, zur Orientierungshilfe für Menschen mit eingeschränkter Mobilität im öffentlichen Raum oder um den Werkdienst zu informieren, wann gesalzen werden muss oder für viele andere Anwendungen – der CAT zeigt, wie moderne Technologie effizient, nachhaltig und zielgerichtet eingesetzt werden kann.

Mit seinem robusten Design, seiner autonomen Energieversorgung und seiner einfachen Integration in bestehende Systeme ist der CAT ein weiterer Schritt in Richtung smarterer und vernetzter Städte und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Digitalisierung einen konkreten Mehrwert schaffen kann.

Im Backend können die Daten sichtbar gemacht, analysiert und via Schnittstellen weiter verarbeitet werden.

Scholze, Tanja; Schleicher, Silke

BURRI public elements AG, Schweiz

In Switzerland, landscape research has developed our understanding in a broad variety of subjects by integrating social sciences, ecology and geography to address issues like the climate, biodiversity vulnerability, aesthetics, energy security and outdoor recreation. However, such research results are not always easily accessible by the public or practitioners. While there is an an understanding in the importance of outreach among research institutions, research data and results can remain out of reach simply due to their complexity, requiring expertise and time to properly navigate.

In this stand, we present 3 interactive web-tools that were developed to make landscape research more accessible to the public or practitioners. They intuitively bring together research on species distributions, people’s perception of landscapes, outdoor recreation and energy security: « VisitorFlowTool » helps practitioners simulate the impact of their infrastructure plans on outdoor recreation and biodiversity sensitivity; « FRISCH! » allows the public to find their ideal routes while avoiding heat exposure during heatwaves; « s e r e i n e » helps users explore complex multi-objective optimization results to intuitively understand the local impacts of various hypothetical strategies for renewable energy development.

Through these web-tools, we demonstrate various ways forward, using modern tools, for bridging the gap between landscape research and those that can most benefit from it.

Frueh, Johan; Fink, Sabine; Tobias, Silvia; Buchecker, Matthias; Graham, Catherine

WSL

M3 – Biodiversité, écologie & aménagement du paysage

Die Förderung der Biodiversität scheitert oft an zu engen Perspektiven und fehlendem Dialog zwischen Land- und Ressourcennutzenden. Wenn diese Akteure erkennen, wie sie in einem grösseren räumlichen Zusammenhang aufeinander und auf die Biodiversität angewiesen sind (und wie sie diese auch beeinflussen), dann erhöht dies die Chance, dass sie Ihre Perspektiven erweitern, was den Dialog unterstützt. Wir glauben daher, dass ein gemeinsames Systemverständnis eine Voraussetzung für eine versachtlichte und zielführende Aushandlung von gemeinsamen Biodiversitätszielen und -massnahmen ist. Ein solcher regionaler Ansatz hebt den Austausch auf Ebene Landschaft, weshalb insbesondere auch sektorübergreifende Beziehungen, also z.B. zwischen Wald, Landwirtschaft und Siedlungsgebiet, relevant werden. Dies bietet die Chance weitergehende sektorübergreifende, also integrative Massnahmen zur Biodiversitätsförderung zu entwickeln. Der Tandemvortrag stellt einen ersten Entwurf des Systemmodells der Fallstudie des NFP 82 Projektes « RABE » (Lebensraum Lenzburg Seetal) vor und reflektiert über die Erfolgsaussichten basierend auf dem bisherigen Austausch zwischen den Anspruchsgruppen zur Erarbeitung dieses Systemmodells.

Schulz, Tobias1; Kräuchi, Norbert2; Graber, Amélia1; Buchecker, Matthias1

1WSL; 2Abteilung Landschaft und Gewässer, BVU, Kanton Aargau

Das Projekt RABE (Regionaler Ansatz für Biodiversitätsvisionierung und Politikintegration) initiiert einen Verhandlungsprozess zwischen Interessensgruppen in der Region Lenzburg-Seetal (AG), um eine gemeinsame Vision für die landwirtschaftliche und ökologische Entwicklung zu erarbeiten. Der Prozess basiert auf sozialem Lernen und wird von räumlich expliziten Daten in Form von Karten unterstützt. Wir verwenden ökologische Modellierungen, die aktuelle und zukünftige Artenverteilungen unter Klimawandelszenarien abbilden und verknüpfen sie mit Landnutzungsdaten. Zusätzlich beachten wir die ökologische Vernetzung und Ökosystemleistungen, um zu analysieren, wie Biodiversität beispielsweise landwirtschaftliche und forstliche Produktivität unterstützt. So identifizieren wir Bereiche mit hohem Potenzial für Biodiversität, mögliche Zielkonflikte und Synergien. Im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen, die auf Expertenmeinungen basieren, liefern unsere räumlich expliziten Karten eine fundierte Grundlage für den Verhandlungsprozess zwischen Interessensgruppen und deren Planung von ökologischen Infrastrukturen und der Integration von Biodiversität in regionale Entwicklungsstrategien.

Molin, Virginia Alissa1; Fink, Sabine1; Schulz, Tobias1; Buchecker, Matthias1; Kräuchi, Norbert2

1WSL; 2Kanton Aargau

Städtische Gebiete sind zentrale Bestandteile der ökologischen Infrastruktur der Schweiz, doch detaillierte Lebensrauminformationen fehlten bislang weitgehend. Diese Arbeit stellt eine neue urbane Lebensraumkarte vor, die eine einheitliche, hochauflösende Datengrundlage für die Bewertung der Biodiversität in Schweizer Städten und Gemeinden bietet. Die fernerkundungsbasierte Karte kombiniert die Klassifizierung von Luftbildern und landesweiten LiDAR-Daten (swissSURFACE3D) mit Vektordaten (Amtliche Vermessung und Topografisches Landschaftsmodell, Landwirtschaftliche Nutzungsflächen, OpenStreetMap) in einem reproduzierbaren Workflow, der objektbasierte Bildanalyse zur Ableitung detaillierter Vegetationsstrukturen einschliesst. Der Datensatz bildet feinmaschige Lebensraumelemente wie Bäume, Sträucher, Kleinwasserflächen sowie durchlässige und versiegelte Oberflächen präzise ab und verbessert damit die Darstellung urbaner Lebensräume.

Die Karte dient als praktisches Entscheidungshilfsmittel für Kommunen, Planer, Forschung und Naturschutz. Ihre schweizweite Konsistenz ermöglicht den direkten Vergleich zwischen Städten und bildet eine verlässliche Grundlage für zukünftige Anwendungen wie Konnektivitätsanalysen, Ökosystemleistungen oder Klimaanpassungsplanung. Durch die Bereitstellung eines standardisierten, gebrauchsfertigen Lebensraumdatensatzes stärkt die urbane Lebensraumkarte die Wissensbasis für die Integration der Biodiversität in Siedlungsentwicklung und Landschaftspolitik.

Kolecka, Natalia; Ginzler, Christian; Price, Bronwyn

WSL

Der Bund investiert jährlich viele Millionen Franken in landwirtschaftliche Infrastrukturen, etwa über Meliorationen. Diese Projekte sind treibende Kräfte des landwirtschaftlichen Wandels und prägen Landschaft und Biodiversität. Meliorationen müssen zu einer ökologischen Aufwertung von Landschaften führen – bislang fehlte ein Instrument, um die ökologische Wirkung dieser Projekte systematisch zu beurteilen.

Der Beitrag stellt eine schweizweit einsetzbare, praxisorientierte Bewertungs- und Bilanzierungsmethode vor, welche die ökologischen Wirkungen von Strukturverbesserungen beurteilt. Sie ermöglicht es Behörden, ökologische Massnahmen gezielt zu prüfen und bei Bedarf einzufordern.

Die Methodik basiert auf den TypoCH-Lebensraumtypen. Mittels Wertpunkten werden der aktuelle Zustand, die Vernetzung der Lebensräume, ihre rechtliche Sicherung und weitere Aspekte mit einem Idealzustand sowie der Planung verglichen. Die Bilanz erlaubt es, die ökologischen Auswirkungen der Eingriffe den vorgesehenen ökologischen Massnahmen gegenüberzustellen und Anpassungsbedarf zu ermitteln.

Die Methode wurde in Zusammenarbeit mit BLW, BAFU, der Vogelwarte sowie kantonalen Landwirtschafts- und Naturschutzfachstellen entwickelt. Sie schafft für Vorhabensträger mehr Planungssicherheit und bietet den Behörden eine klare Grundlage, um ökologische Anforderungen zu definieren und durchzusetzen.

Rabe, Sven-Erik1; Knaus, Florian2

1incolab; 2ETH Zürich

Das Biodiversitätskonzept Erstfeld zeigt auf, wie die Gemeinde ihre ökologischen Qualitäten erhält und gezielt stärkt. Grundlage ist eine umfassende Analyse von Landschaft, Siedlungsraum, Lebensräumen, Arten und Neophyten. Es identifiziert bestehende Werte, Defizite und Möglichkeiten zur besseren Vernetzung von Siedlung und Landschaft.

Parallel dazu wurde von derselben Firma das Räumliche Entwicklungsleitbild (REL) erarbeitet. Inhalte aus dem Biodiversitätskonzept flossen direkt in das REL ein und beide Planungsinstrumente bilden die gemeinsame Grundlage für die nachgelagerte Nutzungsplanungsrevision, in der zentrale Inhalte des Biodiversitätskonzepts grundeigentümerverbindlich umgesetzt werden sollen.

Das Konzept definiert sieben Handlungsfelder – von Biodiversitätsförderung und Klimaanpassung über Vernetzung bis zur Sensibilisierung der Bevölkerung – und leitet daraus konkrete Massnahmen ab. Dazu gehören u.a. Entsiegelungen, Baumförderung, naturnahe Freiräume, Aufwertungen im Siedlungsraum, Neophytenbekämpfung verbindliche Vorgaben für Bauvorhaben wie eine Grünflächenziffer oder ein obligatorischer Umgebungsplan.

Das Zielbild zeigt, wie Erstfeld zu einem gut vernetzten, klimaangepassten und artenreichen Lebensraum wird. Das Konzept richtet sich an Gemeinde, Kanton, Landwirtschaft und Bevölkerung und setzt auf eine Kombination aus Planung, Pflege und gemeinsamer Verantwortung.

Stocker, Franziska; Theiler, Peter

Metron Raumentwicklung AG

M4 – Protection de la nature & gestion des visiteurs

Der Bödmerenwald im Muotathal (Kanton Schwyz) zählt zu den urtümlichsten Waldgebieten der Schweiz und ist seit 2009 grossflächig geschützt. Während ökologische und nutzungsgeschichtliche Aspekte des Gebietes bereits umfassend untersucht wurden, stehen die gesellschaftlichen Diskurse rund um seine Unterschutzstellung bislang weniger im Fokus. Meine Masterarbeit untersucht die unterschiedlichen Diskurse und Akteurskonstellationen, die das Bild des Bödmerenwaldes im Verlauf der Zeit geprägt haben. Grundlage bilden Medienberichte, Leserbriefe und weitere schriftliche Quellen, die mittels qualitativer Analyse ausgewertet werden. Ergänzend werden semi-strukturierte Interviews mit relevanten

Akteur*innen geführt. Die Ergebnisse werden in einen gesellschaftlichen sowie nationalen Kontext eingeordnet und im Rahmen der schweizerischen Naturschutzgeschichte verortet.

Balmer, Carla; Bürgi, Matthias

Universität Bern

Ranger:innen arbeiten an der Schnittstelle zwischen Mensch und Natur und begleiten Landschaften im Wandel. Ihr Einsatz in Schutzgebieten zeigt, wie vielfältig die Beziehungen zu Räumen geworden sind: steigende Freizeitmobilität, neue Wohn- und Arbeitsformen, Nutzungskonflikte sowie die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels prägen den Alltag der Ranger:innen. Sie sensibilisieren Besucher:innen, vermitteln zwischen Anspruchsgruppen, fördern eine nachhaltige Nutzung und unterstützen bei der Aufklärung über Naturgefahren. Sie beteiligen sich an der Umweltbildung und fördern das Bewusstsein für Natur und Landschaft in allen Altersgruppen. Zudem sind sie ein wichtiger Bestandteil der Besucherlenkung und übernehmen teilweise hoheitliche Aufgaben im Zusammenspiel mit Partnern und Beteiligten wie Wildhut, Polizei, lokalen Behörden oder Organisationen.

Der Berufsverband Swiss Rangers zeigt anhand konkreter Beispiele, wie professionelle Rangerarbeit zu resilienten Landschaften beiträgt – als vermittelnde Instanz zwischen Mensch und Natur. Der Beitrag gibt Einblick in Aufgaben, Kompetenzen und die Bedeutung der bevorstehenden Berufsanerkennung, um auch künftig ihre breit gefächerten Aufgaben professionell erfüllen zu können.

Anetzhofer, Andreas

Berufsverband Swiss Rangers;

Die Studie von Rupf et al. (2011) zeigte erstmals, dass die beliebte Skitourenroute auf den Piz Dora ein zentrales Auerhuhn-Winterhabitat stark zerschneidet und damit ein erhebliches Konfliktpotenzial birgt. Auf dieser Grundlage wurde eine empfohlene Wildruhezone ausgeschieden. Acht Jahre später folgten gezielte forstliche Aufweitungsmassnahmen entlang der Abfahrtschneise. Die Massnahmen sollen den Routeneinstieg in die Abfahrt im Gelände sichtbarer machen und damit Fahrten durch störungssensible Waldgebiete reduzieren. Zur Überprüfung der Wirksamkeit dieser Massnahmen, wurde im Winter 2019/20 eine erste Kontrolle durchgeführt. Nebst Zähldaten der Auf- und Abstiegsrouten wurden nach Neuschneefällen vom Gegenhang aus Fotos aufgenommen, um Skispuren präzise zu detektieren. Fünf Jahre später, im Winter 2024/25, erfolgte eine zweite Wirkungskontrolle, wobei die Zählungen durch eine Drohnen-Befliegung ergänzt wurden. Die Ergebnisse beider Kontrollen zeigten ein ähnliches Nutzungsniveau sowie eine starke Konzentration der Abfahrten in der ausgeholzten Schneise. Im lockeren Bergföhrenwald wurden nur einzelne Spuren festgestellt. Insgesamt ermöglichte die Kombination der Nutzungszahlen und der Spurdetektion eine belastbare Wirkungskontrolle forstlichen Lenkungsmassnahmen und gibt Hinweise zur Störungsintensität. Es unterstützt damit ein evidenzbasiertes Besucher- und Habitatmanagement im sensiblen Auerhuhn-Vorkommen am Piz Dora.

Blank-Pachlatko, Jonathan1; Feichtinger, Linda2; Junghardt, Johann1; Rupf, Reto1

1Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften; 2Naturpark Biosfera Val Müstair

Mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Ausrottung kehren Wolf, Bär und Luchs in die Alpen zurück. Diese Rückkehr führt zu Nutzungskonflikten und emotionalen Debatten zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz. Das Projekt «Tourismus und die Rückkehr der grossen Beutegreifer» (2024–27) der FH Graubünden entwickelt mit den Destinationen Arosa und Unterengadin sowie den Bündner Pärken Massnahmen zur Besucherlenkung und zur Gestaltung neuer touristischer Angebote.

Im Rahmen des Projekts wurden zwei Umfragen durchgeführt. Die erste richtete sich an europäische Naturpärke und Tourismusorganisationen. 87 % der befragten Gebiete setzen bereits Besucherlenkungsmassnahmen um; als zentrale Herausforderungen wurden die hohe Emotionalität des Themas sowie begrenzte personelle Ressourcen und Interessenskonflikte genannt. Die zweite Umfrage erhob das Interesse von Gästen an Angeboten rund um grosse Beutegreifer. Besonders gefragt sind geführte Themenwanderungen und Begegnungen mit Landwirten, wobei eine deutliche Zahlungsbereitschaft besteht.

Auf dieser Grundlage werden in den Modellregionen Besucherlenkungsmassnahmen und Kommunikationsstrategien entwickelt und getestet. Ergänzend werden neue touristische Produkte ausgearbeitet und erstmals im Sommer 2026 umgesetzt.

Insgesamt zeigt das Projekt sowohl Möglichkeiten auf, mit bestehenden Konflikten umzugehen als auch neue touristische Chancen, die sich aus der Rückkehr der grossen Beutegreifer für den alpinen Raum der Schweiz ergeben.

Baumgartner, Christian1; Föhn, Claudio2; Suter, Lynn1

1Fachhochschule Graubünden; 2Arosa Tourismus

M5 – Dangers naturels & société

With climate change, natural hazards are becoming more frequent and less predictable. As urbanisation concentrates human and material assets, risk – defined as the anticipation of catastrophe and damage – intensifies. This Risk Society condition (Beck, 1992) simultaneously increases the demand for insurance coverage while generating discriminatory zoning logics that stigmatize certain areas. This contribution centers on how insurance companies act as “hidden planners” by defining buildings and infrastructures’ system of value.

Switzerland stands out as a unique case: coverage against natural disasters is mandatory with uniform premiums across the territory. Not only active in compensating damages but also in investing in prevention and protection, insurance companies’ monopoly has significantly shaped the Swiss-built landscape over the course of the century. These bureaucratic figures have influenced construction standards and how territorial planning is practiced and produced at the local, regional, and national scale.

This contribution draws from the ECA (KGV) Vaud archival collection – policies, reports, and correspondences – and argues for the coevolution of “Risk culture” and territorial planning in Switzerland. The archival material from the 20th will be examined in relation to both global and local spatial strategies. This research reframes how insurance companies’ practices and territorial planning interact as forces shaping Switzerland’s built landscapes.

Riondel, Julie1,2

1Institut Transform, Haute école d’ingénierie et d’architecture de Fribourg HEIA-FR; 2Laboratoire d’urbanisme, École polytechnique fédérale de Lausanne EPFL

Rockfall events pose a risk to people and infrastructure in high mountain areas and change the appearance and perception of landscapes. Such events have been suggested to intensify with global warming. However, longer-term datasets on rockfall activity are sparse and often biased regarding detection and hence their relation to climate is ambiguous. This study applies the novel approach of analyzing melted-out debris patches and isochrones at Witenwasserengletscher (UR) to reconstruct a time-series of rockfall activity over the past century and investigate the potential influence of climate. A total of 27 rockfall events could be identified with volumes ranging from 1 to 561 m3. While no significant long-term trend in rockfall activity was observed, periods of increased activity generally correlated with peaks in summer temperature, but no direct relationship to extreme rainfall events was found. Comparison to the rockfall database of PERMOS revealed a similar temporal pattern, despite the events being much larger and distributed all over the Alps. We conclude that a further long-term warming trend does not necessarily increase rockfall activity but rather maintains it at an elevated level. However, the results suggest an increase in high temperature peaks could lead to an increase in rockfall activity.

Seiler, Leonora; Vieli, Andreas; Hardmeier, Florian

University of Zurich

Seit dem Jahr 2000 werden im Gebirgsfluss Spöl beim Schweizerischen Nationalpark an der Staumauer Ova Spin jährlich ökologische Hochwasser abgelassen. Diese kontrollierten Hochwasser wurden eingerichtet, um die durch den Kraftwerksbetrieb eingeschränkte Flussdynamik teilweise wiederherzustellen. Durch ein begleitendes Monitoring und zusätzliche Untersuchungen wurde bestätigt, dass diese künstlichen Hochwasser zu Geschiebeumlagerungen und veränderten Sohlstrukturen führen, die Uferdynamik fördern und die morphologische Vielfalt des Restwasserflusses steigern. Sie schaffen neue Lebensräume, reaktivieren natürliche hydrodynamische und ökologische Erosions- und Umlagerungsprozesse und stellen damit ein einzigartiges Beispiel für technisch erzeugte Landschaftsdynamik im Kontext eines Schutzgebiets dar.

Die Umsetzung der künstlichen Hochwasser erfolgt in enger Zusammenarbeit verschiedener Forschungsinstitutionen, der Engadiner Kraftwerke AG, dem Amt für Jagd und Fischerei Kt. Graubünden und privater Büros. Wir zeigen, dass durch die enge Kooperation all dieser Institution, die Berücksichtigung verschiedener Interessen und die kostenneutrale Massnahme der Hochwasser Win-win-Lösungen entstehen konnten. So ermöglichten der koordinierte Austausch und die Schaffung neuen Wissens ökologische Aufwertungen, ohne Nutzungsmöglichkeiten einzuschränken. Dieser Beitrag beleuchtet die landschaftliche Bedeutung künstlicher Dynamik hinsichtlich ökologischer und energiewirtschaftlicher Perspektiven.

Gubler, Stefanie1; Morandi, Gian-Luca2; Ortlepp, Johannes3; Wiesmann, Samuel4; Ruiz-Villanueva, Virginia5; Molnar, Peter6; Soto, Tulio7; Hesselschwerdt, John3; App, Pauline3; Gaudenz, Nicola8; Abderhalden, Angelika9

1Forschungskommission Schweizerischer Nationalpark, SCNAT; 2Engadiner Kraftwerke AG; 3HYDRA AG; 4Schweizerischer Nationalpark; 5Universität Bern; 6ETH Zürich; 7University of Trento; 8Amt für Jagd und Fischerei Kanton Graubünden; 9UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair

Der Klimawandel wird massive Auswirkungen auf Naturgefahren-Risiken sowie die touristische Nutzung in den Alpen haben. Deshalb wären lokale Diskussionen über langfristige Anpassungsstrategien wichtig, finden aktuell aber kaum statt. Grund sind neben der Unsicherheit der Risiken insbesondere die zu unterschiedlichen Problemsichten der verschiedenen Akteursgruppen. Um eine gemeinsame Basis für lokale Diskussionen zu schaffen, wäre ein Wissensaustausch bzw. eine Wissens Co-Produktion unter relevanten Akteursgruppen vielversprechend, welche eine geteilte Sicht des Problems ermöglicht.

Im Rahmen eines transdisziplinären Projektes wurde das Design eines solchen Wissens Co-Produktionsprozess entwickelt und dessen Wirksamkeit anhand von zwei Fallbeispielen getestet: der Gemeinde Göschenen und dem Saastal. Dabei wurden drei Akteursgruppen-Typen in den Prozess einbezogen: lokale Experten, Naturgefahren-Manager und Naturgefahren-Forschende. In beiden Regionen wurde eine Steuerungsgruppe etabliert, Interviews mit Mitgliedern der drei Akteursgruppen-Typen durchgeführt und VertreterInnen der drei Gruppen in einen Wissens Co-Produktionsprozess einbezogen. In zwei Workshops gelang es, eine gemeinsames Modell zu den künftigen Naturgefahren-Risiken zu entwickeln und geteilte Strategien zum Umgang mit diesen Risiken zu definieren. Dabei standen nicht bauliche, sondern organisatorische Strategien im Vordergrund, wie Konzepte einer nachhaltigen Landschafts- und Tourismusentwicklung.

Buchecker, Matthias; Seiler, Leonora; Maidl, Elisabeth

WSL

M6 – Résilience climatique & transformation

Die grosse landschaftliche Vielfalt der Schweiz geht einher mit einer breiten Palette an Ökosystem- oder Landschaftsleistungen. Jedoch verändert der Klimawandel sowohl die Landschaften wie auch ihre Leistungen. Wie können wir Landschaften so gestalten und nutzen, dass ihre Leistungen für Mensch und Umwelt langfristig gewährleistet sind? Wer ist dafür verantwortlich? Um gewisse Landschaftsleistungen auch unter einem sich verändernden Klima zu sichern, braucht es neue Planungs- und Schutzstrategien, und eine gesamtgesellschaftliche Abwägung der Interessen und Zielen des Klimaschutzes mit jenen der Landschaftsentwicklung. Ein integrativer Landschaftsansatz, der Natur, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur zusammenführt und die verschiedenen Akteurinnen und Akteure und Sektoren einbezieht, kann solche breit abgestützte Lösungen schaffen. Solch ein Ansatz macht Zusammenhänge sichtbar, hilft Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und schafft eine Basis für tragfähige Handlungsoptionen. Dieser Vortrag präsentiert diese und weitere Hauptbotschaften des Faktenblattes der Akademien Schweiz zum Thema «Schweizer Landschaften im Klimawandel». Anhand zentraler Ergebnisse zweier Forschungsprojekte zu Landschaften im Klimawandel und von Praxisbeispielen, werden Handlungsoptionen im Rahmen einer ganzheitlichen und partizipativen Landschaftsgestaltung vorgestellt.

Urbach, Davnah4; Keller, Roger1; Tobias, Silvia2; Siegrist, Dominik3; Käufeler, Bruno5; Aschwanden, Romed6; Grêt-Regamey, Adrienne7; Wäger, Philippe8; Steiger, Urs9

1Akademie der Naturwissenschaften Schweiz, Forum Landschaft, Alpen, Pärke Haus der Akademien; 2Eidgenossische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Zentrum Landschaft; 3Alpenwanderer; 4Global Mountain Biodiversity Assessment, University of Bern and Lausanne; 5Impuls AG; 6World Wildlife Fund; 7Eidgenössische Technische Hochschule Zürich; 8Schweizer Alpen Club; 9Steiger Texte Konzepte Beratung

Der Klimawandel transformiert Landschaft, Infrastruktur und touristische Angebote. Anpassungsstrategien bleiben jedoch häufig reaktiv, lokal begrenzt und unverbunden mit Wirtschafts- und Standortentwicklung. Wir treten mit dem Ansatz an, proaktive Klimaanpassung als strategische Chance für Wertschöpfung und Resilienz zu verstehen.

Mit einem praxisnahen Beitrag am Marktplatz, zeigen wir Ansätze auf, in denen Klimaanpassung, Standortförderung, touristische Infrastruktur und Regionalentwicklung verknüpft sind und aus einer Chancenperspektive betrachtet werden.

Wir zeigen, wie:

• proaktive Klimaanpassungsmassnahmen wertschöpfungsorientiert in der Zentrumsentwicklung, der Standortförderung oder der Tourismusentwicklung eingesetzt werden.

• welche Voraussetzungen für ganzheitlich gedachte Lösungen im Bereich proaktiver und wertschöpfungsorientierter Klimaanpassung geschaffen werden müssen.

• öffentliche und private Akteure durch koordinierte Governance-Modelle, gemeinsame Investitionslogiken und regional abgestimmte Entwicklungsprozesse in die Lage versetzt werden, Klimarisiken nicht nur zu managen, sondern in neue ökonomische und gesellschaftliche Nutzenpotenziale zu transformieren

Als generis arbeiten wir an der Schnittstelle zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft. Im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung betreuen wir mehrere Förderprogramme des Bundes und führen seit über 25 Jahren die Wirtschaftsförderung und die RSE-Stelle des Kantons Schaffhausen.

Robustelli, Leandro; Schenk, Patrick; Abgottspon, Silvio

Generis AG

Durch den Klimawandel nehmen extreme Wetterereignisse zu, die sowohl natürliche als auch kulturelle Landschaftsflächen erheblich beeinträchtigen. Auf globaler Ebene reicht die blosse Bekämpfung von Waldbränden nicht mehr aus, sondern es wird zunehmend empfohlen, in Vorsorge und Prävention zu investieren. Alles deutet darauf- es erfordert ein integrales Risikomanagement. Seit einigen Jahren besteht ein Bewusstsein dafür, dass ein holistischer Ansatz auf Landschaftsebene nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig ist, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen. Obwohl die meisten Stellen nur einen konkreten Teil der Landschaft bewirtschaften, ist eine Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern derselben Landschaft gefragt. Um das gemeinsame Ziel der Resilienz einer Landschaft zu erreichen, ist es unerlässlich, dass alle Beteiligten Offenheit zeigen, den Äusserungen anderer Aufmerksamkeit schenken, ihre Sprache verstehen und die Bereitschaft mitbringen, gemeinsam innovative Massnahmen zu entwickeln. Das Projekt „Landscape Fire Management in the Western Balkans“ zeigt, wie diese Prinzipien in der Praxis umgesetzt werden, indem gemeinsam mit Schweizer Stakeholdern neue Ansätze zur Prävention und Bewältigung klimabedingter Risiken entwickelt werden.

Markovic, Jelena

Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL)

Der Klimawandel schreitet in den Alpen besonders rasch voran. So auch in der Surselva im Kanton Graubünden, wo mit der Klima-Toolbox schon vor bald 10 Jahren eine erste Auslegeordnung zur Anpassung an den Klimawandel entstand. An unserem transdisziplinären Marktstand erkunden wir, was seitdem geschehen ist. Was bedeuten Anpassung und Resilienz auf gesellschaftlicher Ebene? Wie werden Klimawandel und die Anpassung daran in der Landschaft sichtbar? Und welche neuen Lösungsansätze gibt es? Diese und ähnliche Fragen reflektieren wir anhand von Künste-Wissenschaften-Kollaborationen, die im Rahmen eines forschungsbasierten Lehrprojekts an der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste entstanden. Die Beiträge nehmen den Klimawandel im Berggebiet in Sektoren wie Naturgefahren, Landwirtschaft, Wasser und Tourismus in den Blick. Basierend auf der Einbindung verschiedener Stakeholder aus der Region machen sie lokales Wissen explizit und verbinden es mit wissenschaftlicher Evidenz und künstlerischer Reflexion. Eingebettet sind die Beiträge in den Kontext des Forschungsprojektes Anthro:Relate an der ETH Zürich, das transformative Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft im Anthropozän untersucht. Unser Marktstand lädt die Besuchenden dazu ein, sich der Anpassung an den Klimawandel aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Er liefert zudem Impulse für einen konstruktiven Dialog von Wissenschaft, Kunst, und Praxis—in der Surselva und in anderen Regionen der Alpen.

Wenger, Ariane1; Hofmann, Benjamin1,2; Müller, Patrick3; Vögeli, Irene3; Ziegler, Katherine1

1Transdisziplinaritätslabor, ETH Zürich; 2ITD Research Group, Eawag; 3Master Transdisziplinarität, Zürcher Hochschule der Künste

Sous l’effet du réchauffement climatique, les dynamiques alpines semblent s’inverser : la végétation remonte vers des seuils plus favorables et les humains cherchent toujours plus haut des lieux de vie et de loisirs. Ce phénomène révèle les limites des ressources naturelles et le décalage entre le temps long de formation du paysage et la consommation rapide du sol. La moyenne montagne, seuil stratégique et dernier rempart accessible à l’urbanisation, devient un espace très sollicité où cohabitent des usages fragiles.

L’association Altitude 1400 alerte depuis longtemps sur le mitage du paysage, la pression foncière et le bouleversement des milieux. Ses travaux nous ont permis de saisir l’importance de ce repère altimétrique. Nos observations, menées à l’étage des mayens et aux départs des télécabines, se sont enrichies d’entretiens avec des professionnel·les et des habitant·es. Leurs témoignages évoquent des pistes sur la gestion des ressources, le vivre ensemble et la qualité paysagère.

Ce matériau constitue le point de départ de notre enquête, non exhaustive mais centrée sur les transformations et la qualité des paysages à 1400 m. L’objectif est de prendre le pouls de réalités parfois disjointes, révélatrices des tensions qui traversent aujourd’hui la moyenne montagne.

Crémel, Laurence1; de Laage, Mathilde2

1HEPIA filière architecture du paysage, Suisse; 2HES-SO Master

M7 – Espaces urbains & détente

Angesichts von globalen Krisen wie dem Verlust der biologischen Vielfalt und dem Klimawandel wächst der Konsens darüber, dass Städte umgestaltet werden sollten, um die biologische Vielfalt wiederherzustellen, das Mikroklima zu regulieren und die Lebensqualität der Stadtbevölkerung zu garantieren oder zu verbessern. Urbane Grünflächen spielen dabei eine zentrale Rolle. Insbesondere die Vegetation ist entscheidend für eine bedarfsgerechte und ökologische Grünflächenplanung und -gestaltung. Das wurden bisher jedoch kaum empirisch untersucht.

Dieser Beitrag präsentiert Resultate aus einer repräsentativen Befragung der Schweizer Bevölkerung. Die Analyse mit Fokus auf fünf Grünflächentypen (Parks, Siedlungsgrünflächen, Schrebergärten, Privatgärten, Ruderalflächen) zeigt auf

Wie werden siedlungsnahe Grünflächen genutzt?

Welche Pflanzen mögen die Schweizer*innen in siedlungsnahen Grünflächen? Und warum?

Wie unterscheiden sich die Präferenzen (Pflanzen) und Nutzung von siedlungsnahen Grünflächen zwischen der Stadt- und Landbevölkerung?

Die Ergebnisse offenbaren Einflussfaktoren und zeigen sowohl Gemeinsamkeiten als auch bedeutende Unterschiede zwischen urbanen und ruralen Perspektiven.

Von Atzigen, Aline; Hunziker, Marcel; Hartig, Terry

WSL

Können wir uns in unserer Alltagslandschaft noch erholen oder ist es dafür zu laut? Dieser Frage ging ein Forschungsprojekt der WSL und Empa nach, mit VR-Experimenten im Labor, Spaziergängen mit Probanden in der realen Umgebung sowie Umfragen in Zürich und der ganzen Schweiz. Es zeigte sich, dass eine natürliche Umgebung erholsamer ist als eine bebaute Umgebung, wobei Naturgeräusche auch in einer bebauten Umgebung die Erholung fördern. Generell empfindet die Schweizer Bevölkerung ihre Alltagslandschaften als erholsam, aber wenn der Strassenlärm zu laut wird (d.h. ab einem durchschnittlichen Tagespegel von 50–55 dB), fühlen sich die Leute in ihrer Erholung beeinträchtigt. Deshalb suchen gerade Leute, die an lauten Orten wohnen nicht nur grünere, sondern auch leisere Orte als ihren Wohnort für die Erholung auf. Auch Stadtpärke, die starkem Strassenlärm ausgesetzt sind, werden seltener besucht als ruhige Pärke. Schliesslich haben die Resultate gezeigt, dass sich die empfundene Erholsamkeit eines Ortes nicht direkt von seinen physischen Qualitäten ableiten lässt, sondern stark von der Wahrnehmung dieser Qualitäten durch den Menschen abhängt, z.B. vom Gefühl in der Natur zu sein, der empfundenen Klangqualität oder Lärmbelästigung. Diese Wahrnehmungen werden wiederum von den physischen Eigenschaften des Ortes beeinflusst. Neben praktischen Hinweisen zur Gestaltung von Erholungslandschaften zeigt das Poster auch konzeptionelle Ansätze zur Erfassung von Landschaftsleistungen.

Tobias, Silvia1; Kolecka, Natalia1; Garcia Martin, Maria1; Schäffer, Beat2; Kawai, Claudia2; Dopico Magadan, Javier2; Bauer, Nicole1; Schaupp, Julia1; Hunziker, Marcel1; Ginzler, Christian1; Wunderli, Jean Marc2

1WSL; 2Empa

Wien liegt in zahlreichen internationalen Lebensqualitätsrankings (z. B. Mercer, Economist) im Spitzenfeld und zählt zu den weltweit am höchsten bewerteten Städten.

Obwohl zahlreiche Erkenntnisse zeigen, dass Erholung eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden spielt, nimmt sie in Rankings keine oder nur eine untergeordnete Rolle ein. Es stellt sich die Frage, ob Rankings der Lebensqualität die Lebensrealität der Bevölkerung tatsächlich abbilden.

Eine quantitative Befragung in Wien (n=210) hebt die Bedeutung urbaner Grün- und Erholungsgebiete für die Bevölkerung deutlich hervor: Erholungsräume werden als Orte der Naturerfahrung, mentalen Entlastung und niederschwelligen Alltagsaktivitäten genutzt. Die große Mehrheit fühlt sich nach dem Aufenthalt spürbar entspannter und Qualitäten wie Ruhe, natürliche Umgebung und gute Erreichbarkeit fördern die Erholungsqualität.

Diese Ergebnisse der Befragung zeigen einen Zusammenhang zwischen den internationalen Rankings der generellen Lebensqualität und der wahrgenommenen Erholungsqualität der Bevölkerung in Wien auf, die beide auf hohem Niveau liegen, und liefern wertvolle planungsrelevante Erkenntnisse.

Im nächsten Schritt sollen weitere Vergleichsstädte dem Sample hinzugefügt und ein transparenter, internationaler Datensatz erstellt werden, um den Beitrag wahrgenommener Erholungsqualität für Lebensqualitätsbewertungen, planerische Entscheidungen und gesundheitsorientierte Stadtstrategien systematisch zu untersuchen.

Salak, Boris; Schmidt, Dominik

Technische Universität Wien

Urban heat islands pose significant health risks, with half of the global urban population projected to face extreme heat by 2050. Switzerland experiences climate warming at twice the global average while land use policies mandate settlement densification rather than outward expansion. This thesis investigates how projected increases in residential and economic density will affect urban heat island intensity across settlements in the canton of Zürich through 2050.

A U-Net convolutional neural network was trained to predict daytime temperature and physiological equivalent temperature at a 100-meter resolution across Canton Zürich. The model achieved strong performance (R² = 0.85) using topography, land cover, and urban land use data from 2020 (density and economic activity), then projected temperatures for 2050 development scenario. Feature importance analysis revealed land cover variables dominate thermal predictions while density serves as a weak predictor.

Future projections show minimal aggregate temperature change from densification, but significant localized warming and cooling in areas with distinctive characteristics. These findings suggest urban planning interventions should target site-specific features rather than density alone, as the density-heat relationship is mediated by land cover and topographic context.

Mutsaers, Thomas

ETH Zürich

Penser les parcs urbains en Tunisie avec les plantes spontanées : utopies et réalités: Repenser les espaces verts en intégrant les plantes vagabondes des milieux urbains offre une nouvelle lecture de la relation nature-ville. Ces plantes rudérales, souvent perçues comme indésirables, possèdent pourtant des atouts écologiques et esthétiques : elles favorisent la biodiversité, stabilisent les sols et renforcent la résilience des écosystèmes face au changement climatique. Cette approche remet en question les modèles traditionnels d’aménagement, en valorisant des espaces plus inclusifs, adaptatifs et respectueux des dynamiques naturelles. Toutefois, leur intégration pose des défis : prolifération incontrôlée, aspect désordonné parfois en décalage avec les attentes esthétiques, et risques pour la biodiversité locale, comme observé au parc urbain de Sahloul IV. Malgré ces contraintes, leur valorisation peut transformer ces lieux en jardins sauvages ou corridors écologiques. Cela nécessite la mobilisation des citoyens, un suivi écologique rigoureux et l’adoption de pratiques et politiques favorisant leur intégration harmonieuse dans les espaces verts urbains.

Hamrita, Abdelkarim

Institut Supérieur Agronomique de Chott Mariem (ISA-CM), Tunisie

M8 – Living Lab, processus & gouvernance

Sport treiben, mit dem Hund spazieren oder die Natur direkt vor der Haustür erleben – wir profitieren alle von naturnah gestalteten und miteinander vernetzten Freiräumen in unseren Siedlungen. Sie versprechen Abkühlung im Sommer, halten bei starken Niederschlägen das Wasser zurück und bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Trotz dieser Vorteile kommt das vernetzte Denken bei der Gestaltung von Natur- und Freiräumen im Siedlungsraum oft noch zu kurz.

Die im Themenschwerpunkt « Lebensqualität durch Biodiversität und attraktive Landschaften erhöhen » begegnen diesen Themen mit unterschiedlichen Fragestellungen und Herangehensweisen. Im Rahmen eines Posterbeitrags auf dem Marktplatz sollen sie kurz vorgestellt werden.

Gefördert werden die folgenden Projekte:

– Vivai diffusi: uno strumento per la riqualifica delle aree industriali

– Entwicklungskonzept Stadtrandpark Winterthur

– Gestaltungscharta Agglomeration Brig-Visp-Naters

– Schönthal-Park als interkommunaler Entwicklungsinkubator im Ergolz-Talraum

– Grenzlandschaften im Agglomerationsraum – Lösungsansätze zur Freiraumgestaltung für kommunale Grenzgebiete im Glattal

– Agrarpark Limmattal: Vorbild für die ÖI-Umsetzung in Agglomerationslandschaften

Moll, Claudia

BAFU

In der Session wird die Konkurrenz um Flächennutzungen in der Schweiz und im gesamten Alpenraum beleuchtet. Ausgangspunkt ist die Analyse unterschiedlicher Ansätze in den Alpenländern, um Nutzungskonflikte bei knappen Raumressourcen effizient und nachhaltig zu lösen – ohne zusätzlichen Landverbrauch.

Dazu werden bestehende Massnahmen und Beispiele untersucht, die sowohl wirtschaftliche Entwicklung als auch Biodiversität und Landschaft beeinflussen. In einem interaktiven Format reflektieren die Teilnehmenden gemeinsam Lösungsansätze zur Verbesserung der Bodennutzung, Raumentwicklung und Förderung ökologischer Infrastrukturen.

Anhand von Interreg-Alpine-Space-Projekten wie BrokeringSpaces und LUIGI wird gezeigt, wie relevante Politiken (Bodenstrategie, Biodiversitätsstrategie, Landschaftskonzept) umgesetzt werden. Die Ko-Moderation durch eine Fachbehörde und eine Praxisvertreterin verdeutlicht die Verbindung zwischen strategischen Vorgaben und deren Umsetzung in Pilotgebieten.

Die Erfahrungen aus den Alpenraumprojekten illustrieren zudem, wie sozioökonomische Ergebnisse in Bergregionen im Rahmen der Regionalentwicklung (NRP) erfolgreich mit ökologischem Mehrwert kombiniert werden können. Das interaktive Format soll die Teilnehmenden anregen, sich mit den Potenzialen von Interreg auseinanderzusetzen.

Abderhalden, Angelika1,2; Wirz, Christian3

1Fundaziun Pro Terra Engiadina; 2UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair; 3ARE – Bundesamt für Raumentwicklung

Eine zentrale Schwierigkeit bei der Umsetzung raumwirksamer Massahmen ist die starke Abhängigkeit von den Grundeigentümer:innen, die letztlich entscheiden, wie und in welchem Umfang sie ihre Grundstücke entwickeln. Bisher sind Kenntnisse über die Zusammensetzung, Eigenschaften und Motive von Grundeigentümer:innen kaum vorhanden, was häufig auf mangelnden Zugang zu Eigentumsdaten zurückzuführen ist.

Dank detaillierter Datengrundlage untersuchten wir in der Gemeinde Opfikon wie Grundeigentümer:innen die ökologische Nachhaltigkeit der Innenverdichtung beeinflussen. Wir analysierten in einem ersten Schritt die Zusammensetzung und Veränderung der Grundeigentumsstrukturen der Jahre 2010 – 2025 anhand der Grundeigentumstypen «Institutionell»; «Privat-selbstnutzend», «Privat-vermietend», «Öffentlich» und «Genossenschaftlich». Im zweiten Schritt wurde der Unterschied zwischen verschiedenen Grundeigentumstypen auf die Art der Verdichtung (Neubau, Ersatzbau oder im Bestand), einen reduzierten Wohnflächenbedarf pro Person sowie der Umgang mit Grünflächen untersucht.

Dieses Fallbeispiel zeigt auf, welche Erkenntnisse anhand verfügbaren Eigentumsdaten möglich sind. Ein vertieftes Verständnis darüber, wie, wo und aus welchen Gründen Grundeigentümerinnen (nicht) zur nachhaltigen Innenverdichtung beitragen, ist Voraussetzung dafür, sie wirksam in Planungsprozesse einzubeziehen und eine nachhaltige Raumentwicklung zu fördern.

Hess, Livia1; Debrunner, Gabriela2

1incolab GmbH; 2Universität Lausanne

Die BFH-HAFL setzt innerhalb des RURACTIVE-EU-Projekts in Törbel ein transdisziplinäres Reallabor als praxisnahen Lern- und Forschungsort in einer alpinen Gemeinde um. Ziel ist es, eine Plattform für die Zusammenarbeit von Studierenden, Forschenden und lokalen Akteur:innen zu schaffen, um gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen in Bergregionen zu entwickeln.

Im Reallabor werden Studierende der BFH-HAFL aus Bereichen wie Landwirtschaft und Forstwirtschaft in reale Projekte eingebunden, z. B. zur Landschafts- und Commons-Governance, Wasserknappheit oder nachhaltiger Landnutzung. Lokale Stakeholder:innen sind aktiv in die Identifikation von Problemen, die Entwicklung von Lösungen und die Erprobung von Massnahmen eingebunden.

Das Reallabor fördert den Wissensaustausch zwischen Forschung und Praxis, stärkt die Sichtbarkeit von Törbel als Innovationsstandort und trägt zur langfristigen sozialen und ökologischen Resilienz der Gemeinde bei. Durch Workshops, Exkursionen und partizipative Veranstaltungen entsteht ein dynamisches Umfeld für transdisziplinäres Lernen und angewandte Forschung.

Böttinger, Evelyn; Melnykovych, Mariana

Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL)

Wie bringt man Forschende zusammen, die zeichnen, Interviews führen oder Bodenfeuchte messen? Worüber sprechen sie, wenn sie sich mit Landwirt:innen bei Regen auf einem Bauernhof treffen? Und was macht eine Primarschule mit Architekturstudierenden im Wald am Dorfrand?

Das ist nur eine Auswahl von Praxisbeispielen des Forschungsprojekts «Reallabor Jurapark Aargau». In vier Realexperimenten wird erprobt, wie nachhaltige Entwicklung im regionalen Naturpark konkret gestaltet werden kann – von Wasserrückhaltung mit Keylines über die Begleitung von Landwirtschaftsbetrieben im Klimawandel bis hin zu zukunftsfähigen Grünflächen und einer radikal regionalen Holznutzung. Über zehn Forschungsgruppen mit zahlreichen Studierenden und Praxispartner:innen entwickeln und testen hierfür gemeinsam Massnahmen in der Region.

An unserem Marktplatzstand präsentieren wir die vier Realexperimente im Rahmen des Reallabor Jurapark Aargau und geben einen Einblick in die Arbeit des Projektteams hinter den Kulissen. Wir beleuchten Erfolge und Misserfolge im Beziehungsaufbau durch gemeinsames Experimentieren in der heterogenen Park- und Forschungslandschaft. Wir diskutieren strukturelle Unterschiede und Bedürfnisse der Realexperimente im Hinblick auf Beziehungsaufbau und -pflege zwischen Mensch und Raum – insbesondere unter den Gesichtspunkten Kommunikation und Einbezug der breiten Öffentlichkeit.

Lischer, Philipp1; Geiges, Tim2; Zutter, Isabelle3; Pohl, Christian1; Tobias, Silvia2; Neff, Christine3

1ETH Zürich; 2WSL; 3Jurapark Aargau

Ethical consumption is often presented as a solution to global sustainability problems, yet it assumes that individual choices can correct structural inequalities in telecoupled food systems. Focusing on chocolate as a case where Swiss everyday consumption is linked to social and environmental impacts concentrated in cocoa-growing regions of the Global South, my dissertation examines how preferences for ethically produced chocolate are formed and how they relate to concrete supply-chain and policy options. A nationwide survey combines a discrete choice experiment on supply-chain attributes with a questionnaire on values, beliefs and norms, analysed using structural equation and (hybrid) choice models. Results reveal an ethics-oriented majority and a price-sensitive minority; intentions are shaped mainly by moral obligation and a sense of having the practical means and knowledge to buy ethically produced chocolate, while conventional products still dominate at the point of purchase. Respondents strongly prefer reduced deforestation, Swiss manufacturing and shorter value chains, but are sceptical that labels or higher prices alone improve farmers’ livelihoods. The findings question the transformative power of ethical consumption on its own and identify governance and transparency interventions needed to translate consumer preferences into fairer and more sustainable cocoa supply chains.

Rudolf, Max1,2

1WSL; 2Geografisches Institut, Universität Bern

M9 – Enfants, paysage & éducation

Das Bildungsprojekt Paradisea ist Teil des Reallabors San Bernardino (PH Graubünden) und macht alpine Kulturlandschaften beidseits des Passes zum Lernort. Dabei werden schulische Bildungsangebote mit natur- und kulturbezogenen Fragestellungen im Gelände verbunden. Ziel ist ein Schulmodell, das Landschaft als Erfahrungsraum nutzt und Mehrsprachigkeit, regionale Verbundenheit sowie nachhaltiges Denken fördert.

Im Rahmen des Teilprojekts EsTeLS (Esperire il territorio e la lingua straniera) wird Paradisea um Materialien in der ersten Fremdsprache (Italienisch oder Deutsch) erweitert. In enger Zusammenarbeit mit Schulen, Fachhochschulen und Naturpärken werden Fachinhalte und Sprache integrativ vermittelt.

Die entwickelten Materialien stehen digital zur Verfügung und richten sich sowohl an die Schule als auch an ausserschulische Akteure. Sie ermöglichen neue Formate nachhaltiger touristischer Bildungsangebote – etwa begleitete Entdeckungsrouten oder Module zur Vermittlung von landschaftlichem Kulturerbe.

Paradisea leistet zudem einen Beitrag zur Kohäsion zwischen Nord- und Südbünden: Durch den Einbezug von Lernorten und Akteuren beidseits des San-Bernardino-Passes fördert das Projekt das gegenseitige Verständnis, den sprachlich-kulturellen Austausch und eine gemeinsam getragene Zukunftsperspektive für den alpinen Raum.

Beer, Barbara

Pädagogische Hochschule GR

Im Waldexperiment bauen Kinder über einen längeren Zeitraum eine persönliche Beziehung zu einem Waldstandort auf. Sie aktivieren dabei ihre eigenen Ressourcen, entwickeln Ideen und gestalten gemeinsam den Wald. Dies geschieht in einem geschützten Umfeld ohne Vorgaben. Die Kinder erleben und entdecken den Naturraum auf ihre Art und Weise. Sie werden mit dem Wald vertraut, ohne dass Erwachsene intervenieren und steuern. Dies bedeutet, dass die Kinder einen Umgang miteinander finden und gemeinsame Entscheide fällen müssen. Sie erleben dadurch Eigenverantwortung, Selbstwirksamkeit, Teamarbeit und einen hohen Grad an Partizipation. Sie eignen sich Kompetenzen an, welche zu den Future Skills gehören; sowohl zwischenmenschlich, im Selbstmanagement als auch in kognitiven Fähigkeiten.

Der Wald dient daher als Reallabor für das Miteinander. Gestützt auf die bisherigen Erfahrungen der letzten Jahre wird die Methode Waldexperiment vorgestellt, Erfahrungen zusammengefasst und Folgerungen gezogen rund um die Kernfragen «Wie kann eine Beziehung zum Wald aufgebaut werden?», «Wer entscheidet im Raum?» respektive «Wie weit darf und soll die Raum-Aneignung im Wald gehen?».

Hilfiker, Karin

Verein Waldexperiment

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Partizipation. Das steht im Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) . Viele Kinder und Jugendliche wissen jedoch nicht, dass sie dieses Recht haben. Das möchten wir ändern!

Im Projekt «Partizipation im Parc Ela» machen wir Jugendlichen ihr Recht auf Mit-sprache in der Gesellschaft bewusst und unterstützen sie dabei, sich für ihre Bedürf-nisse einzusetzen – konkret: ihre Wünsche und Ideen in die Tat umzusetzen.

In Workshops, die während des Schulunterrichts stattfinden, erfahren die Kinder und Jugendlichen, was Partizipation bedeutet. Anschliessend entwickeln sie eigene Pro-jektideen, die sie mit Unterstützung in ihrer Freizeit umsetzen können – wenn sie das möchten. Neben diesem Bottom-up Ansatz möchten wir das Recht auf Mitsprache auch auf der Gemeindeebene verankern. Dazu sollen Strukturen geschaffen werden, Meinungen und Bedürfnisse von Jugendlichen in Projekte einfliessen zu lassen, die sie betreffen (z.B. Umbau von Schulhäusern, Spielplätze, Öffentlicher Verkehr). Auch die Eltern der Kinder und Jugendlichen wollen wir sensibilisieren, damit dieses wichtige Thema breite Unterstützung und Akzeptanz erhält.

Untersander, Sarah

Verein Parc Ela

Refugee and migrant children often encounter multiple barriers to accessing urban green spaces, including limited knowledge of their surroundings and unfamiliarity with local norms. At the same time, spending time outdoors is known to support children’s physical and mental well-being and to strengthen social ties. This project contributes to landscape research by examining how refugee children perceive, experience, and engage with urban green landscapes through Citizen Science.

Working in collaboration with the Youth Red Cross of the canton of Aargau, the project engages children from refugee and migrant backgrounds in a three-step process. In co-creation workshops, participants map green spaces, identify their preferences and needs in relation to urban landscapes, and plan the fieldwork activities. This is followed by guided fieldwork in Aarau’s urban green spaces, where children explore, document, and evaluate their environments using digital mapping applications, biodiversity tools, and simple environmental sensors. In a final step, the children reflect on their findings and share their results with other participants, families, and local stakeholders. By centering refugee and migrant children as knowledge producers, the project aims to strengthen their connection to urban landscapes, support well-being, and encourage participation in public life, while generating insights for more inclusive, child-friendly landscape planning and educational practices.

Michel, Annina Helena1,2; Egorova, Ekaterina3; Theiler, Lara4; Viviani, Pia4; Backhaus, Norman2

1Geographisches Institut, Universität Zürich; 2Pädagogische Hochschule St. Gallen; 3University of Twente; 4catta GmbH

Die Kulturlandschaft der Schweiz muss sehr unterschiedliche Funktionen erfüllen. Die Zielkonflikte darin zu bearbeiten ist eine zentrale Aufgabe der integrierten Landschaftsentwicklung.

Im digitalen Spiel «Landwandel» steht der Zielkonflikt zwischen der Nahrungsmittelproduktion und der Möglichkeit CO2 zu sequestrieren im Fokus. Die Spielenden haben im Spiel die Aufgabe Landnutzungen so zusammenstellen, dass die beiden Ziele möglichst optimiert werden.

Das Spiel erlaubt Kindern und Erwachsenen sich spielerisch mit der Thematik auseinanderzusetzen. Sie gestalten im Spiel die Landschaft auch nach ästhetischen Gesichtspunkten und bekommen laufend Feedback zur Produktion von Nahrungsmitteln und der Sequestrierung von CO2.

Der Beitrag diskutiert die Möglichkeiten, wie Spielformen auf unterhaltsame Weise für Themen der Landschaftsentwicklung sensibilisieren können. Weiter klärt der Beitrag die Möglichkeiten zu Anwendung solcher digitalen Spielformen für schulische und ausserschulische Lernorte.

Riva, Matteo; Sonderegger, Ralph; Enrico, Celio

ETH Zürich, Schweiz

M10– Tourisme, identité & développement régional

Der Beitrag präsentiert die Ergebnisse des CIPRA Forums 2026, das am 11. Juni 2026 von CIPRA Schweiz gemeinsam mit ihren Mitgliedorganisationen durchgeführt wird. Ziel des Forums ist es, zentrale Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Tourismus im Alpenraum zu analysieren sowie gemeinsam Strategien und Positionen für eine nachhaltige Entwicklung zu formulieren.

Am Forum sollen Fachpersonen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft Visionen, Thesen und konkrete Handlungsempfehlungen entwickeln. Das Forum knüpft an die aktuelle Erarbeitung der nationalen Tourismusstrategie und die wachsende Bedeutung von Klimawandel, Netto-Null-Zielen und Anpassungsprozessen an. Dabei fliessen auch Ansätze wie Degrowth sowie Erfahrungen aus den alpinen Organisationen ein.

Ein besonderer Schwerpunkt soll beim Forum auch auf der Frage liegen, wie junge Menschen für Alpenschutz und nachhaltigen Tourismus aktiviert werden können und wie deren Perspektiven systematisch eingebunden werden.

Der Beitrag zeigt die erarbeiteten Themen und Massnahmen auf, erläutert die Chancen und Konfliktfelder und ordnet die Resultate in aktuelle politische Prozesse und Projekte der alpinen Akteurslandschaft ein.

Herrmann, Manuel; Schuler, Kaspar

CIPRA Schweiz

Der Tourismus ist eine der grössten und umsatzstärksten Branchen weltweit. Ein Großteil seines Erfolgs hängt von den natürlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen ab, die Destinationen – in der Schweiz namentlich alpine Lebensräume – bieten. Gleichzeitig ist der moderne Tourismus extrem ressourcenintensiv und beutet diese Ressourcen stark aus. Kurz gesagt: Der Tourismus sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Wir sind überzeugt, dass regenerative Geschäftspraktiken dazu beitragen können, den Tourismus zu einer Kraft für das Gute zu machen: Wir glauben an regenerativen Tourismus. In unserem Beitrag werden wir Prinzipien und praktische Ansätze für regenerativen Tourismus diskutieren und Allianzen zwischen denen schmieden, die sich als Pioniere engagieren wollen.

Denn: Regenerativer Tourismus ist ein fundamental anderer Ansatz. Es braucht echte und engagierte Agenten des Wandels, die vor Ort in ihren lokalen Systemen und Gemeinschaften den Wandel initiieren und vorantreiben. Wir wollen gemeinsam diskutieren, wie dies möglich gemacht werden kann, welche Werkzeuge es hierfür braucht und wie ein Regenerativer Tourismus in Schweizerischen Landschaften in der Praxis konkret aussehen kann.

Jost, Corina; Wußmann, Florian; Deucher, Gioia

Regenerative Tourism Initiative

Ziel des touristischen Leitbildes ist die kurz-, mittel- und vor allem langfristige Entwicklung und Stärkung des Tourismus. Das touristische Leitbild ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung und bildet einen Orientierungsrahmen für die Gemeinden und die Akteure und eine Grundlage für Entscheidungen und Handlungen.

Die Regionalentwicklung als Ganzes und damit auch der Tourismus basieren auf den externen Rahmenbedingungen, welche uns vorgegeben sind. Dazu gehört die Natur, die Wirtschaft inklusive ihrer technologischen Entwicklung und die Gesellschaft mit ihren Regeln beziehungsweise Gesetzen.

Innerhalb der Region Prättigau/Davos bilden die Wertschöpfung, die Bedürfnisse der Bevölkerung beziehungsweise der Unternehmungen sowie die finanziellen, personellen und natürlichen Ressourcen das relevante Fundament der Regionalentwicklung

Die Ressourcen der Region Prättigau/Davos schaffen die Grundlage für touristische Angebote. Sie prägen die Region und sind im Gegensatz zum Angebot nur bedingt beeinflussbar. Der Tourismus hingegen kann die Ressourcen beeinträchtigen und ihre Entwicklung beeinflussen.

Die Landschaft ist eine der bedeutendsten Ressource und bietet aufgrund ihrer Naturräume Potenzial für die Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden, Lebensqualität. Besonders das Prättigau Das Prättigau weist verschiedene hohe Landschaftswerte und wertvolle Kulturgüter auf. Deren Erhalt und Pflege auch bei der Stärkung und Entwicklung des Tourismus zu berücksichtigen ist.

Christoffel, Nadja; Fromm, Georg; Kessler, Jürg

Regionalentwicklung Prättigau/Davos;

Immer mehr Menschen sind in den Bergen unterwegs – auf der Suche nach authentischen Naturerlebnissen. Hier setzt die Initiative Bergsteigerdörfer an. Eine Auszeichnung als Bergsteigerdorf bedingt ein hohes Mass an Angebots-, Landschafts- und Ortsbildqualität, Bergsportkompetenz, sowie Offenheit für Kooperationen. Das Netzwerk von 43 Orten im Alpenraum verfolgt das Ziel, einen natur- und kulturnahen Tourismus zu fördern und regionale Wertschöpfung zu stärken. Zugleich wollen sie die Gäste für ein respektvoller Umgang mit der lokalen Bevölkerung sensibilisieren und auf einen sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen aufmerksam machen.

Im Projekt Bergsteigerdörfer Schweiz 2024–2027 werden diese Handlungsfelder weiterentwickelt – in enger Zusammenarbeit mit lokalen Leistungsträger/-innen und der Bevölkerung. Wichtige touristische und bergsportnahe Impulse werden initiiert und bis zur Umsetzung begleitet; Partnerbetriebe werden in ihrer nachhaltigen Weiterentwicklung unterstützt und Kooperationen innerhalb der Dörfer werden gestärkt.

Anhand der Bergsteigerdörfer-Partnerbetriebe, welche auf Swisstainable Level II anerkannt sind, werden die Werte der Initiative aufgezeigt und konkrete Beispiele von Massnahmen und Projekten in den Handlungsfeldern Kooperation, Umweltsensibilisierung und Regionale Wertschöpfung aufgezeigt.

Isler, Julia1; Gilli, Mengina2; Gruber, Simone2

1Schweizer Alpen-Club SAC; 2ZHAW – Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen

Localiti ist eine digitale Plattform zur Förderung eines nachhaltigen, gemeinwohlorientierten Tourismus in ländlichen und alpinen Räumen. Ziel der Plattform ist es, touristische Wertschöpfung mit dem Schutz von Natur- und Kulturlandschaften zu verbinden, indem Besucher:innen über kuratierte Reiserouten gezielt gelenkt und für lokale Besonderheiten sensibilisiert werden. Die Routen werden in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen wie Gemeinden, Museen, Kulturvereinen oder lokalen Produzent:innen entwickelt und basieren auf regionalem Wissen sowie bestehenden Initiativen.

Zentraler Bestandteil von Localiti ist eine interaktive Kartenanwendung, die Points of Interest, historische Archive, Fotografien und narrativ aufbereitete Inhalte integriert. Dadurch entsteht ein niedrigschwelliger digitaler Zugang zu kulturellem Erbe und regionalen Geschichten, der sowohl Bildung als auch Bewusstseinsbildung fördert.

Ein Pilotprojekt im Verzasca-Tal verdeutlicht den Mehrwert des Ansatzes. Dort wurden fünf ethnografische Routen digitalisiert und iterativ gemeinsam mit einem Museum weiterentwickelt. Individuelle Logos, sorgfältig kuratierte Archivmaterialien und die Veröffentlichung auf einer einheitlichen Karte erhöhten die Sichtbarkeit des kulturellen Angebots und verbesserten die Nutzererfahrung. Insgesamt leistet Localiti einen Beitrag zu einer ausgewogenen Besucherlenkung, zur Stärkung regionaler Identität und zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung touristischer Räume.

Wyss, Romano2; Copiglia, Clara1

1Association Localiti; 2HES-SO Valais-Wallis

Following the increase of visitor numbers in recent years, many tourism destinations experience a higher utilization of local resources, such as landscapes and infrastructure. While this development brings economic opportunities, it entails the risk of overstressing both natural and socio-cultural resources, particularly in sensitive alpine environments. The implementation of sustainable management is frequently constrained by a lack of objective information to support decision making and by institutional regimes that inadequately balance conservation and use interests.

The interdisciplinary project STEPS integrates data-driven monitoring from computer science with institutional analysis of resource use in human geography focusing on Lauterbrunnen, Grindelwald and the Aletsch Arena Region as case studies. We analyze the interplay of visitor flows, resource systems, stakeholder constellations, and governing institutional regimes with the objective of identifying sustainability challenges and creating indicators to measure the development.This is supported through the advancements in digitalization and data availability by developing innovative methodologies for the fusion and analysis of heterogeneous data sources,

The comprehensive approach advances scientific understanding and actionable tools for stakeholders in Alpine tourism destinations, supporting digitally-enabled sustainable transformation in line with the needs of local communities, businesses and the environment.

Schmitt, Lilli1,2; Marggi, Fabrice1,3; Collalti, Dino1; Bandi, Monika1

1Tourism Research Unit, University of Bern; 2Institute of Geography, University of Bern; 3Institute of Computer Science, University of Bern

M11 – Artisanat, nutrition & culture du paysage

Landschaften sind Produkte gesellschaftlicher Praktiken. Sie entstehen durch Nutzung, Wahrnehmung und Erzählung. Das Institut für Kulturforschung Graubünden (ikg) erforscht Landschaften als kulturell geprägte Räume, in denen gesellschaftliche Aushandlungen sichtbar werden.

Am Stand des ikg präsentieren wir ausgewählte Publikationen und Forschungszugänge, die Landschaft als Beziehungsgeflecht zwischen Mensch, Raum und Geschichte lesbar machen. Anhand von Forschungen aus Graubünden – von alpinen Kulturlandschaften über Mobilitätsräume bis zu literarischen und medialen Landschaftsbildern – zeigen wir, wie sich Berg und Tal, Stadt und Land gegenseitig formen.

Der Stand versteht sich als offener Treffpunkt: zum Blättern in Büchern, zum Gespräch über Methoden und Perspektiven und zum Austausch darüber, wie kulturwissenschaftliche Forschung aktuelle Landschaftsfragen vertiefen und erweitern kann.

Delucchi, Rachele

Institut für Kulturforschung Graubünden

Wie lässt sich gefährdetes alpines Handwerkswissen digital zugänglich machen – offen, partizipativ und gemeinschaftlich erweiterbar? Im SNF-Projekt Commons der Alpen – Ein offenes Archiv für Handwerk, Tradition und Innovation https://data.snf.ch/grants/grant/10000223 entsteht ein Prototyp eines digitalen Archivs für handwerkliche Praktiken aus vier Bündner Naturpärken (Modellregionen). Gemeinsam mit Handwerker:innen, Institutionen und regionalen Wissensakteur:innen testen wir Werkzeuge, Datenmodelle und Formen der Mitgestaltung.

Am Marktplatz zeigen wir erste Beispiele aus den Bereichen Textil-, Holz-, Keramik- und Metallhandwerk u.a., veranschaulichen die Funktionsweise eines Design-Commons und diskutieren, wie digitale Wissensallmende regionale Wertschöpfung und kulturelle Nachhaltigkeit stärken können.

Gemeinsam mit dem Publikum möchten wir klären: Wie wird ein digitales Archiv lebendig? Wie aktivieren wir lokale Communities? Welche Offenheits- und Beteiligungsmodelle eignen sich für alpine Commons? Der Beitrag lädt zur Mitgestaltung eines zukunftsorientierten Handwerks-Commons ein.

Schranz, Christine; Elberskirch, Charleen

FHNW Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel

Der Anblick von nicht mehr genutzten, verfallenden Skianlagen, Zäunen, Hütten und ähnlichem ist im Schweizer Berggebiet keine Seltenheit.

Allein Skilift- und Seilbahnruinen gibt es schweizweit mehr als 55 Stück. Tendenz steigend, denn insbesondere in tiefen Lagen muss der intensive Wintertourismus angesichts abnehmender Schneesicherheit und zunehmenden Konkurrenzdrucks kapitulieren. Da bislang keine umfassende Übersicht darüber besteht, wo solche Überreste früherer Nutzung im Schweizer Berggebiet verbleiben, hat Mountain Wilderness eine partizipative Karte lanciert. Jede:r kann dort eigene Sichtungen solcher Objekte eintragen. So soll das Ausmass des Problems sichtbar gemacht und Druck aufgebaut werden, um eine Lösung auf politischer Ebene zu forcieren. Denn obschon z.B. bei Seilbahnen eine Rückbaufrist gesetzlich verankert ist, wird ein zeitnaher Rückbau aus verschiedenen Gründen oft nicht umgesetzt. Bei unseren Rückbauaktionen packen wir ausserdem selbst an und entfernen kleinere Bauten mithilfe von Freiwilligen.

Auf diese Weise wollen wir mehr Bewusstsein für den Wert von Wildnis und unverbauter Landschaft schaffen. Denn Rückbau bedeutet nicht nur, etwas zu entfernen, sondern schafft etwas Neues: Räume, die wieder weitgehend frei von Spuren menschlicher Nutzung sind. Gerade vor dem Hintergrund der fortschreitenden touristischen Erschliessung ist dies umso wichtiger.

Kern, Maren; Deubzer, Luisa

Mountain Wilderness Schweiz

Der Roggenanbau auf Ackerterrassen in Bergregionen erlebt derzeit einen Aufschwung. Aufgrund steiler Hänge, schmaler Zufahrten und begrenzter technischer Möglichkeiten ist die Ernte jedoch besonders herausfordernd. Klassische Erntemaschinen sind zu breit für den Einsatz auf den Terrassenflächen und nicht geeignet für steiles Gelände. Hier setzt das Interreg-Projekt CereAlp an, mit dem Ziel maschinelle Erntelösungen für die Getreideernte in Berggebieten zu entwickeln.

Neben der Freien Universität in Bozen und der Bürgergenossenschaft Obervinschgau sind die Vereine ‘Roggenkleinproduzenten im Oberwallis’ und ‘Erlebniswelt Roggen Erschmatt’ am Projekt beteiligt, welche bereits maschinelle Erntelösungen für Getreide auf den Ackerterrassen getestet haben. Bisher konnte keine zuverlässige und zufriedenstellende maschinelle Erntelösung gefunden werden. Die Projektpartner legen Wert auf die Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft und das CereAlp Projekt soll dazu beitragen, die Bewirtschaftung der traditionellen Ackerterrassen in Bergregionen wirtschaftlich rentabel und dadurch attraktiver zu machen.

Kernziel des Projekts ist die Konstruktion eines Mähdrescher-Prototyps, der an die besonderen Bedingungen der Ackerterrassen angepasst ist. Das Gerät vereint Mähen, Dreschen und Kornspeicher in einem modularen System. Der Prototyp basiert auf dem weit verbreiteten Metrac-Trägerfahrzeug und gemäss dem Retrofitansatz werden vorhandene Bauteile von bestehenden Maschinen verbaut.

Kuonen, Laura; Löffel, Nadia

Erlebniswelt Roggen Erschmatt

Die Gestalt der Kulturlandschaft und ihre Funktionen zur Sicherung der Biodiversität sowie als CO2-Senke ist stark abhängig von Managementstrategien der Landwirtschaftsbetriebe. Meist verstehen sich die Betriebe als Akteure des Marktes, welche auf die Nachfrage (nach Produkten & Direktzahlungen) reagieren. Einer Nachfrage nach Produkten von hoher Qualität in fairen marktbasierten Beziehungen nachzukommen, scheint für viele LandwirtInnen ein erstrebenswerter Weg. Diese Art der Nachfrage zu generieren, ist eine der Aufgaben des Modellvorhabens «FruchtBar».

Im Raum Luzern-Malters wird die Apfel-Nachfrage aufgebaut, indem der Getränkehersteller Komeo ein Bargetränk aus fermentiertem Apfelsaft entwickelt. Die LandwirtInnen in der Region können Obst für dieses Produkt liefern, wenn sie sich zu einer Entwicklung ihrer Obstproduktion in Richtung diversifizierter Agroforstsysteme verpflichten.

Fünf Betriebe dienen als Reallabore und übernehmen die Pionierarbeit. Weitere Betriebe werden über Gruppenberatungen angesprochen, sodass sich die Angebotsseite verbreitert. Der Prototyp des Getränks und das Narrativ zur sich entwickelnden Landschaft können am Landschaftskongress erlebt und besprochen werden.

Der Beitrag diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen konsequent regionaler und nachhaltiger Kreisläufe sowie ihre Wirkung auf die Landschaft. Die Frage der Restriktionen des Marktes hinsichtlich einer konsequent nachhaltigen Umsetzung können eruiert und für weitere Projekte genutzt werden.

Celio, Enrico1; Lecardonnel, Glen2; Burri, Astrid3

1incolab; 2Komeo AG; 3Bio Füür Zentralschwiiz

Il existe de nombreux sentiers didactiques dont beaucoup perdent leur attractivité dans le temps. Face à cette abondance et ce manque de durabilité, comment créer de parcours innovants dans des paysages à forte valeur patrimoniale, tels que les parcs naturels ?

Cette recherche Innotour s’appuie sur des critères d’évaluation existants et les enrichit par une approche participative : tables rondes et enquêtes auprès d’acteurs locaux et d’experts, analyse de la littérature et des bonnes pratiques. Cette démarche permet d’élaborer une définition commune des sentiers didactiques innovants et des critères spécifiques aux parcs naturels.

Ce projet propose deux outils complémentaires : une matrice d’évaluation pour mesurer le degré d’innovation des parcours ainsi que la méthode IDEFIX, processus structuré guidant pas à pas la conception du concept initial à la réalisation sur le terrain. Ensemble, ces outils offrent un cadre pour concevoir et évaluer des sentiers didactiques innovants et durables.

Cette approche a été testée sur le sentier pilote « Floraweg » à Erschmatt. Situé dans les champs de seigle, ce parcours consacré à la flore messicole intègre des dispositifs interactifs et ludiques. Ceci permet d’illustrer l’application de la méthode IDEFIX, de présenter la matrice d’évaluation et de partager les premiers retours de cette réalisation grandeur nature.

Adaptables à différents contextes paysagers, ces outils serviront de base à d’autres projets de valorisation territoriale.

Kuonen, Laura1; Roh, Lucienne1; Michaud, Sophie2

1Erlebniswelt Roggen Erschmatt; 2Naturpark Pfyn-Finges;

M12 – Art, culture & perception du paysage

Les supports fictionnels forment un matériau riche pour l’analyse des imaginaires sociaux dominants de la montagne. Ce poster mettra en avant les représentations des paysages alpins dans les albums de jeunesse, et plus précisément, les relations des personnages aux paysages alpins. Alors même que la montagne y est souvent mise en scène, cette littérature, se caractérisant par le dialogue entre texte et images, demeure peu étudiée, en comparaison d’autres récits et supports de représentation.

En suivant les analyses du géographe Christophe Meunier, on peut estimer que les enfants construisent avec les albums un premier imaginaire de la montagne. Dès lors, à quoi correspond cet imaginaire ? Quelle relation au paysage de montagne est majoritairement représentée et valorisée ?

A travers un corpus d’une vingtaine d’albums parus entre 2010 et 2020, l’objectif sera de montrer comment les auteurs et autrices nourrissent, renforcent ou battent en brèche certains archétypes et stéréotypes paysagers de la montagne alpine (à l’instar de la conquête des sommets, de l’aventure héroïque, de l’harmonie avec la « nature » par la contemplation ou du rejet de la ville).

Le poster montrera, par exemple, que des albums participent à déconstruire la vision strictement scopique, picturale et magnifiée du paysage. En cela, ils renouvellent la manière d’appréhender le paysage avec et pour les enfants, ouvrant une pluralité de perspectives sur le thème de l’habiter en milieu alpin.

Sallenave, Léa

Université de Genève, Suisse

Landschaften werden in den Köpfen von Menschen konstruiert und sind von unseren Erfahrungen und unserem Leben geprägt (Burckhardt 2006). Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachter verbringen viel Zeit in unterschiedlichen Landschaften: von alpinen Bergflanken bis zu Baustellen im Unterland. Vogelbeobachten kann dabei als Praxis verstanden werden, die durch gemeinsame Normen, Verständnisse und Objekte ständig (re)konstruiert wird. Erholung und Entspannung ist dabei eine grundlegende Motivation der Praxis.

Anhand eines Posters werde ich die Konstruktion der Praxis des Vogelbeobachtens darstellen und mit der Wahrnehmung von Landschaft verknüpfen. Dabei greife ich auf Beobachtungen und Aussagen aus Go-along-Interviews mit Vogelbeobachter*innen zu respektvollem Verhalten beim Vogelbeobachten zurück. Ich zeige auf, wie dieses Verhalten die Wahrnehmung und Bewertung von Landschaften verändert und die Mensch-Natur Beziehung positiv beeinflussen kann.

Zinnenlauf, Rafael

Universtität Zürich

Auf der Schatzalp oberhalb von Davos thront auf einer Geländestufe ein geschichtsträchtiges Hotel mitten in einem grossen Garten. Das Hotel ist im Jugendstil erbaut und war eine bedeutende Heilstätte, als europaweit die Tuberkulose wütete. Heute wird es als Slow Mountain-Hotel geführt und verwöhnt die Erholungssuchenden aus aller Welt nicht nur kulinarisch, sondern spricht durch den botanisch geführten Garten auch Geist und Sinne an. Von der Terrasse des Hotels aus bietet sich ein spektakulärer Ausblick ins Bergpanorama und der öffentlich zugängliche Garten steht dem Spektakel in nichts nach. Er umfasst etwa 3500 Arten und Sorten, unter anderem Wildpflanzen aus vielen Gebirgsregionen der Welt. Eine Besonderheit bildet die Sammlung der Gattung Edelweiss (Leontopodium) und auch jene der Enziane (Gentiana). Mit Führungen und Informationstafeln werden die Besuchenden in die Ökologie der gezeigten Pflanzen mitgenommen. In Zukunft widmet sich der Garten zudem der Förderung von National Prioritären Arten. In unmittelbarer Umgebung von Hotel und Garten sind orchideenreiche Trockenwiesen, welche einen Übergang vom gestalteten Alpinum in die von vielen Wanderwegen durchzogene Kultur- und Naturlandschaft bilden. Mit dieser Kombination aus gelebter Baukultur und botanischem Garten in alpiner Umgebung bietet die Schatzalp eine vielfältige Erlebnislandschaft, welche auch Leute erreicht, die sich sonst eher weniger auf Kultur und Natur im Gebirge einlassen würden.

Schneebeli, Martin1; Reppel, Fabian2; Bernardo, Paulo3

1Schneebeli Biodiversity Engineering, Davos Platz; 2Botanischer Garten Alpinum Schatzalp, Davos Platz; 3Berghotel Schatzalp AG, Davos Platz

Im Projekt Augmented Swiss Heritage (ASH) wurde in Zusammenarbeit mit dem Kirchner Museum und dem Heimatmuseum Davos eine innovative Augmented-Reality-(AR)-Anwendung für Gäste der Destination Davos entwickelt. Mit dieser App können Besucher das Davoser Kulturerbe auf immersive und partizipative Weise erleben. Das Projekt dient als Modell, das in der ganzen Schweiz von Tourismusorganisationen, Vereinen, Kunstgemeinschaften sowie Akteuren aus Kunst, Kultur und Archäologie als Angebotserweiterung eingesetzt werden kann.

Besonders touristische Sehenswürdigkeiten eignen sich hervorragend für eine Augmentierung. Durch digital unterstütztes Erzählen können ortsspezifische Ereignisse zum Leben erweckt werden. Oft verfallen Denkmäler dem Vergessen. Deshalb ist es unerlässlich, sich bewusst an die Bedeutung des Gedenkens zu erinnern und das kulturelle sowie historische Erbe zu bewahren und zu schützen, um die eigene Identität zu erhalten.

Der Inhalt der App orientiert sich an der Ausstellung „Europa auf Kur“ (2021), die die Entwicklung von Davos vom Bergdorf zur europäischen Stadt nachzeichnet. Viele Sehenswürdigkeiten enthalten zudem Darstellungen von Alpen und Bergen in Literatur und Malerei.

Nutzer können auf ihrer Tour durch die Davoser Landschaft zwischen den Routen „Flüela“, „Wildbodenhaus“, „Schatzalpbahn“ und „Promenade“ wählen. Insgesamt umfassen die vier Routen 38 Sehenswürdigkeiten, die das kulturelle Erbe der Region erlebbar machen.

Ganz, Nadine; Bosiers, Simonne

Fachhochschule Graubünden

Die Garten Hotels Schweiz starten mit Unterstützung von Innotour und in enger Kooperation mit der Stiftung Schweizerische Triennale der Skulptur (Bad Ragartz) ein innovatives Projekt im Kulturtourismus. Ab Frühling 2026 werden erste zeitgenössische Werke nationaler Künstlerinnen und Künstler in den Gärten der Garten Hotels Schweiz ausgestellt – als dezentrale Freiluftgalerien, die Kunst, Gärten und Gastfreundschaft auf neue Weise verbindet.

Die erste Edition der «Art Garten Hotels» soll bereits im Frühjahr 2026 stattfinden. Im Pilotjahr ist geplant, an allen Standorten der Garten Hotels erste Werke renommierter Künstlerinnen und Künstler zu präsentieren. Die Gärten werden dabei durch entsprechende Angebote und Veranstaltungen im Kontext der Kunstwerke als offene Freiräume für Kunst erlebbar. Die Ausstellung richtet sich sowohl an Hotelgäste als auch an die interessierte Öffentlichkeit und lädt dazu ein, Kunst im Alltag zu begegnen, eingebettet in Gartenkultur und Gastlichkeit. Ab 2027 wird die Ausstellung jährlich weiterentwickelt und um neue künstlerische Beiträge ergänzt.

«Mit den Art Garten Hotels entsteht eine neue Form des Kulturtourismus: zeitgenössische Kunst bereichert die Hotelgärten unserer Mitglieder und verwandelt sie in Orte der Begegnung, der Vielfalt und der Inspiration.» Luca Norato, Präsident Verein Garten Hotels Schweiz

Weidmann, Fabian; Norato, Luca

Garten Hotels Schweiz

Die Garten Hotels sind ein Zusammenschluss von derzeit 19 unabhängigen Schweizer Hotels, die eines gemeinsam haben: einen besonderen Garten. Ob blühend und gepflegt, wild und naturnah oder mit liebevollen Details gestaltet. Die Gärten prägen das Erlebnis der Gäste und machen jedes Haus unverwechselbar. Sie laden zum Verweilen, Entdecken und Durchatmen ein.

Mit dem Projekt Art Garten Hotels werden diese Gärten zu offenen Räumen für Kunst, zugänglich für Gäste, Einheimische und spontane Besucher gleichermassen.

Die Garten Hotels Schweiz starten mit Unterstützung von Innotour und in enger Kooperation mit der Stiftung Schweizerische Triennale der Skulptur (Bad Ragartz) ein innovatives Projekt im Kulturtourismus. Ab Frühling 2026 werden erste zeitgenössische Werke nationaler Künstlerinnen und Künstler in den Gärten der Garten Hotels Schweiz ausgestellt – als dezentrale Freiluftgalerien, die Kunst, Gärten und Gastfreundschaft auf neue Weise verbindet.

Weidmann, Fabian; Norato, Luca

Garten Hotels Schweiz

Vendredi 4 septembre 2026

08:30

Mot de bienvenue pour la deuxième journée

08:40

Trois interventions et discussion sur l’avenir du tourisme, du développement régional et du paysage sous différents angles

Une analyse des liens entre paysage, tourisme et développement régional d’un point de vue scientifique. Présentation des évolutions actuelles et des modèles d’avenir qui pourraient en résulter.
Le paysage suisse n’est pas seulement un décor : il constitue l’atout principal de la Suisse en matière de tourisme. Pourtant, son potentiel économique est sous-estimé à ce jour. Cet exposé démontre que la nature et le paysage sont la principale raison pour laquelle les touristes choisissent la Suisse. Cependant, la valeur ajoutée ne se crée véritablement que là où le paysage est systématiquement traduit en offres attractives et commercialisables. Parallèlement, le tourisme se trouve à un carrefour déterminant. La tendance mondiale à privilégier des expériences de voyage proches de la nature et porteuses de sens, notamment dans le domaine de l’écotourisme, est en plein essor. Avec ses parcs et ses paysages, la Suisse dispose de ressources de première qualité, mais elle ne les exploite pas suffisamment : les offres sont souvent trop peu axées sur les touristes, pas assez riches en expériences et à peine orientées vers de nouveaux groupes cibles, comme les éco-voyageurs ou le tourisme du marché naturel haut de gamme. En hiver également, le potentiel au-delà du tourisme de ski classique reste largement inexploité. Un obstacle majeur réside dans la collaboration insuffisante entre le secteur du tourisme et la gouvernance du paysage : des approches divergentes, un réseau peu développé et des méfiances réciproques entravent le progrès. Le message est clair : l’opportunité que représente le paysage est bien réelle et ne cesse de croître. Ceux qui souhaitent en tirer profit doivent agir dès maintenant en améliorant la collaboration, en adoptant une approche centrée sur la clientèle et en proposant des offres qui préservent la qualité du paysage, mais qui la transforment également en valeur ajoutée.
Dans le Mendrisiotto, la région la plus méridionale de la Suisse, l’Albergo Diffuso Monte Generoso a été créé pour transformer la dispersion de l’offre touristique en une valorisation intégrée du paysage et du patrimoine culturel. Lancé en 2017, ce projet s’inscrit dans un vaste processus de régénération territoriale qui considère le paysage et le patrimoine du bâti comme des ressources stratégiques pour un développement durable. La reconversion de bâtiments historiques permet de revitaliser les villages et hameaux du Monte Generoso, tout en les reliant au sein d’un système d’hébergement décentralisé qui permet de découvrir l’authenticité des communautés locales. Le paysage devient alors une expérience centrale, tandis que le patrimoine bâti se transforme en infrastructure culturelle et touristique. Une gestion centralisée et coordonnée prend en charge les réservations, la commercialisation et le respect des normes de qualité, tout en préservant l’autonomie de chaque établissement. Elle permet de créer des synergies, d’utiliser les ressources de manière plus efficace et d’explorer de nouvelles perspectives économiques. L’Albergo Diffuso Monte Generoso est un exemple typique de structure dans laquelle la convivialité, la durabilité et la coopération contribuent à renforcer le paysage, le patrimoine culturel, ainsi que le réseau social et économique régional sur le long terme.
Paesaggio e patrimonio culturale come motori di rigenerazione: l’Albergo Diffuso Monte Generoso

Nel Mendrisiotto, la regione più meridionale della Svizzera, l’Albergo Diffuso Monte Generoso nasce per trasformare la frammentazione dell’offerta turistica in una leva di valorizzazione integrata del paesaggio e del patrimonio culturale. Avviato nel 2017, il progetto si inserisce in un processo di rigenerazione territoriale che riconosce in questi elementi non solo identità, ma risorse strategiche per uno sviluppo sostenibile. Attraverso il recupero di edifici storici, il progetto restituisce vita a nuclei e borghi del Monte Generoso, creando un sistema di ospitalità diffusa che riflette l’autenticità delle comunità locali. Il paesaggio diventa esperienza e il patrimonio costruito si trasforma in infrastruttura culturale e turistica. Il modello si fonda su una gestione centralizzata coordinata, che integra prenotazioni, promozione e standard qualitativi, mantenendo al contempo l’identità delle singole strutture. Questo approccio favorisce sinergie, ottimizzazione delle risorse e nuove opportunità economiche. L’Albergo Diffuso Monte Generoso rappresenta oggi un modello virtuoso in cui ospitalità, sostenibilità e collaborazione contribuiscono alla tutela e valorizzazione del paesaggio e del patrimonio culturale, rafforzando il tessuto sociale ed economico locale.

09:45

Pause café et changement de salle

10:15

P7 – Changement social dans et avec le paysage

Was hat das grossangelegte Bergahorn-Förderprojekt im Prättigau mit den Bemühungen zum Erhalt der Hochstammobstbäume im Unterland gemein? Warum ist es so wichtig, dass die Landschaft nicht nur als mechanistische Grösse mit messbaren Parametern sondern auch als etwas Unverwechselbares, kulturell Mitgeformtes begriffen wird? Was bedeutet es generell für Landschaftsprojekte, wenn sich die Akteur:innen vor Ort in gewissem Sinne von ihrer eigenen Landschaft entfremdet haben? Und was heisst überhaupt landschaftliche Entfremdung? Lässt sich dem entgegenwirken?

Der Beitrag stellt u.a. anhand der erwähnten Beispiele den traditionell-kollektiven Umgang mit der Landschaft der heutigen individualistischen und doch uniformen Landschaftsgestaltung gegenüber. Es wird die These aufgestellt, dass unsere Landschaften der Zukunft auch eine ethische Komponente benötigen, die auf identitätsstiftende Wirkung setzt. Eine solche sollte nicht nur in geschützten Dorfkernen gepflegt werden sondern ganze Landschaften umspannen.

Die Gedankengänge zu diesem Beitrag resultieren aus einer langjährigen Praxis an der Schnittstelle zwischen Landschaftsberatung und -schutz sowie konkreten Umsetzungsprojekten mit Betroffenen und der Bevölkerung. Fachlich inspiriert sind sie einerseits aus der geografischen Landschafts(qualitäts-)forschung und greifen andererseits auch auf ethnologische Konzepte zurück.

Waldner, Regula

oekoskop AG

The idea of an in-depth research study on Crans Montana (Valais-Wallis, CH), I conducted in 2023, stems from the desire to contribute to the deconstruction of the imaginary that characterises climatic migrations.

The worsening global climatic conditions – in the European case, particularly those affecting large urban areas, plains and valley floors – can represent a push factor with increasing cogency: is it possible that wealthier people – having the resources to do so – increasingly consider to move to live and work in the highlands of the Alps. And that the mountains – particularly the renowned, accessible and highly infrastructured ones – become increasingly attractive, no longer just as a space for leisure, but also as a refuge from heat waves, a ‘buen retiro’ for smart working, a ‘second city’ for the whole family, in which to transfer the urban way of life.

In the wave of a broader tendency towards forms of socio-spatial separateness, already analysed in the sociological literature (the gated communities), climate change can therefore push towards new forms of class and territorial self-segregation in the context of processes of « Alpine gentrification ». A peculiar form of « right distance » from the cities, placed vertically, to the benefit of the groups that put it into practice and whose broader implications – in terms, first and foremost, of the exclusion of a large part of the community from access to these resources – are still largely to be investigated.

Membretti, Andrea

Université de la Vallée d’Aoste, Italie

Le tourisme dans les Alpes repose sur la présence de travailleur·ses saisonnier·ières. Mais leur voix est souvent minoritaire dans la manière de penser le paysage touristique alpin. Certain·es saisonnier·ières habitent des camions aménagés par choix de vie ou par nécessité économique, en raison de l’absence de logements adaptés et mis à disposition par les acteurs publics. La montée en gamme des stations, qui se traduit dans le paysage par la construction de chalets luxueux vendus aux résident·es secondaires, et le manque d’offre du secteur locatif, les pénalisent directement. Elles et ils sont parfois relégué·es dans des espaces périphériques ou à risque des stations. Parfois, leur mode de vie est attaqué avec un argument paysager : elles et ils gâcheraient le paysage avec leur habitat mobile, alors que les campings car des touristes ou les vans de vanlifers privilégiés semblent moins contrevenir aux idéaux paysagers du tourisme de montagne. Nous souhaiterions présenter un programme de recherche dans les Alpes, entre France et Suisse, en soulignant les difficultés des divers acteurs et habitant·es (permanent·es, secondaires, saisonnier·ières) à dialoguer autour du travail, du logement et de l’accès à l’espace public. Le paysage se fait moteur d’attractivité d’une pluralité d’individus et aussi levier pour mettre à distance des acteurs estimés peu désirables bien qu’essentiels, mais aussi outil de dialogue auquel notre programme vise à contribuer directement.

Sallenave, Léa2; Oiry Varacca, Mari1

1Université Gustave Eiffel, France; 2Université de Genève

Das italienischsprachige Südtal Bergell ist seit Generationen von herausragenden Künstlerfamilien geprägt, allen voran den international bekannten Giacomettis. Biografische Forschungen zeigen, dass Kinder innerhalb dieser Dynastie schon früh und intensiv künstlerisch gefördert wurden – eine bemerkenswerte Ausnahme in einer Zeit, in der das Bergell überwiegend landwirtschaftlich geprägt war. Dieses immaterielle Erbe prägt das Tal bis heute und bildet die Grundlage seiner Identität als «Tal der Künstler:innen». Zugleich steht das Bergell exemplarisch für die Ambivalenz alpiner Räume, die in Kunst, Literatur und Film als Projektionsflächen für Bedrohung, Idylle, Abenteuer und Freiheit fungieren. Diese kulturelle Aufladung erklärt, weshalb die Region nicht nur künstlerisch, sondern auch touristisch – etwa durch Bregaglia Engadin Turismo und Veranstaltungen wie «ARTipasto» – einen starken Kunstfokus verfolgt.

Vor diesem Hintergrund überrascht jedoch, dass im Tal lange kein Ort existierte, an dem Einheimische, Gäste und insbesondere Kinder und Jugendliche selbst künstlerisch tätig werden konnten. Die im Oktober 2023 eröffnete Malschule «Panaläda» des Bergeller Künstlers Romano Giovanoli schliesst diese Lücke und macht das Giacometti-Erbe als zeitgemässen Impuls für Jugendförderung erfahrbar. Unterstützt durch Tourismus, Gemeinde und das ehemalige Bregaglia Lab der FH Graubünden stärkt die Schule die kulturelle Bildung vor Ort und setzt neue Impulse für die regionale Entwicklung.

Das Giacometti-Erbe als Impuls für die Jugendförderung im Bergell

Gotsch, Mauro; Rageth, Onna

Fachhochschule Graubünden

P8 – Les paysages énergétiques en cours de négociation

Energiedebatten über alpine Photovoltaik-Freiflächenanlagen verlaufen oft zwischen verhärteten Fronten. Verschiedene Akteur:innen sprechen aneinander vorbei – nicht zuletzt, weil der zentrale Begriff «Landschaft» für sehr Unterschiedliches steht. Während der Landschaftsschutz Schönheit, Natur und Biodiversität verbindet und dabei oft das Bild eines «unberührten» Raums evoziert, ist die alpine Landschaft tatsächlich über Jahrtausende durch menschliche Bewirtschaftung geprägt worden. Alpine Freiflächenanlagen sind ein Game-Changer: Sie ermöglichen eine effiziente Lösung des Winterlückenproblems und erhöhen die Versorgungssicherheit. Gleichzeitig verändern sie die Landschaft sichtbar – ähnlich wie im letzten Jahrhundert die Wasserkraft. Aushandlungsprozesse werden selten rein rational getroffen. Emotionen sind entscheidend dafür, dass Argumente überhaupt Aufmerksamkeit wecken. Sachliche Aspekte liefern Glaubwürdigkeit, wirken aber nur mit emotionalem Bestandteil. Erfolgreich kommunizieren kann, wer das Gewicht sachlicher versus emotionaler Anteile abzuschätzen vermag. Die in diesem Projekt entwickelte Debattenlandkarte zeichnet die Argumentationslinien der Diskussionen zu alpinen PV-Freiflächenanlagen nach. Sie gibt Denkanstösse, wie alpine PV-Freiflächenanlagen aus unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen werden und wie konstruktive Kommunikation mit verschiedenen Interessengruppen gelingen kann.

Müller, Urs

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Gesellschaftliche Disruptionen wie der Ukrainekrieg, steigende Strompreise und klimatische Extremereignisse haben die Debatte um erneuerbare Energieinfrastrukturen (REI) intensiviert. Dennoch zeigen Arbeiten zum Landscape-Technology Fit (LTF) (Salak & Hunziker 2025), dass grundlegende landschaftsbezogene Präferenzen trotz solcher Ereignisse weitgehend stabil bleiben. Dennoch stellt sich die Frage, ob gezielte Interventionen mittels Informationen oder Visualisierungsstilen die Einstellungen zu verändern vermögen. In einem visuellen Discrete-Choice-Experiment wurden 1937 repräsentative ausgewählte Bewohner:innen der Schweiz variierenden Bild- und Textformaten ausgesetzt, um Antworten auf diese Frage zu finden.

Die Ergebnisse zeigen keinen substanziellen Einfluss der Interventionen auf die Präferenzen. Energieanlagen werden weiterhin in wenig menschlich beeinflussten Alpenlandschaften abgelehnt und in siedlungs- und tourismusgeprägte Landschaften eher akzeptiert. Auch generelle Trends wie die Akzeptanz moderater PV sowie die Ablehnung von Windinfrastrukturen und Stromleitungen bleiben konstant. Dies zeigt, dass moderate kommunikative Interventionen keine tiefgreifenden Verschiebungen bewirken, sondern Präferenzmuster in der Bevölkerung allenfalls akzentuieren, ohne sie entscheidend zu verändern. Diese Persistenz unterstreicht die hohe Stabilität landschaftsbezogener Bewertungen und verweist auf die Relevanz des LTF als Ausdruck langfristig verankerter Mensch–Umwelt-Beziehungen.

Salak, Boris1; Hunziker, Marcel2

1Technische Universität Wien, Österreich; 2WSL

Public participation in local renewable energy planning in Europe usually takes place at a late stage and is rarely integrated into strategic needs assessment. It is often limited to one-way information aimed at legitimizing predefined projects or sites, rather than enabling deliberation on alternative spatial and energy development pathways. This project addresses this gap by examining early-stage participatory visioning as a strategic planning approach to support the regional energy transition.

The study introduces and empirically evaluates a participatory visioning approach grounded in social learning that opens discussions on spatial and energy development in a holistic and forward-looking manner. Using a field-experimental intervention research design, the approach is tested in two Swiss regions. Repeated qualitative and quantitative measurements and process observation are applied within an A–B–A design (pre-measurement – intervention – post-measurement) to assess changes in participants’ attitudes, understanding, and engagement.

The visioning process enables participants to collaboratively explore long-term regional energy futures beyond individual projects. Results indicate that early participatory visioning fosters shared spatial understanding, supports social learning, and increases acceptance of renewable energy development by shifting discussions from project-specific conflicts to a future vision of the region.

Vrhovac, Božana

WSL

Der Diskurs um geplante Energieinfrastrukturprojekte im Alpenraum und Vorhaben zur Gestaltung von alpiner Energiekulturlandschaften zeigt, dass für die dialogische Auseinandersetzung mit den diversen Dimensionen dieser Projekte oftmals das geeignete Vokabular fehlt. Um diese Hemmnisse abzubauen, braucht es ein praxisorientiertes Argumentarium, das einen produktiven Diskursraum eröffnet. Dieses Projekt nutzt das konkrete Fallbeispiel Pontresina und untersucht Fragen kultureller Identität, involvierter Akteur:innen und deren unterschiedliche Blickwinkel. Pontresina bietet dabei eine besondere Konstellation: Die Gemeinde liegt im Überschneidungsbereich zweier Schutzgebiete – BLN und UNESCO-Welterbe. Solche Überlagerungen sind selten, machen jedoch die Auseinandersetzung mit spezifischen Anforderungen und Entscheidungsprozessen umso relevanter. Sie offenbaren systemische Schwierigkeiten, insbesondere bei Infrastruktur-Erneuerungen und deren kultureller Einbettung. Das Projekt begleitete diese komplexen Prozesse mit geisteswissenschaftlicher Expertise und entwickelte methodische Ansätze, die helfen, unterschiedliche Positionen sichtbar zu machen und in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Der Beitrag präsentiert zentrale Erkenntnisse aus dieser Prozessbegleitung.

Studer-Kovacs, Veronika; Previšić, Boris

Urner Institut Kulturen der Alpen

P9– Loisirs et santé dans le paysage

Le domaine de la santé et celui du paysage sont étroitement liés. La qualité du paysage contribue au bien-être et à la santé tant physique que mentale, ainsi que sociale, conformément aux trois dimensions de la santé, telle que définie par l’OMS. En miroir, la dégradation, l’appauvrissement et l’uniformisation du paysage nuisent au bien-être et à la santé. Le 26.02.2025, le Comité des Ministres du Conseil de l’Europe a adopté une Recommandation sur la contribution du paysage à la santé. Renforcer les qualités paysagères peut ainsi être considéré comme une mesure de santé publique. Cette reconnaissance politique de l’enjeu est une première étape importante mais elle doit être suivie par des démarches de mise en œuvre. Plusieurs initiatives à travers le continent européen concourent à la mise en œuvre de cette vision.

Rudaz, Gilles

BAFU

Landschaften sind komplexe sozio-ökologische Räume, in denen physische, soziale und wahrnehmungsbezogene Dimensionen zusammenwirken und durch ihre Erholungs-, Freizeit- und Interaktionsfunktionen zur mentalen Gesundheit beitragen. Während sich die Landschaftsforschung bislang überwiegend auf ästhetische und erholungsbezogene Qualitäten konzentriert hat, wurde der Einfluss beruflicher Mensch-Landschaft-Beziehungen – etwa von Land- und Forstwirt:innen – auf das psychische Wohlbefinden bislang nur unzureichend untersucht. Für diese Akteur:innen sind Landschaften keine primären Erholungsräume, sondern Orte kontinuierlicher Interaktion, geprägt durch Arbeitsanforderungen, ökologische Unsicherheiten und soziale Aushandlungsprozesse.

Die Studie untersucht, wie unterschiedliche Formen der Landschaftsbeziehung in peri-urbanen Räumen das psychische Wohlbefinden beeinflussen und inwiefern Nutzungskonflikte zwischen beruflich und freizeitbezogen mit Landschaften verbundenen Akteur:innen entstehen. Methodisch basiert die Untersuchung auf einer explorativen qualitativen Inhaltsanalyse leitfadengestützter Interviews mit Personen, die im Metropolitanraum Zürich beruflich mit Landschaften interagieren. Die Ergebnisse sollen Impulse für Landschaftspolitik, Forschung und Praxis liefern und zu einer inklusiveren Planung sowie zu umweltbezogenen Strategien beitragen, die vielfältige Landschaftsbeziehungen anerkennen und das psychische Wohlbefinden im Alltag fördern.

Garcia-Martin, Maria; Bauer, Nicole

WSL

Der Kur- und Gesundheitstourismus in Davos hat eine lange Tradition. Anhand dieses historischen Hintergrunds zeigt das Referat, welche gesundheitsfördernden Eigenschaften Berglandschaften auszeichnen und ob sich diese Wirkungen auf das Mittelland übertragen lassen. Im Fokus stehen naturgestützte Interventionen wie Waldbaden, Waldcoaching, Waldtherapie und Landschaftstherapie, deren Verbreitung in den letzten Jahren stark zugenommen hat.

Auf Grundlage des bio-psycho-sozio-ökologischen Menschenbildes wird erläutert, wie Landschaften sowohl körperliche als auch psychische und soziale Gesundheit fördern können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der wechselseitigen Beziehung zwischen Biodiversität und Mensch. Studien belegen, dass insbesondere naturnahe Landschaften Stress deutlich reduzieren, etwa durch nachweisbare Effekte auf Herzfrequenz und Hirnaktivität sowie durch subjektive Stresswahrnehmung (u. a. im Projekt «Therapeutische Landschaften der Schweiz», BAFU, ZHAW).

Der Vortrag erläutert zudem Merkmale mit Relevanz für gesundheitsfördernde Wälder (Bachinger et al., 2025). Daraus ergeben sich neue Perspektiven für das Landschaftsmanagement sowie konkrete Ansätze für Forstwirtschaftstriebe. Abschliessend werden Nutzen, Grenzen, Chancen und Risiken naturbasierter Gesundheitsangebote diskutiert – mit Blick auf nachhaltige Landschaftsentwicklung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.

Föhn, Martina1; Fretz, Marlene2

1Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften; 2Schweizerische Gesellschaft Naturtherapie und Waldbaden

Menschen in urbanisierten Gesellschaften verbringen häufig Zeit im Grünen, um sich zu erholen. Der Zugang zu Grünräumen ist besonders in dicht besiedelten Gebieten jedoch oft eingeschränkt, und häufig erhöhtem Lärm ausgesetzt, einem wichtigen Umweltstressor.

Das RESTORE Projekt zu Erholung in lärmbelasteten urbanen Gebieten (SNF Sinergia Projekt) analysierte die Erholungseignung unterschiedlicher Erholungsräume (z.B.Wälder, Grünanlagen) und das Erholungsverhalten der Bevölkerung. Aus Feldexperimenten ging hervor, dass Strassenverkehrslärm, selbst bei relativ geringen Pegeln ein Hindernis für die Erholung und subjektive Stressbewältigung darstellt.

Das BAFU-Projekt “Hören und Stören” hat erforscht, welchen Einfluss visuelle Merkmale (wie z.B. Bäume, Strassen) und akustische Merkmale (Geräusche von Fröschen, Baustellen usw.) auf die Erholung haben. Es hat sich gezeigt, dass eine Verbesserung nicht nur der akustischen Qualität, beispielsweise durch Massnahmen, welche auf eine Verbesserung der Klangqualität abzielen, sondern auch eine Aufwertung der visuellen Qualität der Landschaft deren Erholsamkeit verbessern kann.

Aus beiden Projekten ergaben sich – basierend auf Vor-Ort Befragungen in Erholungsräumen sowie Befragungen der Bevölkerung zu ihrem Erholungsverhalten als auch Experimenten im Labor – Folgerungen zur Grösse von Erholungsorten in besiedelten Gebieten sowie konkrete Vorschläge zur Gestaltung von Erholungsorten, die im Vortrag genauer ausgeführt werden.

Bauer, Nicole1; Schaupp, Julia1; Garcia-Martin, Maria1; Kolecka, Natalia1; Tobias, Silvia1; Schaeffer, Beat2; Kawai, Claudia2; Dopico, Javier2; Wunderli, Jean-Marc2; Allemann, Carmen1; Wartmann, Flurina3

1WSL; 2EMPA; 3University of Aberdeen

P10 – Concevoir un paysage résilient au changement climatique

Der Beitrag zeigt, vor welchen Herausforderungen eine klimaresiliente Landschaftsentwicklung in Armenien steht und wie diese Herausforderungen bewältigt werden können. Hintergrund für diesen Beitrag ist das von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit finanzierte Projekt Forest Restoration and Climate Change in Armenia FORACCA, das in verschiedenen Bereichen versucht, eine klimaresiliente Entwicklung zu unterstützen. Dabei geht es zum einen um neue Landnutzungsformen wie Agroforstwirtschaft, Aufforstungen, Wasserspeicher und Bewässerung. Zum anderen geht es um die Entwicklung und Vermittlung von neuem Wissen (z.B. regionalisierte Klimaszenarien, lokale Klimafolgenprofile). Das Projekt arbeitet transdisziplinär, inklusiv und sektorübergreifend und geht dabei von den lokalen Bedürfnissen in Gemeinden und staatlichen Behörden aus. Daher gehören zu den Arbeitsformaten im Projekt u.a. partizipative Workshops in Gemeinden zur Entwicklung und Umsetzung von Klimaanpassungsmassnahmen, die Entwicklung von Fortbildungsmaterial für die E-Learning-Plattform des Ministeriums für territoriale Administration und Infrastruktur oder Trainings zur Klimamodellierung für Mitarbeitende des nationalen meteorologischen Dienstes. All das erfolgt in enger Zusammenarbeit mit unseren Projektpartnern (u.a. armenische NGOs) und wird mit anderen internationalen Entwicklungsorganisationen vor Ort abgestimmt.

Pütz, Marco; Braunschweiger, Dominik

WSL

Das FORACCA (Forest Restoration and Climate Change in Armenia) Projekt unterstützt armenische NGOs und staatliche Organisationen mit wissenschaftlich fundierten Empfehlungen zu Aufforstung, naturnaher Waldpflege und den Auswirkungen des Klimawandels. Im Bereich Waldmanagement möchte das transdisziplinäre Projekt Anpassungen und Handlungsoptionen im Hinblick auf den Klimawandel konkretisieren. Dabei stehen Erkenntnisse über Waldleistungen, erfolgreiche Aufforstung und naturnahe Waldbewirtschaftung im Fokus.

Die Wälder Armeniens verlieren seit der Besiedelung durch den Menschen stetig an Fläche. Trotz jüngster Bemühungen, steht die Wiederaufforstung vor schwerwiegenden Herausforderungen: Institutionelle Schwierigkeiten, fehlende Ressourcen in ländlichen Gegenden und herausfordernde ökologische Konditionen, welche verstärkt werden durch den stetig zunehmenden Einfluss des Klimawandels. Entsprechend, könnte es in Zukunft häufiger zu Dürre und Hitzeperioden, in einem schon warmen und trockenen Armenien kommen. Um langfristig nachhaltig Forst- und Landwirtschaft betreiben zu können, sind landschaftliche Anpassungen sowie strukturelle Änderungen nötig.

In diesem Vortrag teilen wir erste Einblicke in spezifische Waldleistungen, Aufforstungserfolge an extremen Standorten und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den armenischen Partnern.

Kühnhanss, Tobias; Streit, Kathrin

WSL

Die zunehmenden Abhängigkeiten zwischen Siedlungs- und Landschaftsraum sowie klimabedingte Belastungen verstärken räumliche und soziale Spannungen in Schweizer Metropolitanregionen. Hitzebelastung in Städten erhöht den Ausweichdruck auf stadtnahe Landschaften, während zentrale Bevölkerungsgruppen – insbesondere Jugendliche und ältere Menschen – in Landschaftsdialogen kaum vertreten sind. Das Forschungsprojekt untersucht in den Grossräumen Genf und Zürich, wie kartenbasierte Bevölkerungsumfragen als dialogorientiertes Instrument genutzt werden können, um Wahrnehmungen, Aktivitäten und gesundheitliche Bedürfnisse sichtbar zu machen und Ausschlussmechanismen in Planungsprozessen aufzudecken.

Die Fallstudie Genf zeigt, dass besonders Gewässerräume wie das renaturierte Vallon de l’Aire starkem Nutzungsdruck unterliegen. Die Konkurrenz zwischen Erholung, Landwirtschaft und Naturschutz verdeutlicht die enge Verflechtung von ökologischen Schutzansprüchen, Gesundheit sowie Bewegungs- und Sozialräumen. Gleichzeitig verschärfen unklare Zugänge und mangelhafte Kommunikation bestehende Konflikte. Erreichbarkeit wirkt dabei als zentraler Nutzungstreiber; sozial benachteiligte Quartiere mit geringer Freiraumversorgung sind besonders belastet – ein Hinweis auf Umweltungerechtigkeiten.

Die Studie zeigt die Relevanz empirischer Nutzungsdaten für klimaadaptive, gesundheitsorientierte Landschaftsentwicklung und für einen inklusiven Dialog zwischen Siedlungs- und Naturraum.

Herdt, Tanja; Livia, Lutz; Zwicky, Roman; Bleibler, Manuel

Fachhochschule OST

Wie kann der Strassenraum wirtlicher werden? Dies auch in Anbetracht des bevorstehenden Klimawandels? Mit dem neuen Artikel zum Klimaschutz in der Gemeindeordnung, welcher von der Bevölkerung 2020 beschlossen wurde, hat sich die Stadt verpflichtet, geeignete Massnahmen zu treffen und den negativen Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken. Wir erarbeiteten hierfür das Strassen-baumkonzept, welches im vergangenen Frühjahr vom Stadtrat veröffentlicht wurde. Es dient als langfristige Strategie der Strassenraumgestaltung.

Stärkung oder Ausformulierung von Identität und Orientierung sind wesentlicher Bestandteil des Konzepts. In Abhängigkeit der Quartierscharakteren wurden unterschiedliche Strategien zur Baumpflanzung und Ausbildung der Baumstreifen vorgeschlagen. Die Biodiversität wird mit den Strassenbäumen gefördert. Ein Bepflanzungstyp, welcher in den Strassenräumen vorgesehen ist, dient ausschliesslich der ökologischen Vernetzung von Wildtieren. Diese führen von umgebenden Heckenstrukturen durch das Siedlungsgebiet hindurch.

An der Umsetzbarkeit des Konzepts wurde intensiv gearbeitet, da dies entscheidend für deren Realisierung ist. Viele verschiedene Anforderungen und Interessen sind an einen Strassenraum vorhanden, die sich häufig widersprechen. Der Platz für die Massnahmen ist jedoch beschränkt. Konflikte wurden auf-gezeigt, Prioritäten benannt, Zielwerte für die Kronenbedeckung der Strassenparzellen formuliert und Beurteilungskriterien für Variantenentscheide entwickelt.

Nyffenegger, Brigitte; Wiedersheim, Nicole

Umland – Gestaltung städtischer und ländlicher Freiräume

P11 – Le paysage comme processus – Le paysage en mutation

Die sich verändernden klimatischen Bedingungen haben einen tiefgreifenden Einfluss auf den Wasserhaushalt der Schweiz. Höhere Lufttemperaturen und eine Verschiebung der saisonalen Niederschläge führen zu einer Häufung der Verstärkung hydraulischer Aplituden. Beide Extreme, Trockenheit und Überschwemmung, werden häufiger. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie eine Landschaft der Zukunft, welche auf diese neuen Konditionen reagiert, aussehen kann. Wie gestalten wir die Schweizer Landschaft, welche auf den statischen Infrastrukturen der vergangenen 200 Jahre aufbaut, aber die zunehmenden Amplituden aufnehmen, abschwächen und neu verteilen kann? Zu diesem Thema forscht der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur von Martina Voser an der ETH Zürich. Es werden Entwurfsmethoden entwickelt, welche es ermöglichen, die Landschaft vermehrt als dynamische Entität zu erfassen um räumliche Lösungen vorzuschlagen, welche über die Zeit auf die natürlichen Dynamiken eingehen können und sowohl den Schutz vor Naturgefahren erhöhen können als auch einen Beitrag zur Biodiversität leisten können und sozio-ökonomischen Wert haben und so zu einem vielleicht neuen Bild der Landschaft beitragen können.

Häusler, Dennis; Voster, Martina

Institut für Landschaft und urbane Studien, ETH Zürich

Die Schweiz ist mit ihren Alpen und ihrem Unterland, ländlichen und urbanen Räumen durch eine ausgeprägte landschaftliche Vielfalt gekennzeichnet. Der Schutz und die gezielte Förderung dieser Diversität bilden einen zentralen Bestandteil nationaler Strategien in Umwelt-, Raumplanungs- und Landschaftspolitik. Bestehende Instrumente leisten dazu einen wichtigen Beitrag, sind für die systematische schweizweite und räumlich explizite Erfassung charakteristischer Landschaften jedoch unzureichend.

Im Rahmen dieses vom BAFU mitfinanzierten Projektes wurde ein Prototyp einer Landschaftscharaktertypologie entwickelt. Durch die Integration bestehender Typologien, fachlicher Expertise und vielfältiger Geodaten konnten Landschaften nicht nur anhand geophysikalischer Merkmale, sondern auch bzgl. ihrer funktionalen, kulturellen und wahrnehmungsbezogenen Dimensionen erfasst werden.

In unserem Beitrag geben wir einen Einblick in das methodische Vorgehen und stellen den für den Kanton Zug entwickelten Prototyp vor. Zudem wird das Potenzial und den Weiterentwicklungsbedarf für eine Anwendung in den Alpen und der ganzen Schweiz aufgezeigt.

Der Nutzen eines solchen Instruments, sei es im Rahmen von kantonalen Landschaftskonzeptionen, eines landesweiten Monitorings charakteristischer Landschaften, der Integration gesellschaftlicher Perspektiven oder als Basis für eine breit abgestützte, evidenzbasierte Landschaftspolitik in der Schweiz, wird schliesslich durch die Praxis kritisch gewürdigt.

Nyffeler, Cécile1; Rey, Stefan2; Weber, Dominique1; Liechti, Karina3; Gattiker, Selina1; Torregroza, Lina1; Schneider, Stephan3; Ginzler, Christian1; Hunziker, Marcel1

1WSL; 2Amt für Raum und Verkehr, Baudirektion des Kantons Zug; 3Stiftung Landschaftsschutz Schweiz SL-FP

Veränderungen von Kulturlandschaften, ausgelöst durch Urbanisierung, intensivierte Landnutzung oder Klimawandel führen oft dazu, dass Landschaften ihre symbolische Bedeutung verlieren und nur noch als funktionale Räume wahrgenommen werden. Um frühzeitig planerisch auf einen Bedeutungsverlust der Landschaft reagieren zu können, ist es wichtig zu verstehen, unter welchen Bedingungen dieses «Kippen» der Wahrnehmung erfolgt, und geeignete planerische Massnahmen zu formulieren, um dem Bedeutungsverlust entgegenzuwirken.

Theoretischer Ausgangspunkt ist der konstruktivistische Landschaftsansatz des Soziologen Lucius Burckhardt, der davon ausgeht, dass Menschen Landschaft stets mit inneren Vorstellungen abgleichen. Die Studie hat das Ziel, diesen Ansatz erstmals empirisch am Beispiel der Gemeinde Davos zu testen und dessen Nutzen für die Planung zu prüfen. Das Projekt nutzt ein Mixed Methods Design: mit 10-12 Spazierganginterviews und Fokusgruppen, als Basis für eine quantitative Befragung von Einwohner- und Zweitwohnungsbesitzer:innnen (N=3000).

Mit einer planerischen Analyse der Schlüsselelemente der verschiedenen Landschaftsräume der Gemeinde Davos werden die Ergebnisse der Studie gespiegelt. Als Grundlagen dienen die «Landschaftstypologie Kanton Graubünden» sowie die bestehenden Dokumente zu Natur und Landschaft in der Gemeinde Davos. Auf dieser Basis werden raumplanerische Massnahmen vorgeschlagen, welche der Gemeinde Davos Impulse für die laufende Ortsplanungsrevision geben.

Wunderli, Lea1; Meier, Christine2; Schwab Cammarano, Stephanie1; Brunnner, Rebecca1; Pajarola, Claudio3; Garcia Martin, Maria1; Buchecker, Matthias1

1WSL; 2raum – landschaft; 3Gemeinde Davos Stadt- und Landschaftsplanung

Die RZU (Planungsdachverband Region Zürich und Umgebung) bearbeitet von März 2025 bis Ende 2026 den Schwerpunkt «Die Landschaft grossmassstäblich entwickeln». Der Schwerpunkt dient der Umsetzung der Verbandsstrategie Plus Zürich 2050.

Im Schwerpunkt werden Eckwerte einer Landschaftsplanung auf regionaler bis überregionaler Ebene erarbeitet sowie Ansätze und Möglichkeiten zu deren Umsetzung aufgezeigt. Erzielt werden eine Vision, Handlungsempfehlungen und eine Datenbank mit einer Sammlung von Praxisbeispielen für die grossräumige Vernetzung von Frei- und Grünräumen im urban geprägten Raum. Dank der Resultate soll die Landschaftsplanung besser in Planungsinstrumenten, den regionalen und kommunalen Prozessen verankert und Kooperationen über Fach- und Gebietsgrenzen hinweg gefördert werden – als Beitrag für eine neue integrative Planungskultur im Mitgliederkreis.

Herzstück des Schwerpunkts ist die Zusammenarbeit und Vernetzung von Fachleuten und Entscheidungsträgern in Workshops und dem Aufbau eines interdisziplinären Netzwerks «urbane Landschaft». So soll ein tragfähiges Verständnis der Landschaft als identitätsstiftendes Element im urban geprägten Grossraum Zürich entstehen. Dies soll dazu beitragen, dass Lebensqualität, Biodiversität und Klimaanpassung gestärkt sowie Nutzungskonflikte im verdichteten Raum entschärft werden können.

Domeniconi, Anna; Zaugg Stern, Marc; Näther, Caroline

RZU | Planungsdachverband Region Zürich und Umgebung

P12 – Infrastructure écologique et biodiversité dans le paysage

The Alpine region comprises complex and highly vulnerable territorial systems that, despite their significant ecological and landscape capacities, are increasingly exposed to human pressures and the accelerating impacts of climate change. The Interreg Alpine Space project PlanToConnect advances a transnational vision of ecological and multifunctional connectivity, positioning green and blue infrastructure (GBI) as a key lever for Alpine territorial cohesion. A pilot case study in the Province of Sondrio applies an innovative spatial-planning approach based on ecosystem service (ES) mapping and assessment to identify interventions that enhance ecosystem multifunctionality, climate adaptation, and human well-being. By integrating biotic and abiotic spatial datasets, the analysis delineates priority areas for soil protection and enhancement, as well as zones of elevated vulnerability that require strategic design measures to guide the restoration of biophysical capacities. These findings inform three strategic frameworks, conservation-oriented, multifunctional, and regenerative, each associated with specific territorial values and governance objectives and designed to support local strategic planning. Overall, PlanToConnect demonstrates how urban and territorial planning can operationalize green–blue infrastructure to reinforce landscape, environmental, and cultural assets while advancing adaptive climate transitions in Alpine contexts.

Mosso, Beatrice; Mazza, Francesca; Ronchi, Silvia; Arcidiacono, Andrea

Politecnico di Milano, Italie

Die Erhaltung und Stärkung der Biodiversität sowie der Natur- und Kulturlandschaft für die nächsten Generationen wurden von der Regierung Graubündens als Regierungsziel im Regierungsprogramm

2021-2024 festgelegt. Die Verwaltung wurde in diesem Rahmen beauftragt, eine Biodiversitätsstrategie Graubünden (BDS GR) zu erarbeiten. Die Biodiversitätsstrategie richtet den Fokus auf das, was die Menschen und die nächsten Bündner Generationen – insbesondere in Zeiten des Klimawandels – am dringendsten an Naturwerten und Ökosystemleistungen benötigen. Die Erarbeitung der BDS GR erfolgte in einem für alle Beteiligten transparenten, kooperativen Prozess. Die betroffenen Dienststellen, Sektoren und Interessensgruppen sowie weitere Interessierte wurden im Rahmen der Projektorganisation in die Arbeit mit einbezogen. Die Umsetzung der Massnahmen der ersten Umsetzungsetappe ist im Jahr 2025 gestartet. Im Vortrag werden verschiedene Erfolgsfaktoren erläutert, welche zum Gelingen des Strategieprozesses beigetragen haben – insbesondere auch das Kommunikationskonzept. Weiter werden die besonderen Herausforderungen eines Bergkantons im Hinblick auf den Erhalt und die Förderung der einzigartigen Natur- und Landschaftswerte aufgezeigt.

Lietha, Luis

Amt für Natur und Umwelt Graubünden

Das Interreg Alpine Space Projekt «LiveAlpsNature» ist ein internationales Alpenraumprojekt, das sich mit der Frage befasst, wie Biodiversität und Tourismus in alpinen Schutzgebieten in ein nachhaltiges Gleichgewicht gebracht werden können. Ein Projektaspekt widmet sich der Gesundheit, auf die sich – basierend auf dem One-Health-Ansatz – die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Tier und Umwelt positiv auswirkt. Damit rückt die Frage ins Zentrum, wie Landschaft und Naturerleben aktiv zu menschlichem Wohlbefinden beitragen und gleichzeitig die Landschaft selbst geschützt werden kann. Um diese Verknüpfung sichtbar und messbar zu machen, entwickelt die PMU in Salzburg derzeit den BREATHE-Score. Er bewertet das Gesundheitspotenzial von Wegen und Wanderpfaden anhand von fünf Dimensionen und macht so die gesundheitsrelevanten Eigenschaften eines Naturraums systematisch erfassbar. Im Frühling 2026 erfolgt die erste praktische Umsetzung dieser Methode im Unterengadin in und ausserhalb der UBEVM in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Nationalpark. Es wurde ein Pfad zum Testen und evaluieren ausgewählt der im Rahmen des Modellvorhabens INSCUNTRAR bereits auf seine Landschaftsqualität untersucht wurde. Der BREATHE-Score zeigt den Besuchenden die Wirkung eines solchen Pfades auf die fünf verschiedenen Gesundheitsdimensionen. Gleichzeitig sorgt er durch die Sensibilisierung auf die Freizeitgestaltung für eine vermehrte Rücksichtnahme auf sensible Naturräume.

Koenig, Fabienne1; Abderhalden, Angelika2; Wiesmann, Samuel1; Bischof, Michael3; Hartl, Arnulf3

1Schweizerischer Nationalpark, Schweiz; 2UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair, Fundaziun Pro Terra Engiadina; 3Paracelsus Medizinische Privatuniversität

The abandonment of agricultural activities results in woody encroachment, converting species rich mosaic habitats like dry meadows, bogs, and fens into expanding forested areas. Woody vegetation encroachment not only alters habitat structure but also can drive declines in vascular plant species due to associated effects, such as altered competition. We quantify cover and height of woody plants in Switzerland during a 40-year period. For plant biodiversity data, we use a comprehensive dataset comprising over 4,000 vegetation surveys from the effectiveness of habitat conservation monitoring (WBS) in Switzerland. We find that although the greatest increases of woody shrub encroachment are occurring along the southern Alps in Ticino and Graubünden, it is also occurring in habitats in the central and northern Alps at a slower pace. We see both infilling with trees in already existing semi-open forest landscapes as well as upward tree and shrub migration at and above treeline. We found this has significant consequences on habitats of conservation concern, where plant species diversity decreases even at the initial stages of encroachment. When plots contained tree species even less than 0.5 m tall, plant species richness was 50% lower than in plots without tree species. By analyzing the drivers and consequences of agricultural abandonment, our project aims to offer scientific insights for mitigating the adverse impacts on biodiversity associated with land use changes.

Rixen, Christian1; Shipley, Ryan2; Frei, Esther1; Bergamini, Ariel1; Ginzler, Christian1

1WSL-Institut SLF; 2eawag

W1 – Hybride Erfahrungswelten: Landschaft als lebendiges Archiv

Landschaften sind mehr als Orte – sie sind lebendige Gedächtnisse. In ihnen sammeln sich Geschichten, Handwerkswissen, ökologische Prozesse und kulturelle Praktiken. Im Workshop «Landschaft als lebendiges Archiv» wollen wir gemeinsam ausloten, wie Menschen und nicht-menschliche Akteure Landschaft formen und wie Landschaften wiederum Identität, Wissen und Zusammenhalt prägen.

Mit kreativen, assoziativen Methoden laden wir Teilnehmende ein, ihren eigenen Zugang zur Landschaft zu reflektieren: Welche Erfahrungen, Praktiken oder Erinnerungen verbinden wir mit ihr? Was bewahren Landschaften – und was geht verloren?

Im Austausch mit Akteur:innen aus Regionen, in denen Landschaft eng mit immateriellem Kulturerbe verknüpft ist (z. B. Köhlerei, Alpenkultur, Volksmusik), diskutieren wir drei zentrale Fragen:

1. Wie werden lokale Praktiken in Landschaften eingeschrieben und weitergegeben?

2. Wie können Landschaften als offene „Museen“, resp. als formbare Gedächtnisräume gedacht werden, die viele Stimmen einbeziehen?

3. Welche Rollen spielen Partizipation, institutionelle Strukturen und regionale Netzwerke, um Landschaft als kulturellen Resonanzraum zu stärken?

Ziel des Workshops ist es, neue Sichtweisen, Verantwortlichkeiten und Kooperationen sichtbar zu machen – und gemeinsam zu erkunden, wie Landschaften als ökologische und kulturelle Archive gestaltet werden können.

Frei, Samuel1; Geyer, Carolin2

1Hochschule Luzern – Design Film Kunst, Schweiz; 2Hochschule Luzern – Wirtschaft;

Der hybride Resonanzraum setzt Landschaften, Orte, Praktiken und Menschen über physisch-digitale Schnittstellen in Beziehung. Durch die Resonanz wird das immaterielle Kulturerbe in einer lebendigen Erfahrungswelt inszeniert, die sinnlich, sozial und emotional erlebbar wird. Resonanz, angelehnt an Hartmut Rosa, beschreibt in diesem Zusammenhang eine innige und wechselseitige Beziehung zwischen Besuchenden, Akteur:innen, Landschaften und Traditionen, die auf einem Moment des gegenseitigen Entdeckens beruht. Digitale Technologien wie Augmented Reality, mobile Anwendungen oder geolokalisierte Audiowalks sollten in diesem Sinne nicht primär der technisierten Vervielfältigung des immateriellen Kulturerbes dienen, sondern der Ermöglichung tieferer Beziehungserfahrungen. Im Zentrum der Vermittlungsangebote steht nicht das Konsumieren, sondern das aktive Mitgestalten und Erleben durch partizipative Archive, Co-Kreation und die Einbindung von Kunst- und Kulturschaffenden. Anhand zweier Fallbeispiele – der Köhlerei im Napfgebiet und der Musik im Alpsteingebiet – zeigen wir auf, wie das engmaschige Verhältnis zwischen immateriellen Kulturpraktiken und Landschaft durch virtuelle und augmentierte Medien erlebbar wird.

Pasqualini, Isabella; Kammermann, Andrea; Eggli, Florian; Müller, Robert; Geyer, Carolin; Frei, Samuel

Hochschule Luzern

Die Köhlerei im Entlebuch zählt zu den letzten lebendigen Handwerkspraktiken der Schweiz und wird bis heute unter freiem Himmel betrieben. Als immaterielles Kulturerbe verbindet sie jahrhundertealtes Erfahrungswissen, handwerkliche Fertigkeiten und eine tiefe kulturelle Verankerung in der Landschaft des Napfgebiets. Gleichzeitig ist sie einem zunehmenden Wandel ausgesetzt, bedingt durch gesellschaftliche Transformationen, demografische Veränderungen, zunehmenden Tourismusdruck und den Verlust tradierten Wissens.

Der Kinodokumentarfilm « Köhlernächte » des Filmemachers Robert Müller begleitete die Köhler:innen im Napfgebiet über fünf Jahre hinweg bei ihrer Tätigkeit. Im Rahmen eines Podiumsgesprächs mit Vertreter:innen des Köhlerverbandes wird ein kurzer Ausschnitt des Films gezeigt und dabei Einblick in die enge Verbindung zwischen Köhlerei als tradierte Form der Forstwirtschaft und der Waldlandschaft gegeben. Kann die Köhlerei heute als immaterielles Kulturerbe eingestuft werden und noch die politische Kraft entfalten, die benötigt wird, um Einfluss auf die Forstwirtschaft zu nehmen?

Müller, Robert

Hochschule Luzern

11:15

Changement de salle

11:30

P13 – Culture du bâti en milieu rural

En Suisse, la lutte contre l’étalement urbain favorise la densification des territoires urbanisés. Ce phénomène concerne autant les communes rurales. Lorsqu’elle se limite à la production de logements, cette densification tend à affaiblir la vitalité villageoise, transformant les localités en « communes-dortoirs ». Cette dynamique est renforcée par la dématérialisation, le regroupement et la disparition de nombreux services d’intérêt général (communication, transport, loisirs, santé, éducation), laissant dans le paysage des « vides » spatiaux et sociaux.

Souvent reprogrammés de manière sporadique, par des administrations aux moyens limités, ces bâtiments vacants présentent pourtant un fort potentiel de transformation de la qualité de vie locale. Comment ces « vides » – anciennes gares, postes, églises – peuvent-ils réintégrer des services d’intérêt général ? Quelle culture du bâti peut contribuer à redynamiser les paysages ruraux, renforçant la complémentarité des fonctions résidentielles et collectives ?

À partir d’étude de cas suisses et européennes et en mobilisant le Système Davos de qualité, cette recherche examine les synergies possibles entre paysage, projet architectural et reprogrammation d’intérêt général. Cette contribution, basée sur le projet COBASI (NRP81 Baukultur), propose un double apport : l’approfondissement théorique des enjeux de culture du bâti en territoire rural et l’identification de pistes opérationnelles pour le projet de revitalisation rurale.

Vanbutsele, Séréna; Riondel, Julie

Institut Transform, Haute école d’ingénierie et d’architecture de Fribourg HEIA-FR

Ländliche Gemeinden stehen vor vielfältigen Herausforderungen: Demographischer Wandel (Alterung, Abwanderung), Klimawandel und ein Rückzug klassischer Dienstleistungen führen unter anderem zu Leerständen und schwächen das dörfliche Leben. Gleichzeitig bieten ungenutzte Gebäude und Infrastrukturen die Chance, neue Nutzungen anzusiedeln und Dorfzentren wieder zu beleben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Verbindung von Baukultur und Grundversorgung zur Revitalisierung des dörflichen Lebens leisten kann. Dieser bislang wenig beachteten Frage gehen wir im Projekt «Co-creating transformation processes of Baukultur and Services of general interest in rural municipalities» (SNF NFP81) nach. Auf Basis einer Literaturanalyse und Fallstudien in Schweizer Gemeinden haben wir förderliche und hinderliche Faktoren für erfolgreiche Umnutzungsprozesse identifiziert. Mittels Interviews mit Gemeindebehörden, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Dienstleistern zeichneten wir lokale Transformationsprozesse nach. Die Ergebnisse zeigen, wie partizipative Ansätze, engagierte Akteure und eine vorausschauende Planung sowohl die Grundversorgung stärken als auch eine lebendige Bau- und Landschaftskultur fördern – und damit neue Impulse für vitale Dorfzentren setzen können.

Schwab Cammarano, Stephanie; Pütz, Marco

WSL

Die Sicherung einer hohen Planungs- und Gestaltungsqualität ist eine zentrale Aufgabe der Raumplanung – auch im ländlichen Raum. Während qualitätssichernde Planungsverfahren, Standards und Kriterien in städtischen Gebieten weitgehend etabliert sind, ist die Qualitätssicherung in ländlichen Regionen deutlich anspruchsvoller.

Die Gründe dafür sind vielfältig: eine geringere Sensibilisierung, eine andere thematische Dringlichkeiten, mangelndes Fachwissen sowie begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen. Auch dort, wo im Zuge von Nutzungsplanungsrevisionen Fachgremien eingeführt wurden, ist Qualitätssicherung kein Selbstläufer – der Dialog über Qualität in Planung und Gestaltung muss häufig erst aufgebaut werden.

Mit dem RPG 2 rückt die qualitätsvolle Entwicklung ausserhalb der Bauzonen stärker in den Fokus. Es braucht dringend geeignete Instrumente der Qualitätssicherung, eine frühzeitige Auseinandersetzung mit gestalterischen Fragen sowie fachliche Begleitung – auch dort, wo bislang wenige entsprechende Strukturen bestehen.

Qualität in der Entwicklung des ländlichen Raums kann nicht fakultativ sein. Baukultur, Landschaft und Ortsbild sind zentrale Träger von Identität. Mehrere Kantone entwickeln hierzu Programme und Pilotprojekte. Der Beitrag stellt aktuelle Ansätze vor und initiiert einen Erfahrungsaustausch zur Stärkung von Baukultur und Qualitätssicherung im ländlichen Raum.

Noger, Kristina

plan:team S AG

Klimawandel und sektorale Nutzungsinteressen stellen die Kulturlandschaften des Schweizer Mittellands vor zunehmende Herausforderungen. Längere Trockenperioden, häufigere Starkniederschläge und intensive Flächennutzung führen zu Wasserknappheit, Erosion, Ernteausfällen und hohen Schadenskosten. Das Projekt «Schwammlandschaften» entwickelt und erprobt integrierte Ansätze, um Wasser in der Landschaft zurückzuhalten, natürliche Retentionsräume zu reaktivieren und damit ökologische, landwirtschaftliche und gesellschaftliche Resilienz zu stärken. Fallstudien illustrieren unterschiedliche Herausforderungen: von entwässerten Agrarlandschaften mit Hochwasserrisiken bis zu Trockenstress und Bewässerungsbedarf. Durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Raumplanung, Wasserwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung werden praxisnahe Lösungen entwickelt – etwa landschaftsbasierte Speicher- und Rückhaltemassnahmen, die Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit und Landschaftsqualität fördern. Das Projekt versteht Schwammlandschaften als Systemansatz, der natürliche und technische Wasserbewirtschaftung kombiniert, sektorübergreifende Planung ermöglicht und neue Formen der Kooperation schafft. Ziel ist es, konkrete Umsetzungsstrategien, Governance-Modelle und übertragbare Werkzeuge zu entwickeln, um Kulturlandschaften klimaresilient, biodivers und produktiv zu gestalten.

Steiger, Urs2; Seger, Vanessa1; Lüthi, Stefan1; Bächtold, Hans-Georg3; Fritsch, Martin4

1BHP – Brugger und Partner; 2steiger texte konzepte beratung; 3RaumundZeit; 4EMAC

P14 – Conflits et dialogues dans le paysage

Erholungsnutzug, Siedlungsentwicklung, intensive landwirtschaftliche Produktion, Ansprüche an die Biodiversität und Anpassung an den Klimawandel überlagern sich in zahlreichen Landschaften. Die involvierten Akteure werden zahlreicher und haben zunehmend unterschiedliche Lebensrealitäten. Damit verstärken sich die Zielkonflikte in diesen multifunktionalen Landschaften. Diese Charakteristik zeigt sich auch in der Glarner Linthebene und führte dort zur Blockade wichtiger Entwicklungen (Wildtierkorridore, Erneuerung Drainagen).

Um diese Landnutzungskonflikte konkret zu bearbeiten und um bei Akteur:innen die Konfliktlösungskompetenz zu stärken, wurde mit dem Ansatz einer transformativen Mediation ein Prozess gestaltet, welcher die Grundwerte der Akteur:innen einbezog und Perspektivenwechsel ermöglichte.

Im Fokus des Prozesses standen acht Akteur:innen von Kanton, Gemeinde und Flurgenossenschaften. Durch den mediationsähnlichen Prozess konnten Konflikte bearbeitet und die Kompetenzen der Akteur:innen gestärkt werden. Es zeigte sich, dass dadurch die benötigte Handlungsfähigkeit erarbeitet wurde, welche die konkrete Landschaftsentwicklung ermöglichte.

Wir zeigen Mehrwerte und Herausforderungen aus Sicht des Mediators und des Auftraggebers und geben damit Hinweise für Landschaftsentwicklungsprozesse. Insbesondere zum Verhältnis von Prozessarbeit (Rollenklärung und -weiterentwicklung, Prozessverständnis) und umsetzungsorientierter Projektarbeit können Erkenntnisse abgeleitet werden.

Celio, Enrico1; Baltensweiler, Marco2

1incolab; 2Kanton Glarus

Der Input basiert auf zwei Projekten an der Hochschule Luzern. Zum einen werden Ergebnisse aus dem BWO-geförderten Forschungsprojekt «Prekäres Wohnen in touristischen Berggemeinden: Konzeptionelle und empirische Zugänge zu Verdrängungsformen» vorgestellt. Diese qualitative Studie leistet konzeptionelle Grundlagenarbeit zur wohnbezogenen Verdrängung in touristischen Berggemeinden der Schweiz und untersucht die Perspektiven von Betroffenen und zentralen Stakeholdern ausgewählter Gemeinden. Deutlich wird auf dieser Basis, wie die wohnbezogenen Landschaften der Berggemeinden durch die Suburbanisierung der Alten zutiefst mit Akteur:innen aus dem städtischen Kontext wie auch mit Verdrängungsmechanismen wie wir sie aus der Stadtforschung kennen, relationiert sind. Zum anderen geht es um Beziehungen zwischen lokaler Bevölkerung und Zweitwohnungsbesitzenden in touristischen Regionen der Schweiz. Das anwendungsbezogene Projekt geht der Frage nach, wie ein konstruktiver Dialog zwischen diesen Akteur:innen gestaltet werden kann. Auf Basis eines sozialräumlichen Ansatzes werden in ausgewählten Gemeinden aller Sprachregionen qualitative Interviews geführt, um Wahrnehmungen, Erwartungen und Herausforderungen beider Gruppen zu erfassen und regionale Unterschiede sichtbar zu machen. Erste Ergebnisse der explorativen Studie werden vorgestellt sowie die daraus abgeleiteten Bedingungen wie der Dialog als Teil einer nachhaltigen Gestaltung von Tourismuslandschaften gestärkt werden könnte.

Ronchetti, Mauro; Zöllner, Silke; Meuth, Miriam; Amacher Hoppler, Anna; Störkle, Mario

Hochschule Luzern

Wie lässt sich (Landschafts-)Bildung als eine Art „Landschaft“ bzw. als relationales Gefüge zwischen Menschen und Räumen gestalten und umsetzen? Welche Widerstände sind zu überwinden und welche Chancen entstehen? Ein ökosystemisch informierter Bildungsansatz erweitert die klassische thematische Landschaftsbildung und vermittelt Landschaft nicht nur als Objekt, sondern als Beziehungsraum.

Das Dissertationsprojekt untersucht das Verständnis nachhaltiger regionaler Bildungslandschaften aus komplexitätstheoretischer Perspektive der Erziehungswissenschaft. Am Beispiel der Kooperation zwischen Universitäten und Naturpärken wird dieses Verständnis reflektiert sowie theoretisch und empirisch analysiert. Dem interinstitutionellen Dialog wird ein besonderes Bildungs- und Transformationspotenzial zugesprochen, insbesondere hinsichtlich der Reduktion gesellschaftlicher Polarisierung. Inhaltlich steht „Landschaft“ im Zentrum einer multiperspektivischen Betrachtung.

Die Arbeit leistet einen innovativen Beitrag zur Weiterentwicklung des Bildungsverständnisses in der Landschaftsbildung und in der transformativen Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung. Vorgestellt werden erste Ergebnisse der Literaturauswertung sowie ein Analyserahmen, der auf den Parametern von Komplexität und Relationalität in der Bildungstheorie basiert.

Mauerhofer, Lukas

Universität Bern

Im September 2016 gelangten bei Korrosionsschutzarbeiten an der Staumauer Punt dal Gall PCB-haltige Partikel in den Fluss Spöl im Schweizerischen Nationalpark (SNP). Der Vorfall wurde durch die Engadiner Kraftwerke (EKW) umgehend gemeldet und das Tosbecken wurde bereits 2017 saniert.

Aufgrund der hohen Persistenz und Bioakkumulationseigenschaften von PCB reichert sich die Substanz in Nahrungsnetzen an und kann langfristig zu ökotoxikologischen Schäden führen. Untersuchungen an Wasseramseln zeigen, dass die PCB-Belastung auch nach 9 Jahren noch besteht. In deren Eiern wurden iPCB-Konzentrationen von 4,5 bis 32 mg/kg Fett gemessen – bis zu 800-mal höher als die in Lebensmitteln zulässigen Grenzwerte. Die Analyse eines 2020 tot aufgefundenen, stark belasteten Uhu-Weibchens trug wesentlich dazu bei, eine weiterführende Sanierung in die Wege zu leiten.

Unter der Projektverantwortung der EKW und in enger Abstimmung mit SNP, Umweltorganisationen und Fachstellen wurde ein Sanierungsprojekt erarbeitet, welches die Natur und die Landschaft möglichst schont. Z. B. verläuft die Baupiste im zuvor trockengelegten Flussbett und minimiert so Eingriffe in die sichtbaren Elemente der Landschaft.

Der belastete Abschnitt des Spöls wird 2026 saniert. Dabei wird in weiteren Bereichen die langjährige Erfahrung aus dem Monitoring – z. B. bei der Rücksichtnahme auf die Brutzeit des im Tal brütenden Bartgeiers – berücksichtigt. Der Beitrag beleuchtet das Projekt aus Sicht der verschiedenen Partner.

Haller, Ruedi1; Gubler, Stefanie2; Zennegg, Markus3; Keller, Lukas4; Waldvogel, Dominique4; Jenny, David5; Krüger, Giacum6

1Schweizerischer Nationalpark; 2Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks, SCNAT; 3Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, Analytikzentrum; 4Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich; 5Stiftung Pro Bartgeier, Monitoring Graubünden; 6Engadiner Kraftwerke

P15 – Perception de la production d'énergie dans le paysage

Windenergie ist ein zentraler Baustein, um die Energie- und Klimaziele der Schweiz zu erreichen. Sie liefert Strom genau dann, wenn er am meisten benötigt wird: im Winter. Zwei Drittel des Windstroms werden im Winter produziert, wenn Solaranlagen und Wasserkraftwerke weniger liefern.

Eine moderne Windenergieanlage produziert auf kleiner Fläche so viel Winterstrom wie eine Solaranlage mit einer Modulfläche von 19 Fussballfeldern. Strenge Umweltverträglichkeitsprüfungen garantieren den Schutz von Natur und Landschaft.

Seit 2018 sind die Kantone gesetzlich verpflichtet Eignungsgebiete für die Windenergie auszuscheiden. Wie funktioniert dieser Prozess und wo stehen die verschiedenen Kantone heute mit ihrer Planung bei der Abwägung von Schutz- und Nutzungsinteressen.

Bourgeois, Saskia; Ferber, Julian

Bundesamt für Energie

Auf dem Mont Soleil im Berner Jura, auf rund 1300 Metern über Meer, produziert eine freistehende Photovoltaik-Anlage seit 1992 Strom. Zwischen 1996 und 2010 sind 16 Windturbinen dazugekommen, die inzwischen bereits teilweise durch neue Maschinen ersetzt wurden.

Nun folgt das nächste Kapitel der Fortsetzungsgeschichte: Im Rahmen des Solarexpress plant die Société Mont Sol eine weitere freistehende Photovoltaik-Anlage, die jährlich rund 11.4 GWh Strom liefern soll, wovon 4.57 GWh im Winter. Durch das Konzept «PV en cohabitation» soll die Anlage schonend in die landwirtschaftliche Nutzung und in den Landschaftstyp des Pâturage boisé integriert werden. Wie bereits bei den Windanlagen haben die Stromproduzentin und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz die Standorte für die PV-Felder gemeinsam eruiert. Als nächster Schritt der Zusammenarbeit werden zurzeit die Bepflanzung der Zwischenräume und die Detailgestaltung der Modultische im Austausch mit Fachleuten aus Landschaftsarchitektur und Architektur überarbeitet. Die Ergebnisse werden zum Zeitpunkt des Landschaftskongresses 2026 vorliegen.

In diesem Tandem erläutern die Stromproduzentin und die SL-FP, worauf es bei der Planung und Gestaltung einer Energielandschaft ankommt – aus wirtschaftlicher, landschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht.

Marti, Rahel1; Pfisterer, Martin2

1Stiftung Landschaftsschutz Schweiz; 2Société Mont-Soleil

Kulturlandschaften entwickeln sich kontinuierlich durch das Zusammenspiel sozioökonomischer, kultureller und natürlicher Faktoren. Wie diese Räume wahrgenommen werden, spielt für dessen Entwicklung eine zentrale Rolle. Die Umgestaltung von alpinen Landschaften durch neue Infrastrukturbauten stehen oft in Konflikt mit dem Erhalt traditioneller Kulturlandschaftsbilder – besonders deutlich zeigt sich dies beim akuten Bedarf an alpinen PV-Freiflächenanlagen, der mit Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes kollidiert. Der Diskurs um Implementierung und Gestaltung solcher alpinen Energiekulturlandschaften ist entsprechend vielschichtig. Für die dialogische Auseinandersetzung mit diesen Projekten fehlen jedoch oft Wahrnehmungs- und Vorstellungsweisen, die es ermöglichen, Diskursräume für neue Szenarien zu öffnen. Hier setzt unsere Studie am konkreten Fallbeispiel Pontresina an: Mit einer wahrnehmungsanalytischen Sachstandsbeschreibung verfolgen wir einen komplementären Ansatz, der qualitativ-sinnliche Charakterisierungen von Landschaften in die Planung von Energieinfrastrukturprojekten einbinden könnte. Dieser Beitrag präsentiert zentrale Erkenntnisse der experimentellen Untersuchung – und bringt das Val Bernina nicht nur visuell, sondern auch klanglich an den Landschaftskongress.

Boogen, Annina1,2; Volken, Marco3

1Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften; 2Swiss Society for Acoustic Ecology; 3Urner Institut Kulturen der Alpen

Transitioning to renewable energies can be a challenge for various reasons, chief among them is the impact on natural landscapes and local opposition to renewable energy projects. Regardless, the various studies that have explored ideal ways of installing renewable energy infrastructure across a nation or a region, very rarely fully account for both biodiversity and local acceptance.

Here we present how we’ve developped and evaluated an accurate, fine-scale map of the potential local acceptance for renewable energy in all of Switzerland. We then show how we included it in a multi-objective optimization, along with an in-depth consideration of the impact on natural landscapes important to biodiversity. In this way, we reveal ways forward to achieve net-zero for Switzerland that may encounter the least local and regional resistance.

Frueh, Johan; Hunziker, Marcel; Buchecker, Matthias; Graham, Catherine

WSL

P16 – Planifier l'urbanisation et les infrastructures

Das revidierte Bundesgesetz über die Raumplanung am 1. Mai 2014 in Kraft getreten. Es hat einen sehr grossen Einfluss auf die Landschaft. Seither werden weniger Bauzonen eingezont und innerhalb der Bauzone muss qualitätsvoll «verdichtet» werden. Seit 2014 hat sich aber auch Einiges verändert. Der Begriff «qualitätsvolle» Innenentwicklung hat eine neue Bedeutung gewonnen, Klimaaspekte sind bedeutend wichtiger. Zudem stellt sich auch die Frage, welche Potenziale im Bestand genutzt werden können oder braucht es wegen der Wohnungsknappheit gar wieder Einzonungen? Wie können wir zudem rascher schweizweit vergleichbare raumplanerische Informationen nutzen und gleichzeitig mit Entwicklungsszenarien verbinden?

In der Schweiz sind viele gute Datengrundlagen vorhanden. Im Hinblick auf die Digitalisierung werden diese noch zu wenig miteinander verknüpft, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Sie sind entweder nur in spezialisierter Form bearbeitbar oder sind nicht harmonisiert und deshalb nicht interoperabel. Ein zentrales Beispiel sind die Bau- und Zonenordnungen der Schweizer Gemeinden, welche die Grundlage für die Nutzung des Raumes und der baulichen Möglichkeiten bieten.

Die Siedlungsentwicklnung nach innen ist eine Gratwanderung zwischen « Stadt und Land sowie Tal und Berg ». Je mehr es gelingt, innerhalb der bestehenden Siedlung eine hochwertige Siedlungsentwicklung umzusetzen, umso mehr lassen sich auch Qualitäten der Landschaftsräume ausserhalb der Siedlungen entwickeln.

Camenzind, Reto1; Grêt-Regamey, Adrienne2; Spycher, Fiona1

1Bundesamt für Raumentwicklung; 2ETH Zürich, Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung (IRL)

Um die Wirkung der Raumplanung zu messen, setzt das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) der Schweiz eine Vielzahl von Indikatoren ein. Darunter ist auch die Messgrösse der Zersiedelung. In Zusammenarbeit mit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der Concordia University in Montreal hat das ARE eine Zeitreihe der Zersiedelung bis 1919 berechnet und auf seiner Internetseite publiziert Zersiedelung. Die Zersiedelung hat sich auf gesamtschweizerischer Ebene in den letzten 3 Jahren stabilisiert, nimmt jedoch in bestimmten Gebieten weiterhin zu.

Die Messgrösse der Zersiedelung berücksichtigt die Grösse der Siedlungsfläche, deren räumliche Streuung sowie ihre Nutzungsdichte durch die Bevölkerung, entwickelt von C. Schwick und J. Jaeger 2010 an der ETH. Seit 2014 wird sie im Programm Landschaftsbeobachtung Schweiz (LABES) und als Umweltindikator im Monitoring der Nachhaltigen Entwicklung (MONET). Seit 2023 ist sie Teil der Leistungsvereinbarung zwischen Parlament und ARE.

Die Brücke zwischen Forschung und Praxis zu schlagen, ist anspruchsvoll. Konsistente Datengrundlagen und geeignete Werkzeuge zur Berechnung der Messgrösse sind hierfür entscheidende Erfolgsfaktoren. Mit der jährlichen Aktualisierung der Datengrundlage der Siedlung, der Bereitstellung eines Open-Source-Plugins für die Berechnung, sowie der regelmässigen Publikation der neuen Resultate stehen die Instrumente für den praktischen Einsatz nun bereit.

Maurer Weisbrod, Yves1; Jaeger, Jochen2; Hersperger, Anna3

1Bundesamt für Raumentwicklung (ARE); 2Concordia University Montreal; 3WSL

Die raumplanerische Interessenabwägung ist die zentrale Methode zur Entscheidfindung in der Raumplanung. Der Beitrag zeigt auf, wie diese Methode auf den verschiedenen Stufen der Raumplanung – von der Sach- und Richtplanung über die Nutzungsplanung bis zum Projekt – angewendet wird und wie Landschaftsinteressen systematisch einbezogen werden können. Im Fokus stehen die Schritte der Interessensermittlung, -bewertung und -abwägung, der Begründung der gewählten Lösung sowie der Dokumentation, die für Behörden, Planende und Betroffene zentrale Orientierung bietet. Besonderes Augenmerk gilt der Berücksichtigung landschaftlicher Werte wie Erholung, Biodiversität, Identität und landschaftliche Qualität, die oftmals schwer quantifizierbar sind und daher eine sorgfältige fachliche Herleitung erfordern. Der Beitrag beleuchtet typische Herausforderungen wie Nutzungskonflikte zwischen Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft, Infrastruktur und Landschaftsschutz, politische Erwartungen und die Einbindung vielfältiger Anspruchsgruppen. Zudem werden Erfolgsfaktoren für eine stufengerechte und umfassende Interessenabwägung aufgezeigt und Anforderungen welche sich aus aktueller Rechtsprechung ergeben dargelegt. Der Beitrag zeigt damit Wege auf, wie raumplanerische Entscheide zu einer nachhaltigen und landschaftsverträglichen Entwicklung beitragen können.

Jerjen, Damian

EspaceSuisse

Die Präsentation beleuchtet die Eingliederung des Schweizer Nationalstrassennetzes in die Landschaft aus Sicht der Landschaftsplanung. Anhand markanter Streckenabschnitte wie der Axen- und der Walenseestrasse wird gezeigt, wie sich gestalterische Ansätze im Laufe der Zeit verändert haben. Grundlage bilden historische Materialien aus dem Schweizerischen Archiv für Landschaftsarchitektur (ASLA), die die Arbeit prägender Akteure dokumentieren. So entwarf Walter Leder 1955 eine harmonische Einbettung der Axenstrasse durch gezielte Bepflanzung mit Föhren, Buchen und Sträuchern, ohne die Aussicht für Autofahrer zu beeinträchtigen. Knapp zehn Jahre später setzte Johannes Schweizer bei der Walenseestrasse in gewissen Abschnitten ganz auf Koniferen, um ganzjährigen Blendschutz gegenüber vorbeifahrenden Zügen zu gewährleisten.

Der landschaftliche Wandel wurde bereits mit dem Bundesbeschluss über die Nationalstrassen von 1960 vorgezeichnet. Seither haben sich die Anforderungen an Trassierung und Ausgestaltung – nicht zuletzt durch die rasante Zunahme des Verkehrsaufkommens – erheblich verändert. Je nach Art der Eingliederung unterscheiden sich Intensität und Wirkung des Eingriffs deutlich.

Der Beitrag fragt: Für wen wird geplant – für die Landschaft oder den Autofahrer? Welche Erwartungen an Ausblicke bestehen heute, und wie verändern sich ästhetische Massstäbe? Ein Blick zurück eröffnet Perspektiven für die Zukunft: Welche Prinzipien bleiben, welche müssen neu gedacht werden?

Egeter, Manuela1,2; Orga, Simon1,2; von Schwerin, Sophie1,2

1Fachhochschule OST; 2ASLA Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur

P17 – Paysage et risques naturels

Der Naturpark Pfyn-Finges ist ein Hotspot der Biodiversität. Die Region, die er umfasst, zeichnet sich durch aussergewöhnliche Lebensräume und reich strukturierte, mosaikartige sowie extensiv bewirtschaftete Kulturlandschaften aus. Ein Beispiel für solche Kulturlandschaften sind Terrassenlandschaften, die gleichzeitig ein bedeutendes kulturelles Erbe darstellen, das Landschaftsbild prägen, und durch ihre Strukturvielfalt wertvolle Lebensräume für bedrohte Arten bieten. Diese Landschaften sind jedoch durch Nutzungsintensivierung bzw. Aufgabe bedroht.

Im Naturpark ist die Berglandschaft unterhalb des Dorfes Bratsch (Gemeinde Gampel-Bratsch) eine dieser Natur- und Kulturlandschaften, welche durch Verbuschung, wie auch durch Intensivierung gefährdet ist. Seit 2020 arbeitet der Naturpark Pfyn-Finges zusammen mit dem zertifizierten BioSuisse Betrieb agriBratsch GmbH auf deren Flächen daran, eine ökologische Landschaftspflege zu fördern, die sowohl dem Schutz der Bevölkerung als auch der Erhaltung und Förderung der Biodiversität dient.

Dieser Vortrag liefert eine Übersicht der Massnahmen (1) zur Erhaltung der Einzigartigkeit und Strukturvielfalt des Gebietes, (2) zur ökologischen Vernetzung, und (3) zur Stärkung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion durch extensive Bewirtschaftung. Zu diesen Massnahmen gehört eine klimagerechte, ressourcenschonende Bewässerung durch ein vollautomatisches, bedarfsgesteuertes Bewässerungssystem, das in einer Pilotphase betrieben wird.

Oberhummer, Evelyne1; Arlettaz, Arthur1; Schnyder, Mario2; Urbach, Davnah3; Goetz, Markus4

1Naturpark Pfyn-Finges; 2agriBratsch GmbH; 3Global Mountain Biodiversity Assessment, University of Bern; 4StromIdee GmbH

Recent events and disasters in the Swiss Alps such as in Blatten, Brienz (GR) or Bondo have sparked the public and political discussion on how much we, as a society, want to invest to protect alpine settlements and infrastructure, and where the point may be reached where managed retreat and relocation may be become a viable or necessary alternative.

The public and political discourse is not well structured and often aligns with long-standing narratives such as defending population against nature, or mountains as part of Swiss DNA. Habitability is in fact an existential aspect of life as it connects to basic needs like shelter, community togetherness, or attachment to place.

Here we provide a framework that should facilitate a more structured discussion and is based on a broad range of pertinent, recent interdisciplinary research at the crossroads of climate change impacts and adaptation, natural hazards and disaster risk, and social and cultural anthropology.

Based on the study of several cases in Switzerland and other mountain regions, we analyze which environmental, social and political mechanisms and drivers shape the debates, and constrain or facilitate the adaptation solution space. We specifically look at relocation processes, and when and where they may be feasible, and how they impact land-use planning and landscape development.

Huggel, Christian1; Dobler, Flurina1,2; Hagen, Isabel1; Jurt, Christine3; Muccione, Veruska1,2; Weber, Samuel4

1Department of Geography, University of Zurich; 2WSL; 3School of Agriculture, Forest and Food Sciences (HAFL), Bern University of Applied Sciences; 4WSL-Institut SLF

Während des Zweiten Weltkriegs baute die Schweizer Armee ein unterirdisches Munitionslager unter Mitholz in den Berner Alpen. Es explodierte 1947, tötete neun Menschen und zerstörte einen Teil des Berges. Eine Risikobeurteilung von 2020 stellte fest, dass noch rund 3.500 Tonnen explosiver Munition verbleiben und ordnete deren Räumung an. 51 Personen müssen unfreiwillig umsiedeln, 87 können dies « freiwillig » tun. Obschon eine solche Umsiedlung auf die Unversehrtheit der Betroffenen abzielt, verweisen Studien seit Jahrzehnten auf diverse negative Auswirkungen. Die Studie untersucht, wie Betroffene während der Umsiedlung Verluste erleben und bearbeiten. Gestützt auf ein heuristisches Modell aus Umsiedlungs- sowie soziologischen Verlust-, Netzwerk- und Handlungstheorien wurden 16 Interviews, 3 Gruppendiskussionen und 2 Behördeninterviews (2023 bis 2024) qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen materielle und vor allem immaterielle Verluste, die das subjektive Wohlbefinden multidimensional beeinträchtigen. Betroffene nutzen unterschiedliche Verlustpraktiken, von Abschiedsritualen bis zu konflikthaften Aushandlungen. Diese können jedoch (un-)beabsichtigt neue Verlusterfahrungen auslösen und zu einer « rekursiven Verlustschleife » führen, die Narrative und Handlungsmöglichkeiten (de-)stabilisiert. Der Fall Mitholz verdeutlicht Umsiedlung als komplexen Prozess sozialen Wandels und spricht für wertfrei, partizipativ und konfliktsensibel gestaltete Ansätze.

Mrvelj, Matej

WSL

2025 wurden in einer Veranstaltung des FoLAP Potentiale des Landschaftsansatzes im Umgang mit Naturgefahren ausgelotet und festgehalten, dass dieser das integrale Risikomanagement (IRM) inhaltlich ergänzen und stärken kann. Das IRM als ganzheitliches Konzept umfasst Methoden und Tätigkeiten, mit denen Risiken aus Naturgefahren für die Bevölkerung auf ein tragbares Mass begrenzt werden.

FoLAP und PLANAT als Wissensplattformen in den Bereichen Landschaft bzw. Naturgefahren werden diese Schnittstelle 2026 in einem Workshop mit Expert:innen weiterentwickeln. Ausgehend von der Frage nach den landschaftlichen Dimensionen von Naturgefahren und Risikoprävention werden gemeinsame Ansatzpunkte von Modellen der Landschaftsentwicklung und des Naturgefahrenmanagements identifiziert und herausgearbeitet, inwiefern das IRM und der Risikodialog von Kompetenzen und Methoden der integrierten Landschaftsentwicklung profitieren können.

Mögliche Inputs sind etwa in der Gestaltung von Partizipationsprozessen, bei der Erarbeitung der angemessenen Sicherheit, der Entwicklung identitätsstiftender Landschaftselemente sowie beim interdisziplinären Zusammenbringen unterschiedlicher Fachexpertisen im Raum denkbar. Ausserdem könnte das Konzept der Landschaftsleistungen eine Hilfestellung bei der Beurteilung von Projektvarianten sein.

Der Beitrag präsentiert die im Workshop entwickelten Hypothesen zu möglichen Synergien von Landschaftsansatz und integralem Risikomanagement.

Frank, Elisa1; Gosteli, Helen2; Celio, Enrico3; Niederer, Susanna2

1Forum Landschaft, Alpen, Pärke (FoLAP), SCNAT; 2Nationale Plattform Naturgefahren (PLANAT); 3incolab

P18 – Éducation avec, dans et pour le paysage

L’équipe de didactique du paysage travaille depuis plusieurs années sur la manière d’enseigner et d’apprendre le paysage, de l’école enfantine aux formations universitaires, en passant par des dispositifs de sensibilisation extrascolaires et de médiation pour le grand public.

Si le paysage demeure rare dans les plans d’étude, son potentiel heuristique en matière d’acquisitions de savoirs, savoir-faire et savoir-être, est grand. Les enseignant·es qui s’en saisissent en perçoivent les intérêts didactiques et pédagogiques : l’entrée progressive dans la complexité, les jeux d’échelles, de temporalités et systèmes d’acteurs, le recours à l’interdisciplinarité, la réflexivité liée à la durabilité, la mobilisation de l’approche sensible du paysage…

Outil au service du sens critique, le paysage demeure peu travaillé à l’école primaire et secondaire. Il existe des freins à son utilisation à la fois comme outil et enjeu. Parmi eux, citons la difficulté à sortir avec les classes, à considérer que le paysage se réduit au seul « beau » paysage, esthétisé et patrimonialisé, ou encore qu’il n’y a guère à dire ou à penser avec le paysage.

Cette communication de trois membres de l’équipe présentera deux dispositifs (la réalisation de maquettes, le jeu de rôles), analysés durant plusieurs années, qui favorisent les relations personnelles et collectives avec le paysage des élèves et étudiant·es, par un travail des dimensions politiques, sensibles et complexes, et ce, pour tous les âges.

Sallenave, Léa1; Fiero, Molly2; Guillaumont, Natacha2

1Université de Genève; 2Haute Ecole du Paysage, d’Ingénierie et d’Architecture de Genève

Fachpersonen der Landschaftsforschung sowie der Lehrplan 21 plädieren dafür, ein «integrales Landschaftsverständnis» (Mathieu et al. 2016, 323; Huser u. Keller 2023) an Schulen und Hochschulen zu vermitteln. Dazu bietet die Geografiedidaktik mit ihren ganzheitlich vermittelten Mensch-Umwelt-Beziehungen (Integrated Studies) geeignete Bildungszugänge. Der Beitrag zeigt anhand einer Studienwoche (n=144) im Studiengang Primarstufe der Pädagogischen Hochschule Zürich, wie Ziele der politischen Bildung, der Bildung für Nachhaltige Entwicklung, des außerschulischen Lernens sowie aus den Didaktiken Geografie, Geschichte und Ethik integrativ verknüpft werden. Forschungsansatz: Design-Based Research (Reinmann 2021). Ergebnisse: Die Landschaftsentwicklung im Nahraum eignet sich als Inhalt besonders gut, um demokratische Aushandlungsprozesse zu üben (auch mit künftigen Schüler:innen). Die Befragten bewerten die Auseinandersetzung mit der eigenen Landschaft als (teilweise stark) förderlich für den Aufbau von Visionsfähigkeit und Mündigkeit. Studierende zeigen nachher ein aktiv-teilhabendes und weniger ein passiv-distanziertes Raumverständnis (Huser 2021).

– Huser, K. u. Keller, R. 2023. Nachhaltige Landschaftsentwicklungen an Hoch-/Schulen fördern. DOI: https://doi.org/10.25321/prise.2023.1435.

– Mathieu, J. et al. 2016. Geschichte der Landschaft in der Schweiz. Zürich.

– Reinmann, G. 2021: Reader zu Design-Based Research (DBR). https://journals.sub.uni-hamburg.de/EDeR/article/view/1554.

Huser, Karin

Pädagogisch Hochschule Zürich

Das «Resilienzlabor» richtet sich an Bachelor- und Master-Studierende aus den Bereichen Bauingenieurwesen, Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung, Landschaftsarchitektur sowie Raumentwicklung und Landschaftsarchitektur.

Das «Resilienzlabor» bietet den Studierenden Zugang zu Simulationssoftware und Analyseinstrumenten für Fallstudienanalysen. Es werden neue Unterrichtsmaterialien und interdisziplinäre Lehrbausteine erstellt, um das Wissen hinsichtlich Naturgefahren und Klimaanpassungsmassnahmen in den Studiengängen zu vertiefen. In Projekt- und Abschlussarbeiten setzen die Studierenden die Analyse- und Simulationsprogramme selbständig ein, um Gestaltungsvorschläge zu simulieren und zu optimieren. Dadurch werden Wirkmechanismen und Zusammenhänge von Planungsmassnahmen anschaulich demonstriert.

Das «Resilienzlabor» dient insofern auch einer neuen Form der Lehre, die den Studierenden die Möglichkeit bietet, Klimaanpassungsmassnahmen eigenständig auf ihre tatsächliche Wirkung im Siedlungsgebiet zu überprüfen, Planungsvarianten zu vergleichen und deren Wirkungen hinsichtlich einer widerstandsfähigen Planung kritisch zu reflektieren.

Die interdisziplinären Unterrichtsbausteine ermöglichen es, aus verschiedenen Perspektiven und disziplinären Ansätzen auf ein gleiches Fallstudienprojekt zu schauen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, um lokale Klimaschutzmassnahmen effizient zu entwickeln und die Bevölkerung vor Naturgefahren zu schützen.

Gehrig, Nadine1; Herdt, Tanja2

1BAFU; 2Fachhochschule OST

Die AlpenLernen Projektwochen des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) verbinden schulische Bildung mit intensivem Lernen in, mit und über Landschaft. In Zusammenarbeit mit UNESCO-Welterbestätten wie der Tektonikarena Sardona ermöglichen sie Schulklassen, alpine Landschaften als komplexe Natur- und Kulturräume ganzheitlich zu erfahren.

Während einer fünftägigen Projektwoche auf einer SAC-Hütte setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Bergsport, Landschaftsentstehung, Geologie, Flora und Fauna, Naturgefahren sowie der nachhaltiger Nutzung des Alpenraums auseinander – fernab von digitaler Ablenkung.

Die Projektwochen basieren auf den Prinzipien der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Im Zentrum stehen handlungs-, erfahrungs- und reflexionsorientierte Lernprozesse, welche fachliche, soziale und persönliche Kompetenzen fördern. Die Tektonikarena Sardona dient dabei als einzigartiger Lernraum, um Prozesse der Alpenbildung sichtbar zu machen und Landschaft als Ergebnis langfristiger geologischer und menschlicher Entwicklungen zu „lesen“.

Alpine Landschaft wird nicht nur vermittelt, sondern körperlich, emotional und sozial erlebt: beim Gehen im Gelände, beim Bergsport, im Hüttenalltag, im Beobachten natürlicher Prozesse oder auch im Austausch über Nutzungskonflikte und Klimawandel.

Bossi, Chantal1; Braun, Eveline2; Stirnimann, Michelle1

1Schweizer Alpen-Club SAC; 2UNESCO-Weltnaturerbe TektonikArena Sardona

12:30

Déjeuner

13:45

P19 – Biodiversité et paysage – avantages et utilisation

Biodiversität, Landschaftsqualität und die Leistungen der Natur sind essenzielle Grundlagen für eine hohe Lebensqualität und das Leben schlechthin. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts ValPar.CH zeigen, wie sich Naturwerte unter veränderten Rahmenbedingungen entwickeln werden. Sie vermitteln darüber hinaus praxisorientierte Impulse für die Planung, die Governance und die Kommunikation rund um Natur und Landschaft. Sie zeigen damit Wege auf, wie sich die Biodiversität und Landschaftsqualität wirkungsvoll stärken lässt.

Der ValPar.CH-Praxisnavigator verschafft Zugang zu diesen Ergebnissen. Die forschungsbasierten Anregungen, Instrumente und Anwendungen helfen, räumliche Potenziale frühzeitig zu erkennen, robuste und sensible Gebiete zu unterscheiden, partizipative Prozesse in Gang zu setzen oder Naturwerte sichtbar und verständlich zu vermitteln. Sie helfen dort weiter, wo Entscheide anstehen, Prioritäten gesetzt werden müssen oder Praxiswissen gefragt ist.

Der Praxisnavigator führt gezielt zu den gewünschten Themen, Instrumenten und Anwendungsbeispielen – von dynamischen Modellierungen über gesellschaftliche Werte bis hin zu ökonomischen Einschätzungen. Gleichzeitig bietet er Zugang zu sämtlichen ValPar.CH-Publikationen und den öffentlich verfügbaren Datensätzen. Der Praxisnavigator unterstützt Fachstellen und lokale Akteur:innen dabei, gut informierte Entscheide zu treffen und geeignete Massnahmen zu entwickeln.

Steiger, Urs1; Keller, Roger2; Sonderegger, Ralph3

1steiger texte konzepte beratung, Horw; 2Universität Zürich, Zürich; 3Ralph Sonderegger, Zürich

Die Betriebsumstellung des rund 100 ha grossen Hofguts Schönthal in Langenbruck 2016 wurde mit einem einzigartigen Monitoring über 10 Jahre vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL begleitet. Gestützt auf einer Baseline-Erhebung wurden Tagfalter im 2-Jahres-Rhythmus und Pflanzen und Wildbienen im 3-Jahresrhythmus untersucht. Die Betriebsumstellung stützte sich auf eine Biodiversitäts- und Landschaftästehtik-Konzept. Daraus folgten in zwei Projektphasen zahlreiche Aufwertungsmassnahmen, die 2026 abgeschlossen sein werden. Dies gilt auch für das umfangreiche Monitoring-Projekt. Die vorläufigen Endergebnisse bestätigen die beabsichtigen Wirkungen der Landschaftsaufwertungen in den drei Teilräumen. Die bereits vorbestehende recht hohe biologische Vielfalt in den einzelnen Lebensräumen, wie artrenreiche Wiesen, Weiden, Gewässer- und Waldrandsäume, Trockenmauern und Grossstrukturen sowie Einzelbäume, erfolgreich gesteigert werden, wie eine Langzeitstudie des FiBL aufzeigt. Das einzigartige Projekt beasiert auf einer engen Zusammenarbeit der Eigentümerschaft (Edith Maryon Stiftung), des Hofguts Schönthal GmbH, mit der Gemeinde, dem Kanton, Naturschutzverbänden und Agrarökologen. Die eigens dafür eingerichtete Fachkommission Kulturlandschaft Kloster Schönthal wird von Raimund Rodewald, SL, geleitet, der auch das Basiskonzept für die Landschaftsaufwertungen erstellte.

Rodewald, Raimund1; Pfiffner, Lukas2

1Fachkommission Kulturlandschaft Kloster Schönthal; 2Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL

Die Schweizer Pärke haben den Auftrag, Natur und Landschaft zu schützen, den ländlichen Raum zu beleben und die regionale Wirtschaft zu fördern, was sie mit grossem Engagement und durchaus erfolgreich tun. Sie stossen aber auch an Grenzen und ihre Rolle wird nicht immer verstanden. Im «Weissbuch Schweizer Pärke» blicken 11 Expert:innen von aussen auf die Pärke und formulieren ihre Ansprüche an diese Modellregionen der Nachhaltigkeit.

Eine der Expertinnen ist Franziska Grossenbacher, Co-Geschäftsleiterin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Sie anerkennt die Leistungen der Pärke und deren Wille, den Schutz der Landschaft in allen rauwirksamen Tätigkeiten ernst zu nehmen. Gleichzeitig ist die Stiftung auch in Pärken mit problematischen Projekten konfrontiert, welche der Landschaft schaden.

«Die Regionalen Naturpärke bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Schutz und Nutzung der Landschaft», schreibt Grossenbacher im Weissbuch. Diesen Spagat, den die Pärke machen müssen, verdeutlichen die weiteren Texte. So sieht beispielsweise Fabienne Thomas von aeesuisse die Pärke als ideale Gebiete für Energieanlagen und Marc Münster von regiosuisse bezeichnet die Pärke als Katalysatoren der Regionalentwicklung.

Im Tandem konfrontiert Mireille Rotzetter vom Netzwerk Schweizer Pärke Franziska Grossenbacher mit den unterschiedlichen Ansprüchen, die an die Pärke gestellt werden. So nähern sie sich der wichtigsten Rolle der Pärke an: Jener als Vermittler, Brückenbauer und Lösungsfinder.

Rotzetter, Mireille1; Grossenbacher, Franziska2

1Netzwerk Schweizer Pärke; 2Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Für die Pflanzenvielfalt in der Schweiz sind die Alpweiden absolut zentral: Das Biodiversitätsmonitoring hat gezeigt, dass sie mit durchschnittlich 42 Pflanzenarten pro zehn Quadratmeter die höchsten Artenzahlen aller Landschaften der Schweiz aufweisen. Zudem befinden sich drei Viertel der geschützten Moore und Trockenwiesen im Sömmerungsgebiet.

Doch die charakteristischen Alplandschaften der Schweiz werden in verschiedenen Regionen nicht standortangepasst bewirtschaftet. Auf der einen Seite werden laufend biodiversitätsrelevante Weiden intensiviert. Neue Zugangsstrassen, nicht angepasste Kuhrassen, Kraftfutterzufuhr sind nur einige der Treiber der Intensivierung. Auf der anderen Seite wachsen viele Weiden zu, sie verbuschen oder werden gleich zu Wald.

Weder der Bund noch die Kantone haben bis heute zeitgemässe Instrumente, diese Entwicklung zu stoppen. Im Vortrag stellen wir die bipolare Entwicklung vor und betrachten einen dritten Weg mit dem Instrument der Waldweide.

In der Präsentation stellen wir die Arbeit von Pro Natura im Bereich der Sömmerungsweiden vor, erklären politische Forderungen für die Agrarpolitik 2030+ und die neue Wald- und Hozstrategie 2050, diskutieren mit dem Publikum unsere Lösungsvorschläge.

Liner, Marcel; Strozzi, Elena

Pro Natura

P20 – Le paysage comme dialogue

As global socio-environmental crises reshape landscapes, transformative change is urgently needed to re-center healthy human–nature relations. Such change requires transdisciplinary collaboration that brings diverse forms of expertise into genuine dialogue. In this exploratory project, we convened Swiss nature conservation practitioners, Indigenous stewardship specialists from the US, and university researchers to rethink human–nature relations. Across two 3-day workshops and follow-up meetings, we tested methods for collaborative knowledge co-production that worked to balance power and create space for open, respectful dialogue.

Together, we co-examined the problem frame, selected two Swiss case studies—human–wolf interactions and “wilderness” education—and co-developed visions and indicators of healthy human–nature relations. We then co-produced Protocols, Practices, and Methods (PPMs) to guide future initiatives aiming to “re-visibilize” human–nature relations, along with research questions for assessing their effectiveness.

Outdoor sessions supported reflections on meanings of “nature”, and questionnaires, guided reflections, and interviews helped to gauge participant learning. Beyond practical outputs, the process broadened the problem frame to include human–human and intergenerational relations and provided evidence of transformational learning. We offer insights for those pursuing inclusive, power-aware, transdisciplinary collaborations.

Deutsch, Sierra1; Michel, Annina Helena1,2

1Universität Zürich; 2Pädagogische Hochschule St. Gallen, Institut für Gesellschaftswissenschaftliche Bildung

Bäume gehören zu den Landschaftselementen, die von der Bevölkerung besonders geschätzt werden. Im Kontext von Klimawandel wächst die Zahl von Initiativen für Baumschutz und -pflanzungen ausserhalb des Waldes. Gleichzeitig wissen die Initiant:innen oft nicht, welche Stellen sie ansprechen sollen.

Vor diesem Hintergrund hat das BAFU 2021 eine Massnahme der Strategie für nachhaltige Entwicklung zu Bäumen ausserhalb des Waldes lanciert. Während Wald- und Raumplanung sowie Siedlungs- und Landwirtschaftszonen getrennt sind, überschneiden sich in der Praxis zahlreiche weitere Politik- und Fachbereiche wie Landschafts- und Naturschutz, Klima oder Energie mit diesem Thema. Diese sektorielle Fragmentierung hat politische und operative Folgen. Zwar gibt es Förderinstrumente für Landwirtschaft und Klimaanpassung, doch ist eine übergeordnete Koordination auf Bundesebene nicht gesichert.

In diesem Vortrag präsentieren wir den aktuellen Stand der Förderung und Koordination von Bäumen ausserhalb des Waldes von der Bundes- bis zur Gemeindeebene. Wir diskutieren die Rollen der Akteur:innen für Agroforstwirtschaft und Urban Forestry und zeigen, dass Dialog und Koordination aus Sicht dezentraler Akteur:innen als prioritäre Hebel zur Förderung betrachtet werden. In Verbindung mit Erfahrungen und Studien zur ökologischen Infrastruktur schlagen wir sektorübergreifende Lösungsansätze vor und beleuchten dabei insbesondere die Rolle der Gemeinden als Schlüsselakteure.

Pfund, Jean-Laurent1; Wilkes-Allemann, Jerylee1; Dirac Ramohavelo, Clémence2

1Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL); 2BAFU

Der Parc Ela ist einer von 12 Praxispartnern im europäischen Forschungsprojekt PLUS Change (Planning Land Use Strategies: meeting biodiversity, climate and social objectives in a changing world). Seit dem Projektstart im Sommer 2023 haben wir uns in mehreren Workshops mit verschiedenen Akteuren aus dem Parkgebiet zur bisherigen und künftigen Landnutzung im Parc Ela ausgetauscht. Ein dabei gemeinsam definiertes Ziel für die Zukunft liegt in der Produktion von nachhaltigen, standortangepassten und authentischen Lebensmitteln, die vor Ort verarbeitet und angeboten werden. Unter Berücksichtigung des Klimawandels und mit dem Fokus auf Erhalt von Biodiversität und menschlichem Wohlbefinden, möchten wir Strategien entwickeln, um Landnutzung im Parc Ela standortangepasst, vielfältig, attraktiv, erlebbar und gemeinsam zu gestalten.

Moschitz, Heidrun; Perl, Franziska

Verein Parc Ela

Cette contribution restitue les résultats de la recherche-action Les Saisons du Rhône menée pour la mise en place d’un Observatoire Paysage du Rhône genevois, dont le lancement est prévu début 2026. Elle expose les fondements de cet observatoire paysage : son identité, son ancrage conceptuel, ses axes d’observation et ses outils de médiation.

Porté par l’équipe Paysage Projet Vivant HEPIA en collaboration avec les offices cantonaux de Genève, l’Observatoire Paysage a pour mission de documenter les paysages du fleuve, de partager des ressources à leur sujet, de mettre en réseau les acteur·trices et sensibiliser les habitant·es à l’importance de cette charpente paysagère socio-écologique. Il vise à d’ouvrir un espace de concertation où politiques, valeurs et imaginaires du paysage peuvent dialoguer et se confronter afin de soutenir une gouvernance partagée pour une meilleure habitabilité des milieux de vie du Rhône.

Le projet mobilise les méthodologies de médiation paysagère pour faire de l’Observatoire Paysage un lieu de rencontre entre acteur·trices et habitant·es, entre savoirs et pratiques, expériences et actions. Le paysage y est envisagé comme sujet et support vivant, outil de connaissances, de perceptions et d’expériences pour co-construire des futurs résilients pour l’ensemble du vivant (Davodeau, 2022).

Cette démarche collaborative vise à renforcer l’attention portée au Rhône, ressource matérielle et immatérielle, dans les politiques de planification à incidence paysagère.

Fiero, Molly1; Guillaumont, Natacha1; Chowney, Charlotte2

1HEPIA – HES-so Genève; 2Office Cantonal de l’Agriculture et de la Nature, Etat de Genève

P21 – Développement du paysage et régional dans les Alpes

Das SNF-Projekt Commons der Alpen – Ein offenes Archiv für Handwerk, Tradition und Innovation https://data.snf.ch/grants/grant/10000223 entwickelt ein interoperables digitales Archiv, das traditionelles und innovatives Handwerkswissen aus vier Bündner Naturpärken (Modellregionen) sammelt, strukturiert und zugänglich macht. Auf Basis eines skalierbaren Datenmodells (Dublin Core) entsteht ein prototypischer Design-Commons, der als digitales Wissensallmend erweitert werden kann.

Untersucht wird, wie digitale Infrastrukturen den Zugang zu lokalem Wissen, dessen Wahrnehmung und Weitergabe verändern – insbesondere in Regionen, in denen Handwerkstraditionen gefährdet sind. Im Fokus stehen handwerkliche Kenntnisse im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, in den Bereichen Textilien, Holzverarbeitung, Sgrafitto, landwirtschaftliche Erzeugnisse und Kräuterwissen u.a. – vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute.

Durch Open-Source-Entwicklung, Co-Creation mit regionalen Expert:innen sowie die Sichtbarmachung weiblicher Akteur:innen entsteht eine neue Wissensökologie für alpine Kulturräume. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Zukunft digitaler Commons, zur Transformation analoger Traditionen in nachhaltige Wissensräume und zur langfristigen Sicherung alpiner Handwerkspraktiken.

Schranz, Christine; Elberskirch, Charleen

FHNW Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel

Natur erbringt vielfältige, nutzenabhängige- als auch in nutzenunabhängige Leistungen für die Gesellschaft (Pearce/Turner 1990). Der Ökosystemleistungs-ansatz bildet die Grundlage für die Ermittlung des ökonomischen Gesamtwertes, welcher all diese Leistungen beinhaltet (TEEB DE 2016). Da Natur in ihrer Gesamtheit nur unzureichend erfassbar ist, können naturschutzgesetzlich prädikatisierte Landschaften als geeignete Repräsentanten dienen. In Deutschland bilden die Nationalen Naturlandschaften (NNL) die Dachorganisation für den Naturschutz auf 33 % der Landesfläche. Zu ihnen zählen 141 Nationalparks, Naturparke, Biosphärenreservate und Wildnisgebiete, welche unterschiedliche Schutzziele verfolgen, aber gemeinsam zur nachhaltigen Entwicklung dieser Landschaften beitragen (NNL e.V. 2025). Bislang wird ihr Wert in politischen Entscheidungsprozessen oft nur unzureichend berücksichtigt. Ein zentraler Grund dafür ist das fehlende Wissen über die gesellschaftliche Bedeutung. Über 25 Jahre gesammelte Daten zur regionalwirtschaftlichen Wirkung der getätigten Ausgaben von Naturtouristen und damit des konkreten Mehrwerts der Schutzgebiete vor Ort, sollen Natur künftig sichtbarer und wirkungsvoller in politische Entscheidungsprozesse einbringen. Zudem wurde im Rahmen eines bevölkerungsrepräsentativen Discret Choice Experiments die monetäre Bewertung von Ökosystemleistungen im Rahmen einer Total Economic Valuation der NNL durchgeführt (BfN 2026).

Job, Hubert1,2

1ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft; 2Universität Würzburg

Die Alpenkonvention legt in ihrer Rahmenkonvention und den Protokollen Leitprinzipien für ein nachhaltiges Leben in den Alpen fest. Sie wird international oft als Beispiel für eine gelungene Abstimmung zu Prinzipien einer räumlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zwischen Staaten gesehen. Die Realität zeigt, dass die Umsetzung der Alpenkonvention gerade in der räumlichen Entwicklung aufgrund allgemeiner Formulierungen und fehlender Kriterien herausfordernd bleibt.

Mit der CIPRA Österreich wurde daher ein Leitfaden zur Integration der Ziele und Maßnahmen der Alpenkonvention in der österreichischen Raumplanung – insbesondere auf kommunaler Ebene – verfasst und 2025 publiziert. Im Frühjahr 2026 folgt ein Workshop mit Planer:innen zur Erarbeitung von Umsetzungspfaden.

Der Beitrag reflektiert zu Zielsetzungen und Vorgaben der Alpenkonvention und ihrer Protokolle für die räumliche Entwicklung und inwiefern diese bereits erreicht oder durch bauliche/infrastrukturelle Entwicklungen konterkariert werden. Neben der Frage der Verbindlichkeit der Konvention, wird der Frage nachgegangen, welche Hilfestellung sie für eine nachhaltige räumliche Entwicklung in den Alpen leisten kann.

Schindelegger, Arthur1; Kuncio, Paul2

1Technische Universität Wien; 2CIPRA Österreich;

Industrienationen überschreiten in immer kürzeren Zeitabständen ihr jährliches ökologisches Ressourcenbudget (Wackernagel & Rees 1996). Besonders im Alpenraum führt die räumliche Begrenztheit zu einer intensiven Konkurrenz um nutzbare Flächen, wodurch ökologisch wertvolle Gebiete zunehmend unter Druck geraten (Ströbel et al. 2025). Diese Freiräume erfüllen zentrale ökologische und gesellschaftliche Funktionen, indem sie als verbindende Strukturen wirken und essenzielle Ökosystemleistungen bereitstellen.

In einer vergleichenden Dokumentenanalyse für Südtirol und die Planungsregion Oberland in Bayern wurden raumplanerische Instrumente hinsichtlich ihrer Wirksamkeit im Freiraumschutz untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Obwohl Planungssysteme den ökologischen Wert von Freiräumen klar anerkennen, mangelt es an verbindlichen, räumlich konkreten Zielvorgaben, wodurch bestehende Flächenziele kaum eingehalten werden. Neben einer präziseren Verantwortungszuweisung und stärkeren Steuerungsinstrumenten plädieren wir für ein erweitertes Planungsnarrativ über das Konzept Zentraler Freiräume, das ökologische Multifunktionalität als zentrale Grundlage raumplanerischer Entscheidungen versteht. Es zielt darauf ab, Schutzwirkungen zu erhöhen und verbindliche „No-Go-Flächen“ zu definieren, um die langfristige Sicherung ökologisch bedeutender Räume vor einer Inanspruchnahme zu gewährleisten. Der Beitrag wird im Rahmen der geplanten AlpPlan Session eingereicht.

Ströbel, Kerstin1,2

1ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft; 2Universität Würzburg

P22 – La perception du paysage hier, aujourd'hui et demain

Alpine landscapes are rapidly transforming due to climate change and human pressures, affecting biodiversity and community well-being. These shifts highlight the need for transformative change that includes diverse perspectives and values of nature. Yet young people remain underrepresented in research on nature value perceptions, especially in Alpine environments. This study uses the Nature Futures Framework to examine how young people (n = 68, aged 14–16) perceive and value Alpine nature in the Gaisberg Valley, Austria. We analyzed more than 450 short narratives and visualized their intrinsic, relational, and instrumental values. The results show that young people mainly emphasize intrinsic values (e.g., glaciers, landforms) and relational values (e.g., memories, personal connections), while instrumental values (e.g., water provision, energy production) appear less frequently. This indicates strong appreciation of natural features and personal connections but limited awareness of broader ecological and societal functions. The findings underline the need to strengthen knowledge of instrumental and relational dimensions through, e.g., environmental education, participatory activities, and nature-based experiences, supporting sustainability and nature connectedness, and environmental awareness in mountain regions.

Trummer, Johanna; Weinberg, Lucas

Universität Innsbruck, Österreich

2020 führten wir digitale Soundscape-Workshops gemein mit internationelen Partnerinstituten durch. Bedingt durch die COVID19-Lockdowns umfassten die Tonaufnahmen meist den unmittelbaren Aussenraum. Durch die Verkehrsberuhigung unterschieden sich urbane und ruralen Aufnahmen nur geringfügig. Ein bellender Hund in der Ferne, Kirchenglocken, Blätterrauschen, Vogelgesang, Polizeisirenen und vereinzelte menschliche Stimmen prägten die Aufnahmen. Diese Klänge verweisen auf eine Vielfalt von Naturen, die sich sinnlich erfahren und zusammenfassen lässt.

Der Landschaftsbegriff ist historisch ästhetischer geprägt und stark visuell codiert. Er geht zurück auf die Landschaftsmalerei der frühen Renaissance, wurde durch die englischen Gartenlandschaften, romantische Naturvorstellungen sowie Idealbilder geformt und ist zentral bestimmt durch den gewählten Blick und die bewusste Rahmung.

Akustische Landschaften hingegen entziehen sich dieser visuellen Begrenzung: Eine Autobahn lässt sich nicht aus dem Klangfeld ausblenden, und selbst ein Windkraftwerk kann durch Frequenz und Rhythmik als atmosphärisch wahrgenommen werden. Ausgehend von den Soundscape-Workshops reflektiert der Vortrag die Rolle akustischer Landschaften für Wahrnehmung, Interpretation und Gestaltung von Landschaft. Im Fokus steht das Hören einer Pluralität und die damit verbundenen Potentiale.

Spielmann, Max

Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW

„Ältestes wird überleben“ – unter diesem Titel untersucht die geplante Dissertation, wie sich die Landschaftsarchitektur im Zeitalter planetarer Transformation neu denken lässt. Ausgehend von der Frage, wie Materialwahl, Baukultur und Atmosphäre unter den Bedingungen des Klimawandels zusammenspielen, zielt die Forschung auf eine landschaftsarchitektonische Gestaltungstheorie der Beziehung zwischen Körper, Raum und Zeit und kritisiert die gegenwärtige Landschaftsarchitektur in ihrer « form-follows-ecology » Praxis.

Im Zentrum steht die sinnlich-atmosphärische Wirkung von Materialien – nicht nur als ästhetisches Phänomen, sondern als kulturelle, geologische und ökologische Ausdrucksform. Aufbauend auf dem Ansatz des Chthuluzäns nach Donna Haraway, wird Landschaftsarchitektur als Akteur in einem atmenden Beziehungsfeld verstanden. Gestaltung nicht als Kontrolle, sondern als Mitsein mit der Welt.

Ziel ist es, eine Entwurfstheorie zu entwickeln, die landschaftsarchitektonische Gestaltung als « more-than-human » Praxis versteht, in der die Beziehung im Zentrum steht. « Form-follows-Relations! »

Kämpfen, Gian-Luca

Fachhochschule OST

Fostered by social and economic globalization, standardised urban and infrastructural development is dissolving the character of landscapes with their Baukultur qualities (Grêt-Regamey & Galleguillos-Torres, 2022), eventually leading to a loss of sense of place and place attachment (Jorgensen & Stedman, 2001). Questions therefore arise concerning the perception of landscape changes: How do local stakeholders and residents perceive landscape quality and its evolution over time? What are the consequences of landscape changes on place attachment and active engagement with the place?

Based on empirical work in Minusio, along the Laggo Maggiore (Ticino), we propose a comparison between the “objective” changes of the landscape and their perception by local residents. We documented the changes over the last 80 years using a cartographic approach and conducted transect walks to assess the perception across space and time.

This research is part of the project Qualiscapes – Assessing tipping points in Baukultur qualities of the NRP 81 “Baukultur”.

References:

Grêt-Regamey, A., & Galleguillos-Torres, M. (2022). Global urban homogenization and the loss of emotions. Scientific Reports, 12(1), 22515.

Jorgensen, B. S., & Stedman, R. C. (2001). Sense of place as an attitude: Lakeshore owners attitudes toward their properties. J. Env. Psy., 21(3), 233–248.

Bussard, Jonathan1; Keller, Roger2; Booz, Justin3; Fiora, Marine1; Rodewald, Raimund4; Steiger, Urs5; Urech, Philipp3; Reynard, Emmanuel1

1Institue of Geography and Sustainability and Interdisciplinary Centre for Mountain Research, University of Lausanne; 2Department of Geography, University of Zurich; 3Institute for Spatial and Landscape Development , ETH Zurich; 4Stiftung Landschaftsschutz Schweiz; 5Steiger texte konzepte beratung

P23 – Tourisme et paysage en mouvement

Mountainbiking ist seit Jahrzehnten im Alpentourismus verankert. Seit Mitte der 2010er-Jahre gewannen E-Mountainbikes stark an Bedeutung – mit neuen Reichweiten, erweiterten Nutzergruppen und heute über der Hälfte des schweizweiten Verkaufsanteils. Die Studie untersucht die aktuellen Tourenpräferenzen und damit u.a. das Erlebnis der Berglandschaft von Bikenden und E-Bikenden in der Schweiz und vergleicht sie mit Mustern von 2012, die mit einer ähnlichen Methode erhoben wurden.

Grundlage ist eine Online-Erhebung 2025 unter 367 Bikenden einschliesslich eines Discrete-Choice-Experiments. Vier Nutzersegmente treten hervor: eine leistungsorientierte Gruppe mit langen, höhenmeterreichen und technisch anspruchsvollen Touren sowie drei Gruppen, die meist kürzere Touren unter vier Stunden wählen. Das Erlebnis der Berglandschaft wirkt in allen Segmenten positiv, und Bikende und E-Bikende unterscheiden sich in den Tourenpräferenzen kaum. Eine Gruppe bevorzugt komfortorientierte Touren; eine zweite wählt mittellange Touren mit moderaten Anstiegen und reagiert sensibel auf hohe Besuchendenzahlen; die dritte zeigt die stärkste Präferenz für Rundtouren.

Im Vergleich zu 2012 bleiben die Unterschiede zwischen leistungsorientierten und komfortorientierten Bikenden klar erkennbar. Rundtouren zeigen eine höhere Attraktivität und die negative Wirkung der Begegnung mit vielen Wandernden fällt moderater aus.

Zusatzinfo: Stichprobe wird 2026 vergrössert.

Rupf, Reto; Henzmann, Reto; Wyttenbach, Martin

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW

Das international bekannte Bouldergebiet Magic Wood zieht jährlich mehrere Tausend Besucher:innen in die kleine Berggemeinde Ferrera und prägt damit Landschaft, Nutzung und regionale Wertschöpfung. Die Infrastruktur stösst allerdings an ihre Grenzen, was oftmals zu Verkehrschaos und Nutzungskonflikten führt.

Ferrera steht exemplarisch für alpine Landschaften, die vor der Herausforderung stehen, touristische Attraktivität, regionale Wertschöpfung und ökologische Verantwortung in Einklang zu bringen. Ziel ist es nicht mehr Gäste anzuziehen, sondern bestehende Besuchsströme besser zu lenken, Konflikte zu reduzieren und die Attraktivität der Gemeinde Ferrera als Wohn- und Arbeitsort zu stärken.

Gemeinsam mit regionalen Akteur:innen wie der Gemeinde Ferrera, dem Naturpark Beverin, der Region Viamala, Viamala Tourismus, der IG Magic Wood und lokalen Leistungsträgern entwickelt die ZHAW im Rahmen eines NRP-Projekts ein nachhaltiges touristisches Gesamtkonzept. Dieses umfasst Themen wie landschaftsverträgliche Infrastruktur und touristische Angebote, nachhaltige Mobilität im Berggebiet, Besuchermanagement und eine Nachhaltige Entwicklung als übergeordnete Leitlinie der Gemeinde.

Der Beitrag zeigt, wie durch partizipative Prozesse und transdisziplinäre Zusammenarbeit Wege gefunden werden, um Landschaft als Lebens- und Erlebnisraum in Balance zu halten – und Ferrera langfristig als resiliente, identitätsstiftende und landschaftsverträgliche Destination zu positionieren.

Göpfert, Rebecca1; Nagelmüller, Sebastian2; Lier, Marco3; Thörig, Reto4

1ZHAW Forschungsgruppe Tourismus & Nachhaltige Entwicklung; 2Gemeinde Ferrera; 3Region Viamala; 4Viamala Tourismus

In naturnahen Gebieten stehen die Erholungsbedürfnisse der Menschen den Lebensraumanforderungen der Wildtiere gegenüber. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie positive Effekte von Wildtier-Mensch-Interkationen (z.B. Erholungswirkung, erhöhte Naturverbundenheit und Unterstützung von Naturschutz) gefördert und gleichzeitig Störungen von Wildtieren minimiert werden können.

Zentral untersuchen wir, inwiefern Begegnungen mit Wildtieren, die in der Regel kaum Angst auslösen (Gämse oder Reh), zur wahrgenommenen Erholungsqualität von Naherholungssuchenden beitragen und wie solche Begegnungen die Einschätzung von Störungen von Wildtieren prägen.

Hierzu analysieren wir mittels einer Online-Befragung jeweils die letzte Wildtierbegegnung mit Gämse oder Reh von rund 1’150 Teilnehmenden. Der Fragebogen basiert auf dem von Johansson et al. (2021) entwickelten Rahmenkonzept zur Erholungswirkung von Wildtierbegegnungen in natürlicher Umgebung. Aufbauend darauf schätzen wir verschiedene multivariate Modelle, darunter Generalized Linear Mixed Models (GLMM) und hierarchische Regressionsmodelle.

Auf planerischer Ebene liefern diese Ergebnisse Grundlagen für die Entwicklung von Massnahmen zur Förderung möglichst schonender Begegnungen mit Wildtieren, insbesondere in naturnahen Naherholungsgebieten.

Scheele, Lucia; Rupf, Reto; Wyttenbach, Martin

ZHAW – Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR)

Angesichts des wachsenden Interesses städtischer Bevölkerungsgruppen an Erholung in der stadtnahen Natur wird es zunehmend wichtig, das Besucherverhalten fundiert zu analysieren und darauf aufbauend wirksame praxisrelevante Steuerungsinstrumente zu entwickeln, um negative Auswirkungen auf die Landschaft zu begrenzen und gleichzeitig die Qualität der Naturerlebnisse zu verbessern. In diesem Beitrag präsentieren wir erste Erkenntnisse eines Kooperationsprojektes zwischen Tschechien und der Schweiz zur Förderung des nachhaltigen Tourismus in stadtnahen Landschaften. Konkret unterstützen wir den Spa-Wald im tschechischen Karlsbad, der mit einer übermässigen kontinuierlichen sowie saisonalen Besucherfrequenz zu kämpfen hat. Um dem Problem langfristig entgegenzuwirken, setzen wir automatische Zähler ein, die kontinuierlich die Besucherzahlen erfassen. Diese Daten werden durch eine Besucherumfrage ergänzt, die Aufschluss über die Motivationen und Präferenzen der Besucher*innen gibt. Zusätzlich fördern wir den systematischen Wissensaustausch mit Erholungswäldern in der Schweiz, die über etablierte Monitoring- und Besucherlenkungskonzepte verfügen. In diesem Tandembeitrag wird dabei exemplarisch auf den Uetliberg bei Zürich eingegangen. Basierend auf den Resultaten entwickeln wir gemeinsam mit den Forstbehörden in Karlsbad eine nachhaltige Besucherlenkungsstrategie. Ziel des Projekts ist es, ein für ähnliche stadtnahe Erholungslandschaften übertragbares Modell zu entwickeln.

Feurer, Mélanie1; Mohr, Reto2; Palàtovà, Petra3; Wilkes-Allemann, Jerylee1

1Berner Fachhochschule (BFH-HAFL); 2Grün Stadt Zürich; 3Czech University of Lif Sciences, Tschechische Republik

P24 – Gestion du paysage et de la biodiversité

Semi-natural grasslands are important economically for grazing of domestic animals, but they also host high biodiversity. Grasslands are highly managed and this management is known to influence biodiversity but comprehensive analyses that simultaneously considers the influence of management intensity, and abiotic factors, on grassland biodiversity are limited. Using a robust set of plots collected within several nationwide Swiss survey programs we evaluated the relative importance of management and abiotic factors on grassland diversity. We find that management variables were among the main factors influencing species richness. Further, management had a stronger influence on species richness than when this richness was weighted by abundance indicating that rare species are likely most susceptible to management. Sites with frequent mowing and high nitrogen have lower species richness, confirming expected effects of management on diversity; a pattern that is consistent in both low and high elevation grasslands. By evaluating the importance of management in the context of other drivers of biological diversity allowing us to provide more informed management recommendations.

Graham, Catherine; Pazur, Robert; Denue, Benjamin; Dale, Esther; Pichon, Noémie

WSL

Der kantonsübergreifende und schweizweit erste Agrarpark im Limmattal befindet sich seit 2025 in den ersten Umsetzungen. Er hat das Potential, « Role-Model » für eine vorbildliche Vorgehensweise zur Inwertsetzung einer qualitätsvollen Agglomerati-onslandschaft zu werden. Die verschiedenen Nutzungsansprüche werden in Koexistenzen organisiert und für Erholungssuchende aufgewertet, wobei die Grundlage dazu die wirkungsvolle Implementierung der ökologischen Infrastruktur (ÖI) ist. Der «Agrarpark Limmattal» vereint mit einem integralen Ansatz vielfältige Fragestellungen, die für die meisten siedlungsnahen Kulturlandschaften in den Schweizer Agglomerationen anwendbar sind:

– Wie gelingt es, die Landschaft des 21. Jahrhunderts aktiv zu gestalten (Landschaftskonzept Schweiz, 2020)?

– Wie können die Aspekte klimaangepasste landwirtschaftliche Nutzung, Landschaftsästhetik, ÖI und Naherholung grossräumig und integral gedacht und in konkreten Multikomponentenprojekten umgesetzt werden? Insbesondere auch auf den gut nutzbaren Böden (FFF) des Schweizer Mittellandes, die rein raumtypologisch in Konflikt mit einer rasanten Siedlungs- und Verkehrsinfrastrukturentwicklung stehen.

Ziele:

– Ästhetik und Umsetzung der ÖI als Reallabor im Sinne einer lernenden Planung,

– Arbeitsthilfen,

– Kommunikations- und Medienkonzept,

– Bildungsformate für Gemeinden, Bevölkerung und Verwaltung

Cejka, Andrea1; Grossenbacher, Franziska2; Aeberhard, Raphael3; Landert, Lisa4

1Fachhochschule OST-ILF; 2Stiftung Landschaftsschutz Schweiz; 3SKK und Gersbach Landschaftsarchitekten, Arbeitsgemeinschaft; 4Bundesamt für Landwirtschaft

Projekt ALPEX, schafft ein kollaboratives Netzwerk, welches wissenschaftliche Experten, Naturschutz-Organisationen, lokale Akteure und Bundesämter miteinander verbindet, um entscheidende Erkenntnisse aus Langzeitbeobachtungen von Flüssen zu gewinnen. Dazu werden hochauflösende Sensoren, Kohlenstoffisotopenanalysen (14C, 13C) und environmental-DNA (eDNA) eingesetzt, um sowohl den Kohlenstoffkreislauf zu erfassen sowie auch die Artenvielfalt langfristig zu dokumentieren. Auf diese Weise fördert ALPEX einen synergetischen Ansatz, der sicherstellt, dass die gewonnenen Daten wirksam zur Gestaltung evidenzbasierter Naturschutzstrategien und zur Bewältigung dringender Herausforderungen in der Schweiz beitragen. Projekt ALPEX baut auf einer soliden Grundlage früherer Forschungsprojekte der ETH Zürich auf und integriert dabei eine starke gesellschaftliche Komponente, bei der die Schweizerische Greina-Stiftung mit ihrer langjährigen Erfahrung massgeblich beiträgt. Letztlich schafft ALPEX die Grundlage für ein weltweit relevantes Rahmenwerk zur langfristigen Umweltbeobachtung und gesellschaftlichen Beteiligung – mit der Schweiz als führendem Beispiel des Schweizer Wegs für Naturschutz in den Alpen.

Rhyner, Timo1,4; Eglinton, Timothy2; Pellissier, Loïc3,2

1Schweizerische Greina-Stiftung; 2Geologisches Institut, ETH Zürich; 3Department of Environmental System Science, ETH Zürich; 4WSL

Trafotürme sind historische Bauwerke aus der Zeit der Elektrifizierung, die ab dem späten 19. Jahrhundert mit der flächendeckenden Stromversorgung entstanden. Sie wandelten Hochspannung aus dem Netz in haushaltsübliche Niederspannung um. Zwischen den 1920er- und 1960er- Jahren entstanden vielerorts massive Turmbauten, oft nach Typenplänen. Viele erhielten regionale Elemente wie Giebeldächer oder besondere Fassadenfarben, um sich ins Ortsbild einzufügen.

Mit der Erdverlegung von Leitungen und neuen, kompakteren Anlagen verloren Trafotürme ihre Funktion. Nur noch wenige sind heute im Betrieb.

Durch gezielte Artenförderung und ökologische Aufwertungen können die architektonisch und historisch wertvollen Zeitzeugen sinnvoll mit der Förderung von Biodiversität verbunden und umgenutzt werden. Unsere Vision lautet: Vom Elektrizitätsnetzwerk zum Biodiverisitätsnetzwerk.

Idealerweise werden die Transformationen mit verschiedenen Nutzungen überlagert. Dadurch ergeben sich auch Mehrwerte für die Gesellschaft, den Erhalt der Baukultur und die ästhetische Aufwertung der Umgebung.

Auf dem Weg dorthin wollen wir Trafotürme individuell auswählen, analysieren und massgeschneiderte Massnahmen entwerfen, mit denen die Bauwerke ökologisch, baukulturell und gesellschaftlich aktiviert werden können. Über die Zeit kann so aus dem ehemaligen Stromnetz ein identifikationsstiftendes Biodiversitätsnetz als Bestandteil einer wertvollen Kulturlandschaft entstehen.

Stadelmann, Angela; Glowatz-Frei, Florian

planikum ag

W2 – Réflexe-paysage: eine neue Website zum testen

Comment enclencher le réflexe-paysage chez celles et ceux qui planifient, conçoivent et développent le territoire ? Et plus encore : comment parler de paysage aux citoyen.nes ?

Le paysage reste une discipline à part entière, riche et complexe. Un socle de connaissances de base est nécessaire pour l’appréhender, il faut en passer par des concepts théoriques, comprendre les différents types de paysages, leurs forces et leurs fragilités. Ainsi peut-on accompagner le développement du territoire sans dénaturer la substance des paysages qui le composent. Déclarée comme un axe majeur de la mise en œuvre de la politique paysagère du Canton du Valais, la communication est l’un des piliers pour la diffusion du réflexe paysage, c’est-à-dire la prise en compte du paysage lors d’une démarche de projet, par le partage des fondamentaux de la discipline. Le Service du développement territorial a choisi de créer un site internet entièrement dédié au paysage, avec une double approche. D’une part, présenter les connaissances issues de la Conception Paysage cantonale, avec des éléments de langage, des images et des cartes interactives. D’autre part, un volet plus évolutif et expérimental, sous la forme d’un quizz. Répondre à quelques questions en partant d’un projet donné permet de rassembler des éléments d’analyse puis d’évaluer les enjeux de «son» paysage. Le site propose aussi une bibliothèque de ressources et prévoit la valorisation de projets-modèles et la publication d’une newsletter.

Vetter, Chantal1; Hoffmeyer, Valérie2; Boisset, Edouard3

1Service du développement territorial, Canton du Valais; 2Pleineterre, paysage et communication; 3bebold

14:45

Changement de salle

15:00

Deux interventions et discussion sur le changement climatique, les risques naturels et le paysage sous différents angles

Les paysages de montagne ont toujours été affectés par des dangers naturels, qui ont influencé la manière dont les populations utilisent, peuplent et aménagent ces espaces. Les modes de peuplement et d’utilisation des sols ont donc sans cesse été adaptés aux processus liés aux risques naturels. Avec le changement climatique, cette interaction s’intensifie : les catastrophes naturelles changent d’intensité et de répartition spatiale, ce qui oblige à réévaluer l’utilisation des paysages. Si certaines zones peuvent voir leur habitabilité remise en question, d’autres gagnent en attractivité et offrent de nouvelles perspectives pour le tourisme et d’autres formes d’utilisation.
Cet exposé replace les événements naturels passés et actuels dans l’histoire des changements de paysages, d’un point de vue scientifique. Sur cette base, il examine la façon dont les évolutions futures peuvent être anticipées et gérées de manière judicieuse. Il met en lumière les marges de manœuvre et les limites permettant de gérer les risques et les opportunités liés à ces changements, tout en tenant compte des spécificités régionales.
Les intempéries de juin 2024 ont bouleversé le paysage culturel de Fontana, Bosco et Mondada, dans le Val Bavona, fruit de plusieurs siècles d’interaction entre l’homme et la nature. Une simple reconstruction n’est ni possible ni sensée. Le projet présenté dans cet exposé vise donc à créer un nouveau paysage qui préserve la mémoire de cet événement, en partant d’une vision commune avec la population locale, grâce à un processus participatif. Une approche multidisciplinaire et une grande flexibilité dans la planification sont essentielles à la réalisation du projet. La collaboration entre ingénieurs, architectes paysagistes, scientifiques des sciences naturelles et des sciences humaines est essentielle pour adopter une approche intégrée dans laquelle la sécurité, la fonctionnalité et le respect de l’environnement naturel et culturel sont pris en compte de manière égale.
Ricucitura del paesaggio Fontana, Bosco & Mondada, valle Bavona

L’alluvione del giugno 2024 ha stravolto il paesaggio di Fontana –Bosco – Mondada, frutto di secoli di interazione tra uomo e natura. Una semplice ricostruzione del paesaggio non è possibile e non è sensata. Il progetto mira a creare un nuovo paesaggio che conservi la memoria dell’evento e sia condiviso con chi vive e conosce questi luoghi, grazie a un processo partecipativo. Per la progettazione, sono essenziali un approccio multidisciplinare e la flessibilità progettuale. La collaborazione tra ingegneri, paesaggisti, storici ed esperti ambientali garantisce una visione integrata, capace di coniugare sicurezza, funzionalità e rispetto del contesto naturale e culturale.

15:50

Rétrospective, remerciements et clôture (plénière) : Ulrike Sturm, HSLU, présidente FoLAP

16:10

Fin du colloque

Retour

16h26 Bus

16h37 Train Davos Dorf

À Zurich 18h53 ; Berne 19h58 ; Genève 21h55 ; arrivée à Lugano : 20h35 (avec départ à 16h14)

Sous réserve de modifications du programme. Sous réserve de modifications du programme, notamment en ce qui concerne les horaires précis !